Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/noise-cancelling-headphones-700-im-test-boses-bester-anc-kopfhoerer-sticht-sony-vielfach-aus-1908-143042.html    Veröffentlicht: 08.08.2019 08:45    Kurz-URL: https://glm.io/143042

Noise Cancelling Headphones 700 im Test

Boses bester ANC-Kopfhörer sticht Sony vielfach aus

Bose schafft mit seinen neuen Noise Cancelling Headphones 700 eine fast so gute Geräuschreduzierung wie Sony und ist in manchen Punkten sogar besser. Die Kopfhörer haben uns beim Testen aber auch mal genervt.

Bose hat mit den Noise Cancelling Headphones 700 einen neuen Bluetooth-Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung auf den Markt gebracht. Das neue Modell wird parallel zum bisherigen Quiet Comfort 35 II angeboten, es ist also kein direktes Nachfolgemodell.

Es hat im Unterschied zum alten einen Hear-Through-Modus, der bei Bedarf Geräusche aus der Umgebung durchlässt. Zudem wurde eine spezielle Technik eingebaut, die auch bei Telefonaten eine Geräuschreduzierung erreicht - und zwar für beide Seiten.

Wir haben die Noise Cancelling Headphones 700 mit Boses Quiet Comfort 35 II sowie mit Sonys WH-1000XM3 verglichen und uns angeschaut, wie sich das neue Modell im Bereich Active Noise Cancelling (ANC), Tragekomfort, Klangqualität und Bedienung schlägt. Bisher lieferten die Sony WH-1000XM3 die mit Abstand beste Geräuschreduzierung am Markt.

Der neue Bose-Kopfhörer lässt sich - anders als der Quiet Comfort 35 II und der WH-1000XM3 - nicht zusammenfalten. Die Ohrmuscheln können gedreht werden, damit der Kopfhörer sicher vor Beschädigungen in der beiliegenden Transporttasche aufbewahrt werden kann. Sehr praktisch: Darin ist ein mit einem Magnetdeckel verschließbares Fach, in dem Lade- und Audiokabel sicher verstaut werden können.



Durch den Verzicht auf einen Faltmechanismus ist die Transporttasche nur minimal größer als beim alten Bose- und beim Sony-Modell. Hier zeigt Bose Microsoft, wie man eine platzsparende Transporttasche hinbekommt - die Surface Headphones haben eine besonders voluminöse Transporttasche, weil auch diese Kopfhörer keinen Faltmechanismus besitzen.

Während der Quiet Comfort 35 II noch ausschließlich mit Druckknöpfen bedient wird, hat sich Bose beim neuen Modell für eine Mischung aus Knöpfen und Sensorsteuerung entschieden. Das entsprechende Sensorfeld befindet sich im vorderen Bereich der rechten Hörmuschel und dient der Telefon- und Musiksteuerung. Wenn der Kopfhörer abgenommen wird, unterbricht die Musik nicht automatisch.

Sehr leistungsfähiger ANC

Für eine möglichst effiziente Geräuschreduzierung hat der Bose-Kopfhörer sechs Mikrofone, mit denen die Umgebungsgeräusche ermittelt werden, um den passenden Gegenschall ausspielen zu können. Systembedingt arbeiten ANC-Systeme vor allem bei niedrigen Frequenzen besonders gut, etwa beim Brummen in einem Flugzeug, wo die Technik zuerst eingesetzt wurde. Fahrgeräusche in Zügen oder Bussen werden damit ebenfalls verringert und auch typische Bürogeräusche wie Telefonklingeln, Gespräche und Tastaturlärm lassen sich dämpfen. Die ANC-Leistung haben wir immer ohne Musikzuspielung ermittelt - es ging also darum, möglichst viel Stille zu erzeugen.

Der Quiet Comfort 35 II schnitt in allen genannten Disziplinen etwas schlechter ab als Sonys WH-1000XM3. Bose verspricht mit den Noise Cancelling Headphones 700 eine verbesserte ANC-Leistung - und hält dieses Versprechen. Störende Geräusche werden effizienter gedämmt und sind fast auf dem Niveau von Sonys WH-1000XM3. Das Bose-Modell hat Gegenschall für andere Frequenzen als das Sony-Modell, das wird in unserem Videovergleich deutlich.



