Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spacex-nur-noch-eine-million-us-dollar-fuer-einen-satelliten-1908-143518.html    Veröffentlicht: 29.08.2019 12:54    Kurz-URL: https://glm.io/143518

SpaceX

Nur noch eine Million US-Dollar für einen Satelliten

Es geht noch viel billiger. Nur drei Wochen nach dem Mitflugprogramm für Kleinsatelliten senkt SpaceX die Preise nochmals drastisch und will Flüge monatlich anbieten statt jährlich. Es ist eine Revolution im Orbit, wenn es dabei bleibt.

Nur noch eine Million US-Dollar verlangt SpaceX für den Start eines 200 kg schweren Kleinsatelliten. Vor nur drei Wochen sollte der Start eines solchen Satelliten noch 3 Millionen US-Dollar kosten. Außerdem sollen die Flüge nicht mehr einmal pro Jahr, sondern jeden Monat stattfinden. Die Kleinsatelliten werden dabei unter anderem als Passagiere bei den Starts der Starlink-Satelliten mitfliegen und im gleichen Orbit ausgesetzt.

Schon das erste Angebot von Mitfluggelegenheiten von SpaceX unterbot die Preise aller anderen Anbieter am Markt um die Hälfte. Aber mit Starts, die nur einmal pro Jahr stattfinden sollten, war das Angebot zu unflexibel und die Startpreise immer noch zu hoch, um für die viel flexibleren Anbieter eine ernsthafte Konkurrenz darzustellen. Mit dem neuen Angebot und monatlichen Starts ändert sich das drastisch.

Zum Vergleich: Das Angebot von SpaceX liegt bei 5.000 US-Dollar pro Kilogramm. Der bisher übliche Marktpreis für Mitfluggelegenheiten liegt bei rund 30.000 US-Dollar pro Kilogramm, bei kleineren Satelliten sind die Preise noch höher. Für eine Million US-Dollar konnte bisher gerade einmal ein 20 kg schwerer Cubesat in den Orbit gebracht werden, SpaceX startet Satelliten mit der zehnfachen Masse zum gleichen Preis. Dabei könnte ein solcher Satellit bei Bedarf auch selbst mehrere Cubesats mitführen und aussetzen.

Das Angebot ist kein Dumping-Preis

Bei dem Angebot handelt es sich dennoch nicht um Dumping-Preise. SpaceX bietet die teilweise wiederverwendbare Falcon-9-Rakete seit längerem für rund 50 Millionen US-Dollar pro Start an, bei einer Nutzlast von rund 16 Tonnen in die angestrebten niedrigen Erdorbits. Das entspricht Startpreisen von unter 3.200 US-Dollar pro Kilogramm. Allerdings ist zum Start von vielen kleinen Satelliten mit einer Rakete eine Trägerstruktur nötig, die selbst etwa ein Drittel der Gesamtmasse ausmachen kann, so dass die effektiven Startkosten etwas höher liegen.

Das Angebot ist außerdem so aufgebaut, dass SpaceX minimalen Verwaltungsaufwand hat. Die Raketen starten in einem festgelegten Zeitplan. Auf Satelliten, die dann nicht startbereit sind, wird nicht gewartet, sie fliegen nicht mit. Das schafft Planungssicherheit für den Anbieter wie auch für die restlichen Kunden, die nicht auf andere verspätete Satelliten warten müssen. Bei rechtzeitiger Ankündigung der Verspätung zahlen die Kunden dabei nur eine Umbuchungsgebühr von 10 Prozent des Startpreises. Welche Gebühren sonst noch anfallen können, steht allerdings nicht auf der Seite.

Für 2020 und 2021 hat SpaceX insgesamt 29 Missionen angekündigt. Ab April 2020 soll monatlich ein Flug in einen Orbit mit mittlerer Bahnneigung stattfinden, zusammen mit den Starlink-Satelliten. Deren Umlaufbahnen führen etwa bis in die nördlichen Breiten von Deutschland und nach Süden bis Feuerland, an der südlichen Spitze von Südamerika. Der erste Flug, im März 2020, führt allerdings in einen sonnensynchronen Orbit, der die gesamte Erdoberfläche abdeckt. Pro Jahr sollen drei bis vier dieser Missionen stattfinden.

