Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xps-15-7590-im-test-dell-laesst-die-oled-sonne-aufgehen-1908-143511.html    Veröffentlicht: 29.08.2019 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/143511

XPS 15 (7590) im Test

Dell lässt die OLED-Sonne aufgehen

Nachdem wir das XPS 15 (7590) von Dell das erste Mal aufgeklappt haben, staunen wir: Das OLED-Display ist sehr beeindruckend. Doch nicht nur deshalb ist das Notebook für uns eines der besten 15,6-Zoll-Geräte des Jahres.

Irgendetwas gibt es immer, das sich als Nachteil des schicken neuen Notebooks herausstellt - sei es das Display, der Akku, das Gehäuse oder die allgemeine Leistung. Das aktuelle XPS 15 (7590) von Dell macht die Suche nach Fehlern allerdings schwierig. Es ist eines der besten 15-Zoll-Geräte, die Golem.de in diesem Jahr bisher testen konnte.

Zumindest können wir das von unserem Testmuster behaupten, das mit 4K-OLED-Display, Core i7-9750H, 16 GByte Arbeitsspeicher und Geforce GTX 1650 nicht unbedingt preiswert ist. Etwa 2.300 Euro will Dell für das Gerät haben - eine für uns lohnenswerte Investition, wie wir im Verlauf des Tests feststellen können. Doch nicht nur das Display ist einen Blick wert.

Das Gehäuse ist der große Bruder des XPS 13

Wie das XPS 13 (9380) setzt Dell auch beim neuen XPS 15 auf ein möglichst kompaktes Chassis. Das gelingt auch: Es sind kaum Displayränder vorhanden und das Gehäuse ist nicht zu dick. "Das sieht gar nicht wie ein 15-Zöller aus", sagen einige Golem.de-Redakteure. Es misst etwa 357 x 17 x 235 mm. 1,96 kg Gewicht sind für ein Gerät in dieser Kategorie zudem ein angenehmes Gewicht, wenn dies auch kein Bestwert ist. Der silberfarbene Metalldeckel und die untere Schale in Carbonfaseroptik folgen ebenfalls dem Stil der XPS-Serie. Der weiß zu gefallen.

Interessanterweise kopiert Dell sogar die Anschlüsse des kleineren Modells: Zwei USB-A-Buchsen, ein Thunderbolt-3-Port und HDMI 2.0a sind vorhanden. Außerdem gibt es einen SD-Kartenleser, der beispielsweise für das Verwenden von Kameraausrüstung unterwegs sinnvoll ist. Alles in allem sind das genug Anschlüsse für die meisten Anwendungsfälle, allerdings hätten wir uns einen weiteren USB-A- oder USB-C-Port beziehungsweise eine RJ45-Buchse hier noch gut vorstellen können.

Kopieren und Einfügen bei Tastatur und Touchpad

Abseits der geringfügig größeren Tasten finden sich Kenner der XPS-Serie auch bei Touchpad und Tastatur schnell wieder. Die Chiclet-Tasten haben einen recht flachen, aber angenehmen Druckpunkt. Auch das Tastenlayout entspricht dem - bei unserem Testmuster amerikanischen - gewohnten Standard. Selbst die LED-Hintergrundbeleuchtung könnte so auch unerkennbar im XPS 13 sitzen. Hier macht Dell keine Experimente, was wir begrüßen.

Das Touchpad ist ebenfalls solide und etwas größer als beim 13-Zoll-Pendant. Dadurch schneidet es insgesamt etwas besser ab. Einzig das noch immer etwas zu hohe Spiel zwischen den Tastenkappen und der Gehäuseschale scheint der Hersteller noch nicht verbessern zu wollen.

Das exzellente OLED-Panel ist ein guter Grund, ein paar Hundert Euro mehr in die Hand zu nehmen.

Das Display lässt die Sonne aufgehen

Nach dem ersten Anschalten des 15,6-Zoll-OLED-Panels - ein 156WR04 von Samsung - müssen wir erst einmal staunen. Selten sieht der Windows-10-Desktop so kontraststark aus. Zudem ist die Auflösung mit 3.840 x 2.160 Pixeln bei einer Bildfrequenz von 60 Hz ziemlich beeindruckend. Ein Vorteil von OLED ist zudem, dass Mauszeiger und Icons auf dunklem Hintergrund schärfer aussehen. Ein Backlight-Bleeding gibt es hier nicht, da schwarze OLED-Pixel einfach ausgeschaltet sind, statt zu leuchten.

Nicht minder beeindruckend sind die Messwerte, die wir bei voller Helligkeit dokumentieren: Maximal 507 cd/m² sind ein exzellenter Wert. Das ist in der Tat so hell, dass wir das Display in Innenräumen nicht auf voller Helligkeitsstufe betreiben, denn es geht metaphorisch die Sonne auf, wenn wir dies tun. Der Vorteil an der sehr guten Ausleuchtung ist aber, dass wir auch unter direkter Einstrahlung der echten Sonne Inhalte noch gut erkennen können - und das obwohl das Panel nicht entspiegelt ist. Wir konnten hier keine störenden Reflexionen feststellen.