Im Praxiseinsatz dämmen die WH-1000XM3 Hintergrundgeräusche aber noch einen Tick effizienter als die Noise Cancelling Headphones 700. In einer Berliner S-Bahn ist unter dem Sony-Modell alles noch gedämpfter und es sind weniger Fahrgeräusche zu hören. Auch in Büroumgebungen werden die typischen Geräusche vom Sony-Modell etwas stärker gedämmt. Vor allem ablenkende Stimmen sind eine Spur leiser. Sobald wir die ANC-Kopfhörer mit Musik bespielen, fallen die Unterschiede noch weniger auf.

Anders als beim alten Bose-Modell und der Sony-Konkurrenz nutzt Bose beim neuen Modell auch für Telefonate eine Geräuschunterdrückung.

Vorbildliche Geräuschminderung auch bei Telefonaten

Bei Telefoniefunktionen schneiden bisherige ANC-Kopfhörer vielfach nicht besonders gut ab. Während der Träger des Kopfhörers von Außengeräuschen weniger gestört wird, sind diese für den Anrufer auf der anderen Seite oftmals besonders laut zu vernehmen. Das Ergebnis: Für den Gesprächspartner wird das Telefonat anstrengend. Dem will Bose beikommen, indem auch bei Telefonaten eine aktive Geräuschunterdrückung einsetzt wird.

Und das Ergebnis kann sich hören lassen: Selbst lauter Baustellenlärm wird so effektiv verringert, dass der Anrufer nicht mitbekommt, dass sich der andere Gesprächspartner an einer lauten Baustelle befindet. Auch andere laute Umgebungsgeräusche werden bei unseren Erprobungen immer sehr wirksam ausgeblendet. Praktisch ist dabei, dass der Kopfhörer die eigene Stimme bei Bedarf mit abspielt.

Windgeräusche sind ein Problem

Im ANC-Betrieb hat der neue Bose-Kopfhörer beim Musikhören Probleme mit Wind. Dann sind pfeifende Windgeräusche unter den Kopfhörern zu vernehmen. Auf Nachfrage teilte uns Bose mit, dass der Kopfhörer keine Funktion zur Windreduzierung hat. Wenn wir die Windgeräusche weghaben wollen, müssen wir ANC deaktivieren, was aber nicht immer gewünscht ist. Wenn etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln der Wind durch die geöffneten Fenster pfeift, möchten wir auf die ANC-Funktion nicht verzichten.

Hier schneidet der neue Bose-Kopfhörer schlechter ab als das alte Modell: Beim Quiet Comfort 35 II können wir bei mittlerer ANC-Leistung die Windgeräusche deutlich verringern und das Sony-Modell hat sogar einen manuell zuschaltbaren Windmodus, bei dem die ANC-Leistung erhalten bleibt. Noch praktischer ist die Windreduzierung, die Jabra in ihre Elite 85h eingebaut hat - sie arbeitet ganz automatisch. So etwas erwarten wir eigentlich bei jedem ANC-Kopfhörer.

Der Kopfhörer informiert Nutzer bei Tastenaktionen standardmäßig mit Sprachansagen. Allerdings ist die Umsetzung genauso misslungen wie beim Vorgängermodell. Wenn wir bei einem Telefonat etwa die ANC-Stufe am Kopfhörer verändern, wird der Anrufer auch beim neuen Modell komplett stumm geschaltet. Das Gleiche passiert bei der Musikwiedergabe, aber hier können wir bei Bedarf zurückspringen. Wer das verhindern möchte, muss die Sprachansagen für die Kopfhörer deaktivieren.



Der neue Bose-Kopfhörer hat im Unterschied zum alten Modell einen Hear-Through-Modus erhalten, um bei aufgesetztem Kopfhörer die Umgebung hören zu können. Dieser liefert bei den Noise Cancelling Headphones 700 eine vergleichbar gute Qualität wie beim Jabra Elite 85h. Dieser klingt auch beim neuen Bose-Modell, als hätten wir keinen Kopfhörer auf. Fahrgeräusche oder Ähnliches werden nicht störend verstärkt, wie etwa beim Sony-Modell. Bei Aktivierung des Hear-Through-Betriebs wird praktischerweise gleich die Musikwiedergabe pausiert.

