Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bafin-und-psd2-aufschub-fuer-teile-der-umsetzung-der-zahlungsrichtlinie-2-1908-143371.html    Veröffentlicht: 22.08.2019 12:39    Kurz-URL: https://glm.io/143371

Bafin und PSD2

Aufschub für Teile der Umsetzung der Zahlungsrichtlinie 2

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, wird Zahlungsdienstleistern eine Fristverlängerung geben. Für Online-Einkäufe ist die starke Kundenauthentifizierung per PSD2 erst einmal keine Pflicht, obwohl viele Händler wie auch Banken das eigentlich schon umgesetzt haben.

Die seit Jahren feststehende zusätzliche Absicherung für Einkäufe im Internet über die sogenannte Zahlungsrichtlinie 2 (Payment Service Directive 2, PSD2) wird erst einmal ausgesetzt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin wird erst einmal darauf verzichten, nicht regelkonforme Zahlungen zu beanstanden. Die Bafin hatte im Juni 2018 im Detail erklärt, was das bedeutet: Beim Kauf einer Ware im Internet muss etwa dem Käufer eine TAN inklusive Zahlungsdetails zugeschickt werden. Weichen Beträge ab, ist die TAN ungültig. Diese starke Kundenauthentifizerung bereitet den Finanzteilnehmern offenbar größere Probleme, obwohl Verfahren wie 3DSecure durchaus etabliert sind. Laut einem Vorbereitenden Dokument von Visa vom November 2018 war der Kreditkartendienstleister auf die PSD2 bereits vorbereitet. Das bestätigt auch die Bafin. Die Kartenausgeber haben sich entsprechend den Anforderungen vorbereitet.

Auf Zahlungsempfängerseite gibt es, der Bafin zufolge, große Probleme. Die Aufsicht bemängelt, dass es einen erheblichen Anpassungsbedarf gibt und lässt deswegen von der Umsetzung zum 14. September 2019 ab. Die starke Kundenauthentifizierung wird erst einmal nicht zur Pflicht.

Wie weit die Frist verschoben wird, gibt die Bafin nicht an. Das wird erst später entschieden, nachdem sie sich mit der European Bank Authority, also der für Europa zuständigen Bankenaufsicht, sowie den nationalen Aufsichten der Mitgliedstaaten abgesprochen hat. Die Schwierigkeiten betreffen nämlich auch Zahlungsempfänger in anderen Ländern. Die irische Zentralbank Banc Ceannais na hÉireann hat beispielsweise eine Migrationsphase beschlossen.

Auch die Financial Conduct Authority (FCA) des Vereinigten Königreichs hat Mitte August 2019 eine Fristverlängerung um stolze 18 Monate gewährt. Der Fall ist insbesondere deswegen interessant, weil zweifelhaft ist, ob das Vereinigte Königreich bis dahin noch Teil der EU ist. Es ist anzunehmen, dass sich die europäischen Bankenaufsichten bei der langen Frist nicht mehr mit der FCA absprechen müssen. Die FCA hält aber an dem Plan fest, die EU-Zahlungsrichtlinie umzusetzen.

Für die Kunden bedeutet das erst einmal wenige Auswirkungen für den Alltag. Beim Online-Banking sieht das hierzulande hingegen anders aus. Die TAN-Zettel verlieren nach derzeitigem Stand pünktlich in den meisten Fällen die Gültigkeit, wie wir ausführlich betrachtet haben, und dürfen nur noch für wenige Fälle verwendet werden.

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch hier Schwierigkeiten gibt. Die Targobank wollte beispielsweise eilig schon Ende Juli 2019 umstellen. Ihr gingen jedoch die PhotoTAN-Geräte aus. Golem.de kann bestätigen, dass die TAN-Zettel bei der Targobank immer noch funktionieren, da die Bank die Frist verlängern musste.  (ase)


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