Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kolyma-2-fruehere-deliveroo-fahrer-gruenden-eigenes-kollektiv-1908-143359.html    Veröffentlicht: 21.08.2019 18:31    Kurz-URL: https://glm.io/143359

Kolyma 2

Frühere Deliveroo-Fahrer gründen eigenes Kollektiv

Noch sind es erst drei, aber es gibt viele Interessenten: Ein eigener Lieferdienst soll Würde, Arbeiterrechte und Geld für Fahrer bringen, anders als bei Deliveroo. Dort wurde ein Fahrer nach einem Unfall im Krankenhaus angerufen und nach dem Verbleib der Burger gefragt.

Drei ehemalige Deliveroo-Fahrer haben in Berlin mit Kolyma 2 ihren eigenen Lieferdienst gegründet, berichtete Gründerszene.de. Bestellungen laufen über Whatsapp, bisher kann bei zwei Restaurants, Com A am Heinrichplatz und Brgrs Brgrs in der Brückenstraße bestellt werden.

Parallel diskutiere man in einer größeren Gruppe über die Gründung eines Kollektivs, das für viele Restaurants ausliefern soll. Zuletzt habe es hier ein Treffen mit rund 30 ehemaligen Kollegen gegeben. Die Versammelten wollten Freiheit, Nachhaltigkeit, Arbeiterrechte, Gesundheit, Würde, aber auch faire Bezahlung für Fahrer erreichen. Als Angestellter bei Lieferando wollten sie wegen sehr strikter Schichtplanung und schlechten Entlohnung nicht arbeiten.

Fahrer im Krankenhaus von Deliveroo gefragt: Wo sind die Burger?

Durch die Schließung von Deliveroo werden rund 1.000 Fahrer arbeitslos, in Berlin sind 500 betroffen. Ein Fahrer berichtet im RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg), dass er eine Abfindung von 120 Euro bekomme, versprochen worden sei ein angemessenes Vergütungs- und Kulanzpaket. Durch die Scheinselbständigkeit der Arbeitsverhältnisse habe es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gegeben: Als er bei der Arbeit gestürzt sei, sich eine Rippe gebrochen habe und ins Krankenhaus gekommen sei, habe Deliveroo lediglich angerufen und gefragt, wo die Burger seien und ob er noch weiter arbeite, berichtet der Fahrer.

Olaf Klenke von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rät den Fahrern zu klagen. Man strebe zusammen mit Fahrern mehrere Verfahren mit Unterstützung der NGG an. Die Entlohnung lag laut Klenke bei 5,50 Euro pro Essenslieferung. Maximal seien in Stoßzeiten drei Lieferungen pro Stunden zu schaffen. Meist seien es weniger.

Auch die anarchistische Freie Arbeiterinnen-Union Berlin unterstützt die Fahrer, dort gibt es die Deliveryunion.

 (asa)


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