Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kabelnetz-united-internet-entfernt-aufsichtsrat-bei-tele-columbus-1908-143534.html    Veröffentlicht: 30.08.2019 10:34    Kurz-URL: https://glm.io/143534

Kabelnetz

United Internet entfernt Aufsichtsrat bei Tele Columbus

United Internet setzt den bestehenden Aufsichtsrat bei Tele Columbus komplett ab und etabliert seine eigenen Vertreter, bei denen die Unabhängigkeit hinterfragt wurde. Bei Tele Columbus wachsen Verluste und Verschuldung bei sinkenden Kundenzahlen.

Der Großaktionär United Internet hat gegen den Willen der Unternehmensführung und anderer Aktionäre bei Tele Columbus (Pÿur) seinen eigenen Aufsichtsrat durchgesetzt. Das geht aus Börsenmitteilungen der Unternehmen hervor. Die Hauptversammlung wurde wegen des Streits vom 21. Juni auf den 29. August verschoben.

"Es standen zwei Aufsichtsratsvorschläge zur Wahl. Dabei hat sich der Antrag von United Internet durchgesetzt", sagte Tele-Columbus-Sprecher Mario Gongolsky Golem.de auf Anfrage. Damit gelang es United Internet, alle bisherigen Aufsichtsratsmitglieder abzusetzen und seine eigenen Kandidaten zu installieren.

Tele Columbus erklärte am 7. Juni 2019: "Zahlreiche Aktionäre sind hinsichtlich der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats sowie der daraus resultierenden schwindenden Repräsentanz ihrer Interessen besorgt und unterstützen uneingeschränkt die Kandidatenliste des Tele-Columbus-Aufsichtsrats. Dieser teilt die Bedenken der Aktionäre und weist zudem darauf hin, dass zwei der von United Internet vorgeschlagenen Kandidaten einen Interessenkonflikt aufgrund ihrer Positionen bei Unternehmen der United-Internet-Gruppe haben." Dies widerspricht den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex, ebenso wie die von United Internet geforderte Blockwahl ihrer sechs vorgeschlagenen Kandidaten.

Der Kabelnetzbetreiber schlug vor, das Gremium von sechs auf neun Mitglieder zu erweitern, um United Internet die Möglichkeit zu eröffnen, drei eigene Kandidaten zu stellen. Doch der Großaktionär ließ nicht mit sich reden.

Zugleich stiegen laut dem Geschäftsbericht im Jahr 2018 die Verluste des drittgrößten Kabelnetzbetreibers Deutschlands auf 161,4 Millionen. Die Verschuldung wuchs um 6,1 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Die Zahl der Kunden sank um 3,4 Prozent 2,292 Millionen. Der Kurs der Tele-Columbus-Aktie ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Die Marktkapitalisierung liegt bei nur 228,33 Millionen Euro.

Die Tele Columbus bereite sich durch die Analogabschaltung darauf vor, den Docsis-3.1.-Einsatz zu ertüchtigen, um Bandbreiten weit oberhalb der heute üblichen 400 MBit/s in Privathaushalte zu liefern, geht aus dem Geschäftsbericht hervor. Im bisherigen UKW-Frequenzbereich von 87,5 bis 108 MHz werden mit Docsis 3.1 Internetübertragungskanäle geschaltet, die es erlauben, auch die Upload-Geschwindigkeit deutlich zu erhöhen. Die Arbeiten zur Umschaltung auf die rein digitale Signalübertragung sei mit einer Vereinheitlichung der Signalverteiltechnik in den Kopfstellen verbunden worden.

 (asa)


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