Für die Konkurrenz dürften die häufigen Starts und äußerst niedrigen Preise zum Existenzproblem werden. Dafür dürfte ein neuer Markt für billige Satelliten entstehen.



Für SpaceX steht nicht viel auf dem Spiel

Die niedrigen Startkosten dürften den gesamten Markt für den Satellitenbau verändern. Ohne die kostspielige Gewichtsoptimierung können einfachere, standardisierte Konstruktionen zum Einsatz kommen, in denen nur noch die eigentliche Nutzlast ausgetauscht wird. Das senkt die Einstiegshürde für die Konstruktion von Satelliten ebenso wie den unbedingten Erfolgsdruck durch die hohen Ausgaben für den Start eines neuen Satelliten.

Einige Firmen verwenden schon jetzt solche Konstruktionsprinzipien. Der Satellitenhersteller Berlin Space Technologies hat sich etwa auf Kleinsatelliten unter 100 kg spezialisiert. Dabei besteht der Satellit aus einem flexiblen Satellitenbus, in dem die notwendigen Nutzlasten nur noch eingebaut werden müssen, ohne nochmals das Gesamtsystem auf niedriges Gewicht zu optimieren. Laut Firmengründer Tom Segert senkt die Konstruktionsweise die Entwicklungskosten stark, auch wenn das Gesamtgewicht steigt. Bislang machten die Startkosten eines solchen Satelliten ungefähr die Hälfte der Gesamtausgaben aus.

Für die bisherigen Anbieter von Mitfluggelegenheiten dürfte das Angebot zum existentiellen Problem werden. Beim Angebot vor drei Wochen gab es nur einmal im Jahr eine Startgelegenheit. Kunden, die einen Satelliten schneller in den Orbit bringen mussten, waren auf Alternativen zu SpaceX angewiesen und mussten dabei nur den doppelten Preis zahlen. Vier Starts pro Jahr in den wichtigen sonnensynchronen Orbit und monatliche Startgelegenheiten in andere niedrige Orbits gleichen den Nachteil aus und mit einem Sechstel des Startpreises dürfte SpaceX für viele Kunden alternativlos werden.

Kleinraketen haben bessere Chance

Etwas besser sieht es für Kleinraketen aus, mit denen die Kunden einen selbst gewählten Orbit anfliegen können und nicht auf die fixe Planung von SpaceX angewiesen sind. Aber mit über 100 Firmen, die den Bau solcher Raketen planen, war der Markt auch schon zuvor derart übersättigt, dass die meisten Anbieter bankrottgehen würden. Die Situation hat sich nun aber nochmals deutlich verschärft.

Rocketlabs, die bisher einzige Firma, die tatsächlich regelmäßige Starts mit kleinen Raketen anbietet, hat erst vor kurzem die Startpreise erhöht. Die Rakete war weit überbucht, so dass höhere Startpreise möglich waren. Das Unternehmen kündigte Pläne zur Wiederverwendung seiner Raketen an. Nicht um die Startpreise zu senken, sondern weil die Produktionskapazitäten nicht ausreichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Es muss sich zeigen, ob nun noch genug Kunden für das Geschäftsmodell übrig bleiben.

Das Angebot, das SpaceX vor drei Wochen machte, dürfte nur ein Test gewesen sein. Scheinbar war die Nachfrage aber deutlich größer als erwartet. Jetzt muss sich zeigen, wie viele Angebote für Satellitenstarts ernst gemeint waren und wie sich der Markt weiter entwickelt. Für SpaceX steht nicht viel auf dem Spiel. Die Starts der Starlink-Satelliten müssen ohnehin stattfinden, egal ob sich dafür zusätzliche Satelliten finden oder nicht.  (fwp)


Verwandte Artikel:
SpaceX: Starhopper fliegt erfolgreich und zum letzten Mal   
(28.08.2019, https://glm.io/143479 )
Rocketlab: Kleine Rakete wird wiederverwendbar und trotzdem teurer   
(08.08.2019, https://glm.io/143076 )
Raumfahrt: Indien startet ambitionierte Mondmission   
(22.07.2019, https://glm.io/142694 )
SpaceX: Unbemanntes Schiff fängt Raketenteil   
(07.08.2019, https://glm.io/143040 )
SpaceX: Beide Starships sollen in wenigen Monaten starten   
(22.07.2019, https://glm.io/142703 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/