Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mi-9t-pro-im-test-der-konkurrenz-nervoes-macher-1909-143571.html    Veröffentlicht: 03.09.2019 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/143571

Mi 9T Pro im Test

Der Konkurrenz-nervös-Macher

Xiaomi will endlich groß in den deutschen Markt einsteigen - das Mi 9T Pro ist eines der ersten Geräte, das der Hersteller hierzulande offiziell verkauft. Für 450 Euro gibt es eine Ausstattung, die sich sehen lassen kann: Vom Top-Prozessor bis zur sehr guten Dreifachkamera ist eigentlich alles dabei.

Lange Zeit war es gar nicht so einfach, Xiaomi-Smartphones in Deutschland zu bekommen. Früher wurden sie nur in Asien verkauft, wer hierzulande eines haben wollte, musste es importieren - und auf Glück beim Zoll hoffen. Mit dem Marktstart in Spanien Ende 2017 wurde das Bestellen nach Deutschland dank der EU unkomplizierter, künftig wird es mit dem offiziellen Deutschlandstart Xiaomis noch einfacher.

Eines der ersten Xiaomi-Geräte, das offiziell in Deutschland erhältlich sein wird, ist das Mi 9T Pro. In unserem Test zeigt sich, dass der chinesische Hersteller mit dem Smartphone eine gute Wahl als Einstieg getroffen hat: Das Gerät bietet für 450 Euro eine Topausstattung, die bei vielen Konkurrenten deutlich mehr kostet. Das dürfte bereits als preiswert geltende Konkurrenten wie Honor oder Oneplus nervös machen - aber auch Hersteller teurer Topgeräte wie Huawei und Samsung.



Verarbeitung

Bei unserem Testgerät handelt es sich um die Variante mit 6 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher. Direkt beim Auspacken fällt uns die auffällige Farbgestaltung unseres Modells auf: Xiaomi nennt die Farbe Glacier Blue, also Gletscherblau. Der Rahmen sowie der linke und der rechte Rand der Rückseite sind in einem schillernden, geradezu schon holografisch reflektierenden Blau gehalten, das in einen schwarzen Mittenbereich übergeht. Das sieht ungewöhnlich, aber gut aus. Die Verarbeitung des Smartphones ist ebenfalls gut, im unteren Bereich der Rückseite entdecken wir allerdings einen sehr schmalen Streifen, in dem die blauschwarze Farbgebung nicht vorhanden ist. Das sieht man allerdings nur bei sehr genauem Hinsehen.

In der Mitte des schwarzen Bereichs auf der Rückseite ist die Dreifachkamera eingebaut. Diese ist angesichts des Preises des Mi 9T Pro sehr gut, wie unser Test zeigt.

Drei Kameras für gute Aufnahmen

Die Hauptkamera des Mi 9T Pro verwendet einen 48-Megapixel-Sensor, der standardmäßig Bilder mit 12 Megapixeln aufnimmt. Dafür werden vier Pixel zu einem zusammengefasst, was eine bessere Lichtausbeute ermöglichen soll. Die Anfangsblende des Weitwinkelobjektivs liegt bei f/1.75, der Sensor ist 0,5 Zoll groß. Das zweite Objektiv bietet eine Superweitwinkelansicht und verwendet einen 13-Megapixel-Sensor. Die Anfangsblende liegt bei f/2.4. Das dritte Objektiv bietet verglichen mit dem Standardobjektiv eine zweifache Vergrößerung und verwendet einen 8-Megapixel-Sensor, die Anfangsblende liegt ebenfalls bei f/2.4.

Bei Tageslicht macht das Mi 9T Pro sehr gute Fotos, die zwar in der starken Detailvergrößerung etwas weniger Schärfe haben als die des P30 Pro, aber Huaweis aktuellem Topgerät durchaus nahekommen. Das P30 Pro schafft es jedoch, feine Details noch etwas besser darzustellen. Bei der Belichtung können wir aber nur wenige Unterschiede zwischen den beiden Geräten erkennen, was für das Xiaomi-Smartphone durchaus ein Kompliment ist. Gerade bei Erdtönen wie Braun oder Rot gefällt uns die Farbwiedergabe des Mi 9T Pro etwas besser als die des P30 Pro, das aufgrund des Sensoraufbaus manchmal einen Hang ins Gelbe aufweist.

