Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/klimakrise-digitalunternehmer-fordern-co2-steuer-1908-143468.html    Veröffentlicht: 27.08.2019 15:45    Kurz-URL: https://glm.io/143468

Klimakrise

Digitalunternehmer fordern CO2-Steuer

Eine Initiative von 100 deutschen Unternehmern aus dem Digitalbereich fordert eine schnelle Besteuerung von Kohlendioxid-Emissionen und einen vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2035. Auch wollen die Unternehmer selbst mehr zum Klimaschutz beitragen.

Zahlreiche deutsche Digitalunternehmer haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das von der Bundesregierung ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen fordert. Die Leaders for Climate Action verlangen eine Kohlendioxid-Steuer und einen schnellen Umstieg der gesamten Energieversorgung auf erneuerbare Energien.

Zu den Unterstützern gehören auch Vertreter relativ bekannter Unternehmen, darunter Rubin Ritter aus dem Vorstand von Zalando, der Chef von Flixbus Jochen Engert und Eric Wahlforss, der Gründer von Soundcloud. Zu den wissenschaftlichen Beratern der Initiative gehört der Klimaforscher Ottmar Edenhofer

Unternehmer fordern mehr als die Grünen, aber weniger als notwendig

Die Unternehmer fordern, Anfang 2020 eine Kohlendioxid-Steuer einzuführen, die zunächst bei mindestens 50 Euro pro Tonne Kohlendioxid liegen soll. Bis 2030 solle diese auf 130 Euro steigen. Die Höhe liegt dabei noch über dem, was zuletzt die Grünen gefordert haben (40 Euro), aber auch deutlich unter dem, was viele Experten für notwendig halten. So schätzt etwa das Umweltbundesamt, dass eine Tonne Kohlendioxid-Ausstoß für 180 Euro an Schäden verantwortlich ist.

Über eine CO2-Steuer wurde zuletzt viel diskutiert, konkrete Pläne gibt es bislang nicht. Teile der CDU und die FDP fordern, stattdessen den Handel mit Emissionszertifikaten auszuweiten. Doch eine solche Lösung ließe sich nicht kurzfristig umsetzen und würde frühestens in einigen Jahren Effekte erzielen.

Neben der CO2-Steuer fordern die Unternehmer einen vollständigen Umstieg der deutschen Energieversorgung auf erneuerbare Energien bis 2035. Das ist auf der einen Seite sehr ambitioniert, auf der anderen aber auch notwendig, wenn man realistischerweise die Ziele des Pariser Klimaabkommens einhalten möchte.

Selbstverpflichtung zur Senkung der Unternehmensemissionen

Die Unternehmer wollen auch im eigenen Unternehmen für mehr Klimaschutz sorgen. Sie verpflichten sich dabei zur Einberufung eines Klimaschutzbeauftragten und zu Erfassung der eigenen CO2-Bilanz. Außerdem listet die Initiative verschiedene Möglichkeiten auf, wie die Unternehmen ihre eigene Klimabilanz verbessern können. Jedes unterstützende Unternehmen verpflichtet sich dabei, mindestens zwei davon umzusetzen. Möglichkeiten sind etwa der Umstieg auf einen Ökostromanbieter, eine klimafreundliche Richtlinie für Firmenreisen oder eine stärker auf regionale und pflanzliche Produkte ausgerichtete Essensversorgung.

Dabei sehen die Digitalunternehmer auch sich selbst als Teil der Lösung an: "Mit unserer Digitalkompetenz sehen wir uns in der Verantwortung, neue Technologien sowohl durch unser Know-how als auch finanziell zu fördern. Klimaschutz ist eine Chance für die deutsche Wirtschaft, wieder technologischer Vorreiter zu werden, Arbeitsplätze zu schaffen und den Standort Deutschland zu stärken", schreibt die Initiative auf ihrer Webseite.  (hab)


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