Gute Klang mit leichten Abstrichen

Der neue Bose-Kopfhörer liefert ein ausgeglichenes Klangbild mit einer guten Verteilung von Bass, Höhen und Mitten. Im Tiefbassbereich ist er nicht so wuchtig wie die Sony-Konkurrenz, dafür erscheint das gesamte Klangbild entsprechend klarer. Im direkten Vergleich gefällt uns das bassintensive, aber nicht zu basslastige Klangbild des Sony-Modells etwas besser. Nichtsdestotrotz liefert der Bose-Kopfhörer einen sehr guten Klang für diese Preis- und Geräteklasse.

Bei der Bedienung orientiert sich Bose stark an Sonys ANC-Kopfhörer.

Bequeme Bedienung mit Sensorfeld

Das neue Bose-Modell hat neben einem Einschalter noch zwei weitere Tasten sowie ein Sensorfeld. Konfiguriert wird der Kopfhörer über eine App, die es für Android und iOS gibt. Die Taste auf der linken Hörmuschel dient zur ANC-Steuerung. Nutzer können zwischen drei ANC-Stufen umschalten, diese kann er selbst definieren. Zudem wird mit längerem Druck der Hear-Through-Modus aktiviert, der sich ausschaltet, sobald irgendeine Taste betätigt oder das Sensorfeld berührt wird.

Auf der rechten Hörmuschel befindet sich neben der Ein-Aus-Taste eine Taste zum Aufrufen eines digitalen Assistenten, der dann nach einem Knopfdruck Befehle entgegennimmt. Die Musik- und Telefoniesteuerung erfolgen über ein Sensorfeld, das im vorderen Außenbereich der rechten Kopfhörermuschel untergebracht ist.

Die Belegung ist dabei - so wie bei der Sony-Konkurrenz - schnell erlernt und intuitiv: Mit einem Doppeltippen wird Musik pausiert oder fortgesetzt. So werden auch Anrufe angenommen. Zum Abweisen eines Anrufs wird die Sensorfläche länger gedrückt. Ein Wisch nach oben oder unten verändert die Lautstärke und den Titelsprung erledigt ein Wisch zur Seite. Die Sensorfläche hat bei uns immer zuverlässig funktioniert und es gab keine Probleme mit falsch erkannten Befehlen.

Bei Sonys WH-1000XM3 gibt es mit der Sensorfläche Kälteprobleme. Bei starken Temperaturschwankungen ist das Sensorfeld entweder nicht nutzbar oder führt ungewollt irgendwelche Befehle aus. Wir haben den Bose-Kopfhörer einige Zeit in den Kühlschrank gelegt und dann bei Außentemperaturen jenseits von 30 Grad verwendet, ohne dass es hierbei Beeinträchtigungen gegeben hätte.

Die Kopfhörer sitzen bequem

Mit dem Tragekomfort des Bose-Kopfhörers sind wir zufrieden, er drückt nicht. Im direkten Vergleich gefällt uns das Sony-Modell minimal besser - er liegt noch angenehmer um die Ohren. Unter den Ohrmuscheln des Bose-Modelles kommt es nicht zu einer so starken Wärmeentwicklung wie beim Sony-Modell, was ein Pluspunkt für die Bose-Kopfhörer ist. Angenehmerweise hat der Kopfhörer nach dem Öffnen der Verpackung überhaupt nicht stark nach Kunststoff gerochen - das ist nicht selbstverständlich, wie ein Blick auf die Surface Headphones zeigt.



Die Noise Cancelling Headphones 700 unterstützen Bluetooth 5.0 und wir können problemlos zwei Geräte parallel damit verbinden. Hören wir etwa auf dem einen Gerät Musik und geht ein Anruf auf dem anderen verbundenen Gerät ein, pausiert die Wiedergabe und wir können das Telefonat annehmen. Die parallele Nutzung an zwei Geräten ist beim Sony-Modell so miserabel umgesetzt, das es dafür eigentlich unbenutzbar ist. Das Bose-Modell ist auch gut zum Schauen von Videos geeignet, es gibt keinen zeitlichen Versatz zwischen Bild und Ton.