Das Superweitwinkelobjektiv des Mi 9T Pro macht aufgrund des unterschiedlichen Sensors qualitativ etwas schlechtere Aufnahmen als die Hauptkamera des Smartphones; das ist aber durchweg bei allen Geräten mit derartiger Kameraaufteilung so. Verglichen mit dem Superweitwinkelobjektiv des P30 Pro ist die Detailschärfe wieder etwas niedriger, die Belichtung und der Bildausschnitt hingegen sind nahezu identisch. Das Teleobjektiv kommt mit seiner zweifachen Vergrößerung nicht so nah an Objekte heran wie das Tele des P30 Pro, eignet sich dafür aber wesentlich besser für Porträtaufnahmen. Bei diesen gibt es eine gute Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund.

Das Mi 9T Pro kann auch Bilder mit vollen 48 Megapixeln aufnehmen; praktischerweise hat Xiaomi in der etwas spartanisch wirkenden, aber übersichtlich aufgebauten Kamera-App dafür einen eigenen Aufnahmemodus integriert. Die 48-Megapixel-Aufnahmen sind merklich schärfer als die 12-Megapixel-Bilder, jedoch schneidet das P30 Pro im direkten Vergleich auch hier etwas besser bei der Detailschärfe ab. Wirklich große, spürbare Unterschiede bemerken wir im direkten Vergleich der beiden Smartphones aber eigentlich erst, wenn wir Aufnahmen bei schlechtem Licht machen: Das P30 Pro macht im Automatikmodus immer noch die besten Bilder in nahezu dunklen Situationen. Das Mi 9T Pro ist in diesem Vergleich jedoch in guter Gesellschaft, da kein aktuelles Smartphone an die Qualität der Nachtaufnahmen von Huaweis Topgerät herankommt.

Frontkamera

Die Frontkamera des Mi 9T Pro ist in einem Modul eingebaut, das automatisch ausfährt, wenn wir die vordere Kamera in der App aktivieren. Das dauert ziemlich genau genauso lange wie das Umschalten beim P30 Pro - und ist damit etwas langsamer als beim Oneplus 7 Pro. Wer LED-Beleuchtung mag, wird sich über das eingebaute blaue Licht beim Kameramodul freuen. Fällt das Mi 9T Pro herunter, fährt die Kamera sicherheitshalber schnell wieder ein. Die Frontkamera hat 20 Megapixel und macht entsprechend gute Aufnahmen. Auch der Porträtmodus funktioniert gut und bietet eine recht genaue Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund.

Das Mi 9T Pro hat einen zuschaltbaren KI-Modus, der standardmäßig deaktiviert ist. Er erkennt Szenen wie Wolken, Pflanzen oder auch Gebäude und passt die Bildeinstellungen entsprechend an. Wir haben die KI-Verbesserungen in verschiedenen Situationen ausprobiert und den Eindruck gewonnen, dass meist nur die Helligkeit, die Sättigung und der Kontrast etwas angehoben werden. Personen erkennt die KI nicht und schaltet dementsprechend nicht wie das P30 Pro von Huawei automatisch in den Porträtmodus um - das müssen wir bei Xiaomis Smartphone selbst erledigen.

Videoaufnahmen sind mit dem Mi 9T Pro in 4K mit bis zu 60 fps möglich. Dann funktioniert allerdings die eingebaute Videostabilisierung nicht mehr. Zunächst haben wir das auf den 4K-Modus geschoben, die Stabilisierung funktioniert aber auch nicht bei 1080p, wenn wir 60 fps aktiviert haben. Erst, wenn wir auf 30 fps heruntergeschaltet haben, können wir sehr stabile, ruhige Videos aufnehmen - sowohl in Full HD als auch in 4K.

