Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bundesregierung-altmaiers-vision-der-europa-cloud-heisst-gaia-x-1908-143398.html    Veröffentlicht: 23.08.2019 10:56    Kurz-URL: https://glm.io/143398

Bundesregierung

Altmaiers Vision der Europa-Cloud heißt Gaia-X

Viele kleine Cloud-Anbieter aus ganz Europa sollen sich in einem offenen Netzwerk miteinander verbinden. Das Ziel: eine Europa-Cloud zu erschaffen, die ein Gegenstück zu Amazon, Alibaba, Google und Microsoft ist. Die Bundesregierung soll dabei eine Schlüsselrolle übernehmen.

"Die europäische Wirtschaft benötigt dringend verlässliche Datensouveränität", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier noch im Juli 2019. Er ist anscheinend tatsächlich mit diversen europäischen Unternehmen im Gespräch, um eine gemeinsame europäische Cloud-Infrastruktur zu gründen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit Bezug auf einen ihr vorliegenden Bericht. Gaia-X soll das Projekt heißen.

Gespräche mit Netzprovidern sollen in der kommenden Woche angeschlossen werden, schreibt die FAZ und zitiert Altmaier: "Wir stehen hier kurz vor dem Durchbruch. Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten Tagen hierzu konkrete Umsetzungsschritte bekanntgeben können." Dabei sei es derzeit noch nicht klar, welche Form das Projekt annehmen wird - ob es als Stiftung, Verein oder Unternehmen geführt werde. Die Organisation soll das Regelwerk und die Schnittstellen von Gaia-X definieren.

Wichtig ist für einen solchen Plan aber zumindest die Teilhabe von Regierungen. Das könnte durch Politiker in Vorständen oder strikte Regeln bezüglich der Nutzung von Gaia-X geschehen. Europäische Anbieter von Serverhardware und Infrastruktur sollen sich dabei über ein offenes und möglichst standardisiertes Netzwerk verbinden. Dabei will die deutsche Bundesregierung zentral agieren.

Gegengewicht zu Amazon, Google und Microsoft

Hierzulande wären größere Netzprovider wie die Deutsche Telekom oder Vodafone als Partner denkbar, die beispielsweise Backbone-Anbindungen für eine so große Cloudumgebung stellen könnten. Rechenknoten wie der DE-CIX in Frankfurt am Main sind gute Standorte für Hardware. Ziel des Projektes ist es aber wohl auch, besonders kleinere Anbieter miteinander zu verbinden. Die Herausforderung könnte werden, europaweit Unternehmen an den Verhandlungstisch zu bekommen. Schließlich stehen diese trotzdem im Wettbewerb zueinander.

Der Grund für Altmaiers Entscheidung: Europa müsse ein stärkeres Gegengewicht zu führenden Cloud-Anbietern stellen. Derzeit sind größtenteils US-Unternehmen wie Google, IBM, Microsoft, AWS und Oracle auf diesem Markt vertreten. Auch der chinesische Konzern Alibaba ist ein potenzieller Mitspieler, der derzeit noch größtenteils in Asien agiert.

 (on)


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