Wer mit dem Kopfhörer nicht Musik oder Ähnliches hören will, um etwa Stille zu erzeugen, kann die Bluetooth-Einheit auf Knopfdruck ganz deaktivieren - praktisch. Zudem schaltet sich die Bluetooth-Einheit ab, wenn einige Zeit keine Verbindung besteht. Das neue Modell hat aber auch die Unsitte des Quiet Comfort 35 II übernommen, jedes Gerät anzusagen, das für eine Bluetooth-Verbindung gesucht wird. Durch manuelle Abschaltung des Bluetooth-Moduls lässt sich das erfreulicherweise umgehen.

Bei Bedarf können wir den Bose-Kopfhörer auch im Kabelbetrieb verwenden - der ANC ist dabei vollständig nutzbar: mit Umschaltmöglichkeit der ANC-Stufe am Kopfhörer. Wie beim Quiet Control 35 II gibt es dafür am Kopfhörer eine 2,5-mm-Klinkenbuchse; ein passendes Audiokabel mit einer Länge von einem Meter liegt bei. Anders als bei Boses altem Modell und dem Sony-Kopfhörer können wir wie bei den Modellen von Jabra und Microsoft die Lautstärke im Kabelbetrieb direkt am Kopfhörer steuern - sehr angenehm.

Die Konfiguration erfolgt über eine Kopfhörer-App, dabei ist einiges anders als beim Quiet Comfort 35 II.

Bose-App mit lästigen Einschränkungen

Wer vom Quiet Comfort 35 II zu den Noise Cancelling Headphones 700 wechselt, wird sich wundern, dass er eine neue App installieren muss. Denn der neue Kopfhörer wird nicht mehr über die Bose-Connect-App, sondern über die Bose-Music-App eingestellt, die zur Konfiguration von Lautsprechern wie etwa dem Home Speaker 500 verwendet wird. Auch bei dieser App bleibt Bose bei seiner Unsitte, dass sich die App nur öffnet, wenn die Standortfunktionen im Smartphone aktiviert sind - ohne eine Ortungsfunktion für den Kunden anzubieten.

In der Bose-Music-App gibt es dann noch eine weitere Hürde zu meistern: Die App kann nur gestartet werden, wenn der Nutzer eine Bose-ID anlegt. Wir fanden sowohl die Freigabe der Standortdaten als auch den Zwang zum Anlegen eines Nutzerkontos unnötig. Es wäre wünschenswert, wenn Bose auf beides verzichten würde. Die App selbst ist aufgeräumt und gut zu bedienen. Bei verbundenem Kopfhörer dauert es aber immer einige Sekunden, bis die App genutzt werden kann - hier wäre auch noch Optimierungsbedarf.

In der App können wir festlegen, mit welchem digitalen Assistenten der Kopfhörer verwendet werden soll. Dabei unterstützt Bose löblicherweise alle drei gebräuchlichen, also Alexa, Google Assistant und Siri - letzteren aber nur auf einem Apple-Gerät. Auf Knopfdruck kann der eingestellte digitale Assistent aktiviert werden, der dann Befehle entgegennimmt.

Alexa auf Zuruf

Hierbei gibt es die Besonderheit, dass Alexa sogar direkt auf Zuruf nutzbar ist - ein vorheriger Knopfdruck ist nicht erforderlich. Damit hat Bose das umgesetzt, was Jabra zur Vorstellung des Jabra 85h versprochen hatte, dann aber nicht realisierte. Wir brauchen nur Alexa sagen und nach einem Signalton können wir Befehle sprechen. Anders als bei smarten Lautsprechern müssen wir nach Alexa immer erst eine Pause lassen und den Hinweiston abwarten.

