Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/5g-antenne-in-berlin-zu-schnell-um-nuetzlich-zu-sein-1909-143609.html    Veröffentlicht: 06.09.2019 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/143609

5G-Antenne in Berlin ausprobiert

Zu schnell, um nützlich zu sein

Neben einem unwirtlichen Parkplatz in Berlin-Adlershof befindet sich ein Knotenpunkt für den frühen 5G-Ausbau von Vodafone und Telekom. Wir sind hingefahren, um 5G selbst auszuprobieren, und kamen dabei ins Schwitzen.

In Vodafones erstem öffentlichen 5G-Netz in Berlin werden vom Endnutzer bis zu 740 MBit/s erreicht. Das ergaben Messungen von Golem.de in dieser Woche mit dem Huawei Mate20x 5G. Das 5G-Netzwerk steht in Berlin-Adlershof. Ein früherer Test der ''Welt'' hatte 840 Megabit pro Sekunde im Download und fast 36 Megabit im Upload gemessen.

Ob Netflix, Hatch, Shadow oder Videotelefonie: Im Test konnten wir keine Anwendung finden, die die hohe Datenübertragungsrate auch nur annähernd ausnutzt. Hatch streamt mobile Spiele auf Telefon - ob das sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahingestellt, aber die App möchte auf jeden Fall gern 5G haben. Nutzen tut sie es aber leider nicht mal ansatzweise.

Shadow ist ebenfalls ein Streamingdienst für Spiele, er verlangt auch nach hohen Datenraten - und würde von niedriger Latenz profitieren. Mehr als 5,6 Megabyte pro Sekunde nutzt aber auch Shadow nicht. Die Streamingqualität des Spieles ist super, aber die Latenz unterscheidet sich unserem Gefühl nach nicht wirklich von der in einem WLAN.

Ohne ein mobiles Gigabit-Netz kann es auch noch keine Anwendungen geben, die solche Datenübertragungsraten ausreizen. Und 5G befindet sich in einer frühen Phase des Aufbaus.

Unsere letzte Hoffnung: PUBG. Nicht das Spiel selbst - obwohl auch hier niedrige Latenz von Vorteil ist - sondern der Download. Und siehe da, unsere Verbindung wird zum ersten Mal voll ausgenutzt. In knapp 45 Sekunden sind über 2 Gigabyte heruntergeladen. Jetzt kommen aber nicht nur wir an diesem heißen Tag ins Schwitzen. Das Huawei Mate 20X in der 5G-Version erwärmt sich nach einer Stunde herumspielen im Netzwerk auf über 40 Grad. Andererseits ist auch die Umgebung mit über 30 Grad nicht unbedingt kühl. Trotzdem überhitzt das Gerät nicht, die Downloadraten bleiben hoch.

Wir setzen uns 200 Meter von der Antenne entfernt in ein Café und lassen unseren Laptop per USB-Tethering auf das 5G-Netz zugreifen. Die Downloadrate bei Steam ist mit 400 Mbit/s immer noch hoch, aber schon um einiges geringer als draußen direkt unter der Antenne. Die Funkzelle, in der wir uns befinden, wird von Vodafone momentan noch für Tests benutzt, manchmal sinkt die Übertragungsrate etwas, einmal kriegen wir keine 5G-Verbindung mehr hin.

Vodafone hatte am 15. August in Berlin-Adlershof an einem ersten Standort das neue 5G-Netz freigeschaltet. In Kürze sollen zwei weitere Berliner 5G-Stationen folgen.

Hier wurde bisher noch nicht das neu versteigerte 5G-Spektrum eingesetzt, weil die Frequenzen noch nicht offiziell zugeteilt waren. Vodafone nutzt bisher bestehende Frequenzen aus dem 3,5-Gigahertz-Bereich, die bereits in der Vergangenheit erworben wurden. Mit der Zuteilung der neuen Frequenzen würde die Leistung im 5G-Netz noch weiter optimiert. Ersteigert hatte Vodafone den unteren Bereich des 3,6-GHz-Frequenz-Spektrums, also 3,4 GHz aufwärts.

Die Landesregierung will Berlin zur Modellregion für die fünfte Mobilfunkgeneration machen. Dabei arbeitet die Senatsverwaltung für Wirtschaft mit der Deutschen Telekom zusammen. Die Senatsverwaltung hat mit der Telekom eine Vereinbarung für einen beschleunigten 5G-Ausbau unterzeichnet, die im Januar 2019 vorgestellt wurde. Die Telekom baut die Mobilfunkstationen aus, die Stadt verspricht Hilfe mit geeigneten Gebäuden und schnellen Genehmigungen für die Antennenstandorte. Zuerst sollen der Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof und der Siemens-Innovationscampus angeschlossen werden, dann die Messe Berlin, danach der Potsdamer Platz und die Stadtautobahn sowie die Berliner U-Bahn. Die Vereinbarung dürfte auch der Grund für die Standortwahl von Vodafone sein.

Die ersten 5G-Antennen der Telekom in Europa, die den neuen Kommunikationsstandard unterstützen, senden bereits seit Mai 2018 unter realen Bedingungen im Telekomnetz in Berlin. Je drei Antennen sind in der Leipziger Straße und der Winterfeldtstraße installiert und basieren auf dem Standard 5G New Radio (NR). Zudem baue der Netzbetreiber im Berliner Zentrum einen kompletten 5G-Cluster mit einer Breite von bis zu fünf Kilometern, erklärte die Telekom.

Wir verlassen die einzige Berliner 5G-Vodafone-Funkzelle nach einigen Stunden Test in Adlershof mit gemischten Gefühlen: Einerseits konnten wir das Netz mit mobilen Anwendungen nicht wirklich auslasten - andererseits ist die hohe Bandbreite natürlich super für schnelle Downloads. Bleibt nur abzuwarten, wie viel Datenvolumen die Anbieter in ihren zukünftigen 5G-Tarifen anbieten.  (asa)


Verwandte Artikel:
Vodafone: 5G in Volkswagen-Arena in Wolfsburg aktiviert   
(24.09.2019, https://glm.io/144061 )
Bayern: Mobilfunkversorgung an Autobahnen weiter lückenhaft   
(17.09.2019, https://glm.io/143920 )
100 MBit/s: Einfaches Telekom-Vectoring für 100.000 Haushalte   
(24.09.2019, https://glm.io/144056 )
Smartphones: Für Huawei wird es eng   
(20.09.2019, https://glm.io/143988 )
Mobilfunk: Weiße-Flecken-Auktion nicht bei Verstoß gegen Ausbauauflagen   
(09.09.2019, https://glm.io/143741 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/