Insgesamt hat uns die Kamera des Mi 9T Pro angesichts des Preises positiv überrascht. Es sind zwar Unterschiede zum P30 Pro vorhanden, diese bewegen sich jedoch in einem äußerst geringen Rahmen, den wir sonst nur von Kameravergleichen innerhalb der Topklasse von Smartphones kennen. Besonders Tageslichtaufnahmen gelingen mit dem Xiaomi-Smartphone sehr gut, die Farben und die Belichtung stimmen. Dank der drei verfügbaren Brennweiten gibt es zudem genügend Raum bei der Bildgestaltung. Die KI halten wir wie bei vielen Konkurrenten für eine Spielerei, die sinnvollerweise von Hause aus deaktiviert ist.

Nachtaufnahmen

Bei Nachtaufnahmen verhält sich das Mi 9T Pro nicht anders als viele andere, teurere Smartphones: Bis zu einem gewissen Grad an Beleuchtung sind Bilder noch möglich, bei sehr starker Dunkelheit hingegen kann das Smartphone nicht mit dem P30 Pro von Huawei mithalten. Das schmälert aber angesichts des vergleichsweise niedrigen Preises des Mi 9T Pro den guten Gesamteindruck der Kamera nur leicht.

Dass Xiaomi die Frontkamera in einem ausfahrbaren Modul untergebracht hat, finden wir sehr gut - so kann das Display ohne Notch, Kameraloch oder breiten Rahmen verbaut werden.

Starkes Display, schnelles SoC

Das OLED-Display des Mi 9T Pro hat eine Größe von 6,39 Zoll. Der Rahmen wirkt etwas breiter als bei Samsungs aktuellen Topmodellen, was auch daran liegt, dass Xiaomi auf einen abgerundeten Display-Rand verzichtet. Das begrüßen wir, da es auf diese Weise nicht zu Farbverschiebungen oder Fehleingaben kommt. Der Rahmen ist für unseren Geschmack immer noch schmal genug. Zudem wird das Bild nicht durch eine Notch oder ein Kameraloch gestört, da sich die Frontkamera im ausfahrbaren Modul befindet. Für Nutzer wie uns, die nur selten die Frontkamera verwenden, ist das eine praktische Sache.

Das Display hat eine Auflösung von 2.340 x 1.080 Pixeln, was zu einer Pixeldichte von 403 ppi führt. Das reicht aus, um das Bild ausreichend scharf darzustellen. Die Farbwiedergabe ist kräftig, wirkt auf uns aber immer noch natürlich. Die Helligkeit ist hoch genug, um auch bei Sonneneinstrahlung den Bildschirminhalt noch gut erkennen zu können. Der Bildschirm ist zudem sehr blickwinkelstabil. Insgesamt hat Xiaomi ein sehr gutes Display im Mi 9T Pro verbaut. Unter dem Display-Glas ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut, der in unserem Test zuverlässig funktioniert.

Auch die restliche Hardware kann sich sehen lassen, besonders zu dem Preis: Im Inneren arbeitet Qualcomms aktuelles Top-SoC Snapdragon 855 mit einer maximalen Taktrate von 2,84 GHz. Zusammen mit 6 GByte Arbeitsspeicher ermöglicht der Chip eine sehr flüssige Bedienung des Smartphones, auch grafisch aufwendige Spiele sind kein Problem. Das spiegelt sich auch in den Benchmarks wider: Im Geekbench-Test erreicht das Smartphone einen Single-Wert von 3.490 Punkten. Das liegt auf dem Niveau des Oneplus 7 Pro und anderen Smartphones mit dem Snapdragon 855. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark kommt das Mi 9T Pro auf 67.717 Punkte - auch das entspricht den Erwartungen und liegt in der aktuellen Oberklasse bei Android-Smartphones.

