Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spielebranche-sap-analysiert-e-sportler-1908-143412.html    Veröffentlicht: 24.08.2019 10:27    Kurz-URL: https://glm.io/143412

Spielebranche

SAP analysiert E-Sportler

Zwischen Microsoft mit der Xbox und Bethesda mit Doom Eternal in Halle 8 ist SAP mit einem eigenen Stand auf der Spielemesse vertreten. Golem.de hat sich einmal angeschaut, was das Softwarehaus dort macht.

Wer auf der Gamescom 2019 am Stand der Electronic Sports League (ESL) bei einer Partie Dota 2 die Spielfigur Anti-Hero in sein Team mit aufgenommen hat, hat dazu am ehesten die Spielfigur Kunkka ausgewählt. Keine gute Idee - obwohl die 6,22 Prozent der Spieler, die sich in Köln für Kunkka entschieden haben, genau 34,78 Prozent der Matches gewonnen haben.

Besser lief es für alle, die auf Anti-Hero und zusätzlich auf Dragon Knight gesetzt haben: Sie konnten nämlich 54,55 Prozent der Partien für sich entschieden. Gewieften Dota-2-Taktikern mögen die Zahlen ein bisschen merkwürdig vorkommen, weil sie nicht ganz ihren langjährigen Erfahrungen entsprechen.

Das hat einen Grund: Die Angaben gelten für die Gamescom in Köln, wo sie in Echtzeit vom Softwarehaus SAP ermittelt worden sind - und das hat auf der Messe schlicht viel weniger Spiele ausgewertet als sonst.

"Normalerweise arbeiten wir mit wesentlich größeren Datenmengen", erzählt uns Milan Cerny, der bei SAP in Walldorf für E-Sports zuständig ist, auf der Gamescom. Die E-Sports-Abteilung von SAP arbeitet mit Team Liquid zusammen und analysiert laut Cerny über die API von Dota 2 an einem typischen Trainingstag bis zu einer halben Million Einzeldaten - wobei die Zahl natürlich stark schwanken könne, sagt Cerny.

Dabei gehe es nicht nur um die besten Kombinationen von Helden. Auch weniger naheliegende Daten könne er mit seinem Team auswerten, um den E-Sport-Profis zu helfen. Auf der Gamescom zeigt Cerny uns Vergleichskurven, mit denen die Anzahl der Mausklicks ins Verhältnis zu den Bewegungen der Spielfiguren und zu den Siegen gesetzt werden. Damit kann man - vereinfacht gesagt - nachweisen, dass schlichtes Bewegen nicht zwingend so viel zum Erfolg beiträgt, wie das viele gute Amateurspieler möglicherweise erwarten.

SAP und die Dota-2-Profis bei Team Liquid arbeiten seit April 2018 zusammen, unter anderem bei der Analyse in den Trainingszentren. Natürlich komme laut Cerny bei der Software SAP/Hana als Datenspeicher und analytische Engine zum Einsatz, die Anwendungen laufen in der SAP-Cloud. Bei SAP sind für das Projekt derzeit neben Cerny gerade mal zwei weitere Vollzeitentwickler zuständig, dazu kommen Agenturen und externe Mitarbeiter.

Neben den Analysewerkzeugen für die Profis - und in stark simplifizierter Form für die Besucher der Gamescom - unterstützt SAP auch Kommentatoren und überhaupt die Berichterstattung von Turnieren. Bei Dota 2 habe man zuletzt die auf dem Bildschirm angezeigten Daten ebenfalls in Echtzeit erfasst und beigesteuert.

SAP engagiert sich nach Angaben von Cerny im E-Sports gar nicht so sehr, um den Absatz seiner Finanz- und Wirtschaftssoftware zu fördern. Stattdessen gehe es vor allem darum, technikaffine Computerspieler auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. Wer weiß: Die Beschäftigung mit Anti-Hero könnte der Einstieg ins Berufsleben werden.

 (ps)


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