Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spacex-starhopper-fliegt-erfolgreich-und-zum-letzten-mal-1908-143479.html    Veröffentlicht: 28.08.2019 07:33    Kurz-URL: https://glm.io/143479

SpaceX

Starhopper fliegt erfolgreich und zum letzten Mal

So ein Flug wird nie wieder zu sehen sein: Der Starhopper von SpaceX ist erfolgreich auf 150 Meter Höhe aufgestiegen und zum letzten Mal gelandet. In Zukunft bleibt er am Boden.

Der Starhopper von SpaceX hat seinen letzten, längsten und höchsten Flug erfolgreich absolviert. Pünktlich um Mitternacht hob der Prototyp ab und flog auf 150 Meter Höhe, beim Flug davor waren es nur 20 Meter. Anschließend flog der er etwa 100 Meter weiter Richtung Meer und landete dort auf einem zweiten Landeplatz. Insgesamt dauerte der Flug 57 Sekunden. Ursprünglich sollte er schon einen Tag eher stattfinden, wurde aber wegen technischen Problemen verschoben.

Es war der dritte Flug des Starhopper genannten Prototyps mit dem methanbetriebenen Raptor-Triebwerk. Dieser erfüllte die gleiche Funktion wie der Grasshopper genannte Prototyp, mit dem SpaceX die Landung der Falcon 9 erprobte. Vor dem Flug wurden Anwohner aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen, da die Druckwelle einer möglichen Explosion des Prototyps die Fensterscheiben hätte zerstören können.

Ganz unbeschädigt überstand der Starhopper den Flug nicht. Nach der Landung löste sich offensichtlich eine Druckflasche und flog durch den Schub des offenen Ventils davon.

Der erste Startversuch am Vortag scheiterte an einem fehlerhaften Zündsystem. Anders als das Merlin-Triebwerk der Falcon 9 soll das neue Triebwerk nicht mehr gezündet werden, indem zwei Flüssigkeit miteinander vermischt werden, die sich bei Kontakt selbst entzünden. Stattdessen gibt es ein elektrisches Zündsystem, das eine Art Pilotflamme entzündet, mit der sowohl der Vorbrenner als auch die Brennkammer gezündet wird.

SpaceX-Chef Elon Musk beschrieb das System als kurzfristig kniffeliger zu entwickeln, aber langfristig einfacher zu handhaben. Durch die elektrische Zündung kann das Triebwerk beliebig oft neu zünden, ohne einen endlichen Vorrat an Zündflüssigkeit zu verbrauchen. Beim ersten Flug der Falcon Heavy ging etwa die zentrale Raketenstufe verloren, weil sie zuvor zu viel Zündflüssigkeit verbraucht hatte.



Starhopper ermöglicht realistischere Tests

Bei den Flügen der Starship-Prototypen, die mit drei Raptor-Triebwerken ausgestattet werden, muss das Zündsystem einwandfrei funktionieren. Sie sollen deutlich größere Höhen und Geschwindigkeiten erreichen. Dabei werden sie auch den Neustart der Triebwerke im Flug durchführen, wie es auch bei jeder Landung der Falcon 9 nötig ist. Die kurze Flüge ermöglichen das Sammeln von Messdaten unter den Bedingungen eines echten Fluges. Auch wenn der Prototyp noch wenig Gemeinsamkeiten mit dem endgültigen Raumschiff hat, stimmen zumindest Tankdurchmesser, -form und -materialien überein.

Der Resttreibstoff im Tank schwappt während des Fluges ganz ähnlich wie im endgültigen Raumschiff kurz vor der Landung. Auch das Trägheitsmoment, die Trägheit bei Rotation, dürfte weitgehend dem echten Raumschiff entsprochen haben. Aus diesen Daten kann SpaceX realistische Annahmen über die Dimensionierung der Steuerdüsen gewinnen, die das Raumschiff bei der Landung auf Kurs halten müssen.

Starhopper wird zum Teststand

Schon vor dem Flug stand die sehr bodenständige Zukunft des Starhoppers fest: Er soll zum Teststand für Raptor-Triebwerke umgebaut werden und nie wieder fliegen. Technologisch ist das neue Triebwerk wegen der hohen Effizienz interessant. Ein geringerer Treibstoffverbrauch ermöglicht höhere Geschwindigkeiten mit der gleichen Nutzlast oder mehr Nutzlast bei gleicher Geschwindigkeit. Nur Wasserstofftriebwerke verbrauchen noch weniger Treibstoff, allerdings ist flüssiger Wasserstoff mit -253 Grad Celsius noch deutlich kälter als flüssiges Methan und benötigt mit einer Dichte von nur 70 Gramm pro Liter auch viel größere und schwerere Treibstofftanks.

Das neue Raptor-Triebwerk hat mehr als den doppelten Schub eines aktuellen Merlin-Triebwerks, es wurde aber für den dreifachen Schub entwickelt. Bevor diese Leistung erreicht wird - sie entspricht der Gewichtskraft von 250 Tonnen -, will SpaceX aber mehr Flugerfahrung sammeln, ähnlich wie bei der Leistungssteigerung der Merlin-Triebwerke.

Nach derzeitigen Plänen soll das fertige Starship mit sechs Triebwerken ausgestattet und von einer Raketenstufe mit 35 Raptor-Triebwerken gestartet werden. Allerdings haben sich diese Pläne schon mehrfach geändert. Elon Musk hat ein Update mit neuen Informationen nach einem erfolgreichen Test des Prototyps angekündigt.

 (fwp)


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