Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/machine-learning-kuenstliche-zunge-unterscheidet-sorten-von-scotch-whisky-1908-143090.html    Veröffentlicht: 08.08.2019 16:29    Kurz-URL: https://glm.io/143090

Machine Learning

Künstliche Zunge unterscheidet Sorten von Scotch Whisky

Mithilfe von Machine Learning und einer Bimetall-Zunge entwickeln Forscher Hardware, die Geschmäcker unterscheiden kann. Das System kann etwa Jahrgänge und unterschiedliche Reifefässer erkennen. In der Zukunft soll das gegen Fälschungen helfen.

Wissenschaftler der Universität Glasgow in Schottland entwickeln eine künstliche Zunge, die verschiedene Scotch Whiskys unterscheiden kann. Bei dem Gerät handelt es sich um ein Raster aus Lichtsensoren, welche die Flüssigkeiten analysieren, die mit der Zunge in Kontakt kommen. Die Forscher konnten im Handel verkäufliche Whiskys und andere Spirituosen mit 99,7 Prozent Genauigkeit unterscheiden. Das berichten sie in ihrem wissenschaftlichen Dokument, das sie im Magazin Nanoscale veröffentlicht haben. Neben offensichtlich unterschiedlichen Getränken wie Absolut Vodka und Glennfiddich-Whisky, differenziert die Zunge auch unterschiedliche Jahrgänge der gleichen Whiskysorte und verschiedene Arten von Fässern, in denen der Alkohol reift.

Die Forscher verwenden neben den Lichtsensoren eine Machine-Learning-Software, die Muster aufzeichnet, analysiert und in den Zusammenhang mit einem bestimmten Produkt bringt. Das Vorbild ist die auch in der Stochastik verwendete Methode Linear discriminant analysis (LDA). "Es ist zu Geschmack analog, indem wir ein statistisches Profil der chemischen Mixtur innerhalb der Flüssigkeit erstellen", schreiben die Forscher.

Fälschungen sicher erkennen

Allerdings wird dies nicht anhand von Nervenreizen wie beim Menschen, sondern mithilfe von Licht erreicht. Das System durchstrahlt die aufliegende Flüssigkeit. Anhand von Eigenschaften wie der Lichtbrechung und Wellenlänge, die an den Sensoren gemessen werden, errechnet die Software die wahrscheinliche Flüssigkeit - in diesem Fall unterschiedliche Whiskysorten. Der Nachteil einer solchen Zunge: Lichtundurchlässige Materialien lassen sich damit schlecht analysieren, was etwa bei fester Nahrung der Fall wäre.

Das scheint aber auch nicht das Ziel der Forschungsarbeit zu sein. Mit der Methode sollen allerdings Whiskyfälschungen erkannt werden können. Dies ist im Destilleriehandwerk ein Problem. "Wir als Industrie würden etwas willkommen heißen, das uns beim Aussortieren von gefälschtem Whisky helfen kann", sagt Annabel Meikle, Direktorin der Whiskyexpertenvereinigung Keepers of the Quaich dem britischen Sender BBC. In einem Fall seien beispielsweise 21 von 55 seltenen Scotch Whisky Fälschungen gewesen - Alkohol im Wert von etwa 700.000 Euro.  (on)


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