Akku

Der nicht ohne weiteres wechselbare Akku hat eine Nennladung von 4.000 mAh. In unserem Test konnten wir Full-HD-Filme bei voller Helligkeit 14 Stunden lang anschauen - das ist ein sehr guter Wert. Der Akku kann mit bis zu 27 Watt schnellgeladen werden, Xiaomi liefert allerdings nur ein Netzteil mit maximal 18 Watt mit.

Anders als viele Konkurrenten hat das Mi 9T Pro einen Klinkenanschluss für Kopfhörer. Ausgeliefert wird das Smartphone mit Android 9 und Xiaomis Fork MIUI 10. Entsprechend unterscheidet sich die Benutzeroberfläche vom Standard-Android: Es gibt keinen App-Drawer, also das Verzeichnis, in dem Nutzer alle installierten Apps vorfinden. Stattdessen werden diese wie bei iOS alle auf dem Startbildschirm abgelegt; Ordnung lässt sich durch Ordner schaffen. Anders als bei Huawei-Smartphones können wir in den Einstellungen nicht zu einer Benutzeroberfläche mit App-Drawer umschalten.

Nach der Erstinstallation finden wir zahlreiche Systemprogramme von Xiaomi auf dem Smartphone, manche durchaus hilfreich, manche eher nicht. Auch beim Mi 9T Pro zeigt sich: Wer ein Xiaomi-Smartphone kauft, darf nicht mit einem puren Android rechnen. Dafür gibt es hier und dort durchaus praktische Erweiterungen, wie beispielsweise den Game Turbo 2.0. In diesem Spielemodus können Hintergrundprozesse begrenzt werden, damit das Spiel besser läuft.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Mi 9T Pro ist aktuell bei Amazon mit 6 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher für 450 Euro erhältlich.

Fazit

Für seinen Start in Deutschland hat sich Xiaomi mit dem Mi 9T Pro ein gutes Gerät ausgesucht. Für 450 Euro bringt das Smartphone eine Menge Leistung mit: Das Display ist scharf, hell und blickwinkelstabil, die Kamera macht besonders bei Tageslichtaufnahmen gute Fotos. Mit seinem Snapdragon-855-SoC verfügt das Smartphone zudem über einen der aktuell schnellsten Mobile-Prozessoren am Markt.

Xiaomi bewegt sich mit dem Mi 9T Pro in einem Bereich, in dem Oneplus vor ein paar Jahren die Konkurrenz im Topbereich das Fürchten gelehrt hat. Mit seinem Bekanntheitsgrad und den Planungen, endlich auch in Deutschland mit seinen Produkten an den Start zu gehen, könnte Xiaomi Oneplus als "Flagship Killer" den Rang ablaufen.

Dabei punktet das Mi 9T Pro besonders in den Bereichen, die vielen Kunden wichtig sein dürften: bei der Kamera, dem Display und dem Preis. Xiaomi ist nicht der erste Hersteller, der ein gutes Gesamtpaket zu einem vergleichsweise niedrigen Preis anbietet - die verlangten 450 Euro unterbieten aber Konkurrenten wie Oneplus noch um einiges. Dies dürfte nicht nur Oneplus nervös machen, sondern auch Hersteller wie Honor oder HMD Global.

Wirkliche Schwachstellen finden wir angesichts des Preises des Mi 9T Pro nicht. Bei sehr schlechter Beleuchtung sind die aufgenommenen Fotos zwar nicht so gut wie bei manchem Konkurrenzgerät - diese kosten dafür aber durchweg auch einiges mehr. Details wie der Full-HD-Bildschirm anstelle eines 1440p-Displays sind für uns keine wirklichen Nachteile: Im Alltag ist der Unterschied ohne direkten Vergleich kaum zu erkennen, zudem ist ein Full-HD-Bildschirm für die Akkulaufzeit besser - die ist beim Mi 9T Pro hervorragend.

Wer auf der Suche nach einem Smartphone im Oberklassebereich ist, sollte sich das Mi 9T Pro anschauen. Auch im direkten Vergleich zu Geräten wie dem Galaxy S10 oder dem P30 Pro kann das Smartphone punkten, besonders vor dem Hintergrund des geringen Preises.

 (tk)


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