Dann stehen alle Alexa-Funktionen bereit und wir können auf Zuruf etwa auch direkt bestimmte Titel eines Musikstreamingdienstes abspielen - sofern dieser von Alexa unterstützt wird. Wenn wir Musik über eine andere Smartphone-App abspielen, können wir die Wiedergabe nicht auf Zuruf steuern. Auch die Annahme von Anrufen ist mit Alexa nicht möglich, hier ist Alexa limitierter als die für die entsprechenden Smartphones optimierten Assistenten von Apple und Google.



In der App können wir die ANC-Intensität einstellen und festlegen, welche drei ANC-Stufen auf dem ANC-Knopf am Kopfhörer liegen - sehr angenehm. Das neue Bose-Modell kennt insgesamt elf ANC-Stufen. Wenn die Stufe auf null gestellt ist, wird damit aber der ANC nicht abgeschaltet, sondern der Hear-Through-Modus mit aktiviert. Wer den ANC komplett abschalten will, kann das nur in der App erledigen, nicht direkt am Kopfhörer - eine Einschränkung gegenüber dem alten Modell. Erfreulich: Der Kopfhörer kann sich die letzte ANC-Stufe merken. Das vermissen wir beim Sony-Modell.

Mit dem Wechsel auf eine andere App hat Bose die praktische Funktion zur Musikfreigabe entfernt. Den Quiet Comfort 35 II können wir mit einem anderen Bose-Kopfhörer koppeln, um über beide Musik abzuspielen. Dann können zwei Personen auf einem Gerät das Gleiche mit den Kopfhörern hören. Diese Möglichkeit ist beim neuen Modell komplett entfallen - das ist schade.

Zudem kann in der App die Lautstärke für die eigene Stimme bei Telefonaten eingestellt werden. Neben drei Lautstärkestufen kann die eigene Stimme auch ganz abgeschaltet werden. Einen Equalizer gibt es hingegen wie beim Quiet-Comfort-Modell weiterhin nicht. Auch eine Ortungsfunktion fehlt, was in Anbetracht des Ortungszwangs schon als Zumutung gesehen werden kann.

Zehn-Minuten-Abschaltung ist eine Zumutung

Bose hat in den neuen Kopfhörer einen Bewegungssensor eingebaut, der die Kopfhörer rigoros nach 10 Minuten abschaltet, wenn sie nicht bewegt werden. Diese Funktion ist nicht abschaltbar, wie Bose auf Nachfrage von Golem.de erklärte. In der Bose-App gibt es zwar eine Konfiguration für eine Abschaltautomatik, aber diese Option hat auf die 10-Minuten-Abschaltung keinen Einfluss.

Wer sich etwa im Flugzeug ausruhen will, wird plötzlich wegen des Krachs aufschrecken, wenn sich der Kopfhörer und damit die Geräuschreduzierung ausschalten. Aber auch wer mal entspannt Musik hört und dabei ruhig liegt, muss damit rechnen, dass sich der Kopfhörer ausschaltet. Und wer die Kopfhörer mal für ein paar Minuten ablegt, muss diese dann erst wieder einschalten, um Musik hören zu können - sehr lästig.



Besonders ärgerlich ist es auch im Rahmen der tollen Telefoniefunktion. Wer den Kopfhörer für eingehende Telefonate bereitlegt, kann ihn so schlicht nicht benutzen. Die lästige Funktion trübt den Komfort des Kopfhörers erheblich. Bose sollte hier schleunigst mit einem Software-Update nachbessern und das abschaltbar machen. Hier zeigt Jabra Bose, wie man ein für den Nutzer bequemes Akku-Management realisiert: Indem die Ohrmuscheln verdreht werden, schalten sich die Kopfhörer ein- oder aus.

Gute Akkulaufzeit, aber längst kein Rekord

So müssen wir uns einiges einfallen lassen, um den Kopfhörer bei unseren Akkulaufzeittests ständig in Bewegung zu halten. Bose selbst verspricht eine Akkulaufzeit von 20 Stunden bei aktiviertem ANC. Wir können diesen Wert sogar noch leicht übertreffen und kommen auf eine ununterbrochene Musikwiedergabe von 21 Stunden. Das ist weniger als die guten 28 Stunden des Sony-Modells und nur etwas mehr als die Hälfte der Jabra-Konkurrenz, die auf knapp 39 Stunden kommt - bei deutlich schwächerem ANC.