Da stört es uns auch nicht, dass das OLED-Panel Farben in nur 8 Bit statt mit 10-Bit-HDR darstellt. Windows 10 ist erfahrungsgemäß für hohe Farbtiefen sowieso noch immer nicht optimiert.

Mehr Leistung im Notebook ist nicht notwendig

Von wirklich anspruchsvollen Spielen abgesehen: Das XPS 15 (7590) verfügt in der uns vorliegenden Konfiguration über genug Leistung für eigentlich jede produktive Aufgabe. Die Leistung des Core i7-9750H ist besonders beeindruckend. Dell hat das Leistungsbudget dabei von 45 auf 55 Watt angehoben, was auch im Test zu sehr guten Resultaten führt.

Im Mehrkernbenchmark Cinebench R20 erreicht der Sechskerner mit zwölf Threads etwa 2.558 Punkte. Diesem Wert muss sich sogar das auf Gaming ausgelegte Razer Blade 15 Advanced mit identischem Prozessor geschlagen geben. Dieses schafft im Mittel nur 2.073 Punkte. Ähnlich gute Werte messen wir im Blender-Benchmark BMW27. Für das Rendern benötigt die CPU im XPS 15 5:04 Minuten, ein guter Wert.

Die Turing-GPU Geforce GTX 1650 ist nicht ganz so beeindruckend. Allerdings kann diese beispielsweise im Videoschnittprogramm Adobe Premiere Pro CC den Prozessor beim Rendering von Inhalten unterstützen. Allerdings hängt das stark vom gezeigten Inhalt ab. So können wir in effektlastigen Szenen ein wenig Zeit sparen. Das Rendern des 87-sekündigen Testvideos des Fairphone 3 in 1080p dauert etwa 4:29 Minuten. Die GPU kann hier nur etwa eine Sekunde von dieser schon recht guten Zeit abziehen. In den richtigen Situationen kann das anders aussehen.

Geeignet für weniger anspruchsvolle Games

Auch einige Games lassen sich durch die dedizierte GPU spielen, wenn auch nicht in hohen Details oder nativer 4K-Auflösung. Im Taktikshooter CS:GO sind auch in nativer Auflösung passable Bildraten möglich. Dazu stellen wir die Grafikdetails allerdings auf mittlere Werte. In Full-HD erreichen wir gut spielbare 83 Bilder pro Sekunde. In 4K-Auflösung ist die Messung mit 79 fps zumindest in diesem Titel nicht viel geringer.

Im Mittelalterspiel Mordhau sieht das schon anders aus. Auch hier stellen wir vorab die Grafikdetails auf mittel herunter. In Full-HD-Auflösung können wir mit 60 fps noch immer sehr flüssig spielen. In 4K fallen die fps auf unspielbare 24 fps herunter - mit merklichen Rucklern, die unsere Treffergenauigkeit im Spiel ruinieren.

Doch wie weit können wir mit einer Geforce GTX 1650 gehen? Wir starten den grafisch anspruchsvollen Third-Person-Shooter The Division 2 und finden heraus: nicht allzu weit. In nativer Auflösung und mittleren Details erreichen wir erwartungsgemäß nur etwa 18 fps, was unspielbar ist. In Full-HD sind es bei mittleren Details ebenfalls nur 30 fps, die allerdings sehr konstant dargestellt werden können. Ruckler gibt es kaum.

Durchhaltevermögen ist für das XPS 15 hingegen kaum ein Problem.

Fast 100 Wattstunden im Akku

Das XPS 15 hält trotz 45-Watt-CPU und dedizierter Grafikeinheit vergleichsweise lang durch. Im wenig fordernden Laufzeittest Powermark im Productivity-Preset messen wir bei 200 cd/m² Ausleuchtung immerhin 8:49 Stunden. Auch einen Netflix-Dauerlauf können wir bei gleicher Helligkeit damit abseits der Steckdose durchführen. Die Mystery-Serie Stranger Things läuft bis zur dritten Episode der zweiten Staffel durch - das sind knapp 8:48 Stunden. Wer allerdings noch mehr Akkulaufzeit benötigt, sollte abseits der 15-Zoll-Sparte schauen, etwa auf das XPS 13 (9380) oder ein Lenovo Thinkpad. Dabei müssen auch Abstriche bei der verbauten Hardware gemacht werden. In seiner Größenkategorie ist das XPS 15 aber definitiv eine Referenz.

