Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/skype-und-cortana-bei-microsoft-hoeren-menschen-bei-telefonsex-mit-1908-143065.html    Veröffentlicht: 08.08.2019 07:27    Kurz-URL: https://glm.io/143065

Skype und Cortana

Bei Microsoft hören Menschen bei Telefonsex mit

Microsoft lässt Sprachbefehle für seinen digitalen Assistenten Cortana von Menschen auswerten. Auch Skype-Telefonate werden von Menschen analysiert - dabei können diese sogar Telefonsex lauschen.

Jetzt hat es auch Microsoft erwischt: Nicht nur bei Amazon, Apple und Google haben Mitarbeiter lange Zeit die Mitschnitte ihrer digitalen Assistenten durch Menschen auswerten lassen und dies Kunden gegenüber bisher nicht klar genug angegeben. Bei Microsoft wurden neben Cortana auch Skype-Telefonate ohne Wissen der Nutzer abgehört, wie ein Bericht von Motherboard enthüllt. Dabei seien Nutzer auch nachträglich beim Telefonsex belauscht worden.

Für Microsoft tätige Auftragnehmer hören persönliche Gespräche von Skype-Nutzern ab, die über den in der App enthaltenen Übersetzungsdienst geführt werden. Das belegen laut Motherboard interne Dokumente, Screenshots und Audioaufnahmen, die dem Magazin nach eigenen Angaben vorliegen. Zudem habe das Magazin Unterlagen, die belegten, dass auch Sprachbefehle von Menschen abgehört würden, die an Microsofts digitalen Assistenten Cortana gerichtet seien.

Auf der Skype-Webseite gibt das Unternehmen lediglich an, dass bei der Übersetzungsfunktion während eines Telefonats die entsprechenden Audioaufnahmen analysiert würden. Das überrascht nicht, denn das Gesprochene muss schließlich irgendwie übersetzt werden. Allerdings verschweigt Microsoft, dass Telefonate auch von Menschen angehört würden.

Dabei dürften Microsoft-Vertragsmitarbeiter deutlich mehr vertrauliche Informationen zu hören bekommen als durch Sprachbefehle, die an einen digitalen Assistenten gerichtet sind. Laut Motherboard wurden Gespräche über sehr intime Details abgehört, seien es persönliche Probleme mit dem eigenen Körpergewicht, Beziehungsprobleme oder auch Gespräche mit sexuellem Inhalt.

Microsoft-Mitarbeiter hören bei Telefonsex zu

"Einige Dinge, die ich gehört habe, könnten eindeutig als Telefonsex bezeichnet werden", sagte ein Vertragsmitarbeiter Motherboard. "Ich habe Leute gehört, die vollständige Adressen in Cortana-Befehlen eingegeben oder Cortana gebeten haben, Suchergebnisse zu Pornoanfragen zu liefern."

Nach Informationen von Motherboard werden solche Mitschnitte auch von Mitarbeitern von zu Hause ausgewertet. Ähnliches wurde kürzlich über die Bearbeitung von Sprachmitschnitten bei Amazon bekannt.

Der Informant von Motherboard bemängelte unzureichende Sicherheitsvorkehrungen bei Microsoft: "Die Tatsache, dass ich sogar etwas davon mit Ihnen teilen kann, zeigt, wie lasch die Dinge beim Schutz von Benutzerdaten sind", sagte der Vertragsmitarbeiter, der die Dateien zur Verfügung stellte. Er wollte anonym bleiben, um keine Sanktionen von Microsoft befürchten zu müssen, weil er mit der Weitergabe der Daten gegen Geheimhaltungsvereinbarungen verstieß.

Microsoft betonte in einer Stellungnahme, dass die Aufzeichnungen von Kunden anonymisiert würden und Vertragsmitarbeiter zur Geheimhaltung verpflichtet wären. Damit räumte das Unternehmen indirekt ein, dass Menschen bei der Analyse von Sprachmitschnitten zum Einsatz kämen. Sowohl aus den Skype Translator FAQ als auch aus der Dokumentation zu Cortana gehe klar hervor, dass Sprachdaten verwendet würden, um die eigenen Dienstleistungen zu verbessern, betont Microsoft. Allerdings gibt es keinen Hinweis, dass sich Menschen das Gesagte anhörten.

In den vergangenen Monaten wurde zuerst bekannt, dass bei Amazon Alexa-Mitschnitte von Menschen angehört und mit Nutzerdaten verknüpft werden. Danach wurde das gleiche Vorgehen beim Google Assistant bekannt, dann traf es Apple mit Siri. Alle Anbieter digitaler Assistenten haben versäumt, bei der Einrichtung auf das Mithören durch Menschen hinzuweisen.

Google und Apple haben Auswertung von Mitschnitten gestoppt

Google setzte Anfang Juli die Auswertung der Google-Assistant-Aufnahmen durch Menschen aus - auf Druck des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar, der ein Verwaltungsverfahren gegen Google eingeleitet hatte. Allerdings gilt das nur innerhalb der EU und auch nur für drei Monate.

Apple folgte mit einem weltweiten Stopp des Mithörens der Siri-Sprachaufnahmen durch Menschen. Der Konzern will es Nutzern in einem künftigen Software-Update ermöglichen, das nachträgliche Anhören von Mitschnitten durch Mitarbeiter zu untersagen. Wann ein solches Software-Update kommen wird, ist nicht bekannt.

 (ip)


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