Ein Blick ins Innere des Notebooks zeigt uns auch, warum das so ist. Einen großen Teil des Platzes nimmt der enorme 97-Wattstunden-Akku ein, der sich übrigens wie viele andere Komponenten tauschen lässt. Zwei SO-DIMM-Slots für den Arbeitsspeicher sind genauso vorhanden wie ein Steckplatz für die NVMe-SSD und für ein M.2-WLAN-Modul. Dell hat bereits alle Slots belegt - mit einer Toshiba-XG6-SSD, zwei 8-GByte-DDR4-2666-Modulen von SK Hynix und einer Killer Wireless 1650x, die auch im noch nicht weit verbreiteten Standard Wi-Fi 6 funkt.

Die SSD ist übrigens - typisch für ein NVMe-Modul - für alle praktischen Anwendungen schnell genug. Die XG6 von Toshiba ist sogar Konkurrenz zu etwa einer Samsung PM981, wir messen solide Werte: 3.022 MByte/s im sequenziellen Schreiben und 2.740 MByte/s im sequenziellen Lesen. Das sind gute Werte.

Ein Leisetreter auch unter Dauerlast

Auffällig sind die großen Heatpipes und die zwei Lüfter, die CPU, GPU und andere Komponenten kühlen. Das Notebook ist selbst unter Vollauslastung - etwa in Spielen oder im Cinebench-R20-Marathon - überraschend leise. Ein Rauschen ist zwar zu hören, das ist aber nicht vergleichbar mit dem hochfrequenten Kreischen eines Razer Blade 15, das selbst in der überarbeiteten Version wesentlich lauter ist. Fairerweise müssen wir sagen, dass das XPS 15 eine weniger potente Grafikeinheit kühlen muss.

Beim Schauen von Netflix-Episoden, beim Websurfen oder Schreiben ist das XPS gar nicht zu hören. Wo wir allerdings eingangs das Suchen von Makeln erwähnt haben: Ein leises Spulenfiepen ist zu vernehmen, wenn wir mit dem Ohr nah an die Tastatur heranrücken. Aus einer realistischen Körperhaltung heraus und mit Umgebungsgeräuschen im Büro ist das aber nicht wahrnehmbar.

Verfügbarkeit und Fazit

Das XPS 15 (7590) gibt es für weniger Geld auch mit Full-HD-IPS-Panel statt 4K-OLED-Display. Diese starten mit Core i5-9300H, 8 GByte RAM und 512-GByte-SSD bei etwa 1.550 Euro. Für 1.800 Euro gibt es den doppelten Arbeitsspeicher und einen Core i7-9750H. Die von Golem.de getestete Version mit 4K-OLED-Panel und ansonsten gleicher Ausstattung liegt bei 2.300 Euro. Das Display lässt sich auch mit einer Terabyte-SSD, 32 GByte Arbeitsspeicher und dem etwas schnellerem Core i9-9980HK verbinden. Das kostet etwa 3.000 Euro.

Fazit

Wenn sich das XPS 15 (7590) mit einem Wort beschreiben ließe, dann wäre das einfach nur "Wow!". Dell schafft es, eines der durchdachtesten 15,6-Zoll-Geräte des Jahres zu bauen.



Dabei finden wir, dass das OLED-Panel ein Highlight ist. Es leuchtet mit maximal 507 cd/m² sehr hell und die starken Kontraste durch die Displaytechnik lassen selbst den Windows-Desktop interessant aussehen. Durch 4K-Auflösung sehen Symbole und Schrift sehr scharf aus. Nicht einmal das spiegelnde Display kann den exzellenten Eindruck schmälern.

Beim Chassis versucht Dell wenig Neues. Im Prinzip wird das Gehäuse des Vorgängers recycelt. Das XPS 15 sieht deshalb aus wie eine größere Variante des ebenfalls sehr guten XPS 13 (9380). Das gilt auch für die Anschlüsse, die für fast alle Arbeitsprozesse genügen. Ein oder zwei Ports mehr hätten das Gerät allerdings noch ein wenig praktischer gemacht.



In Benchmarks ist der Intel Core i7-9750H des XPS 15 schneller als die identische CPU im Gaming-Notebook Razer Blade 15 Advanced, welches an sich schon flott unterwegs ist. Dementsprechend eignet sich der Chip auch etwa für Renderarbeiten und Bildbearbeitung.

Die Geforce GTX 1650 hingegen ist weniger potent. Wir können darauf zwar weniger anspruchsvolle Spiele wie CS:GO oder Mordhau spielen, bei Division 2 sind aber nicht viele fps möglich.

Neben dem Display empfinden wir den Akku als zweites starkes Argument. Fast neun Stunden können wir auf dem Gerät Netflix schauen. Auch leichte Büroarbeiten im Dauerlauf kommen auf eine ähnliche Laufzeit.

Wer das nötige Geld aufbringen kann, findet derzeit wohl kaum ein besseres 15,6-Zoll-Notebook, das als tägliches Arbeitsgerät funktioniert. Wir würden dabei das wirklich sehr gute OLED-Panel mitkaufen, auch wenn auf den schon hohen Preis noch einmal 500 Euro draufgelegt werden müssen.  (on)


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