Praktisch: Das neue Modell sagt die verbleibende Akkulaufzeit in Reststunden an. Allerdings sind diese Schätzungen meist etwas zu optimistisch. Vor allem, wenn der Akku halb gefüllt ist, sind die Ansagen immer ein bis zu zwei Stunden zu optimistisch. Das neue Bose-Modell hat zum Aufladen des fest verbauten Akkus eine USB-C-Buchse; die Ladezeit liegt bei 2 Stunden und 45 Minuten. Leider kann auch das neue Modell nicht beim Aufladen verwendet werden - diese unnötige Einschränkung gibt es auch bei der Sony-Konkurrenz.

Verfügbarkeit und Fazit

Boses Noise Cancelling Headphones 700 sind für 400 Euro erhältlich. Zum Lieferumfang gibt es eine Transporttasche, ein Ladekabel und ein Klinkenkabel, um bei Bedarf Musik ohne Bluetooth-Verbindung zu hören. Ein Flugzeug-Adapter liegt nicht bei.

Fazit

Geräuschminderung auch für Telefonate schaffen Boses Noise Cancelling Headphones 700 vorzüglich. Wir können uns in der Nähe einer lauten Baustelle aufhalten und die Person am anderen Ende der Leitung kann uns klar und deutlich verstehen - ein gewaltiger Pluspunkt selbst gegenüber anderen guten ANC-Kopfhörern.

Bei der ANC-Leistung hat Boses Neuling das Niveau von Sonys WH-1000XM3 erreicht. Allerdings kann das Sony-Modell in der Praxis Stimmen intensiver dämpfen als die Bose-Konkurrenz. Wer also derzeit nach einem Kopfhörer sucht, um etwa in einem Büro konzentriert ohne stimmliche Ablenkung zu arbeiten, bekommt mit dem WH-1000XM3 noch ein Quäntchen mehr Leistung. Sony-Kunden müssen sich aber mit manch unpraktischer Eigenart abfinden, die Boses Geräte nicht haben, wie etwa der kälteempfindlichen Sensorsteuerung oder der Beschränkungen bei der Parallelnutzung mit zwei Geräten.

Hier gibt es bei dem gut sitzenden Bose-Modell keine Auffälligkeiten, ganz problemlos können wir die Kopfhörer mit zwei Geräten parallel nutzen. Sehr gute Ergebnisse liefert der Hear-Through-Betrieb, mit dem sich die Umgebung so anhört wie ohne Kopfhörer. Bei vielen Konkurrenzmodellen klingt dieser Modus so unnatürlich, dass wir ihn nicht nutzen möchten.

Beim Klang ist Boses neues Modell im Bassbereich etwas schwächer als das Sony-Modell, liefert aber ein gutes, ausgewogenes Klangbild. Auch bei der Akkulaufzeit liegt Bose hinter der Leistung von Sony zurück, aber ohne dass es in der Praxis Probleme gibt. Ganz anders sieht es mit der unsinnigen Bewegungserkennung aus, die uns immer nur stört. Hier bleibt die vage Hoffnung, dass Bose diesen Fehler mit einem Software-Update korrigiert.

Wir können auch nicht nachvollziehen, warum die Kopfhörer-App von Bose andauernd GPS-Daten benötigt - denn eine Ortungsfunktion ist in der App nicht enthalten. Ebenso unverständlich ist es, dass sich der Kopfhörer nicht ohne Benutzerkonto mit der App verbinden lässt. Das sollte Bose unbedingt beides ändern.

Boses Noise Cancelling Headphones 700 liefern derzeit das beste Gesamtpaket im Bereich ANC-Kopfhörer. Es gibt einen sehr effektiven ANC, guten Klang, hervorragende Sprachqualität für Telefonate auf beiden Seiten, einen vorzüglichen Hear-Through-Modus eine unkomplizierte Verbindung mit zwei Geräten. Allerdings sorgt die automatische Abschaltung im Alltag für so viel Verdruss, dass es das positive Gesamtbild stark trübt.  (ip)


Verwandte Artikel:
Noise Cancelling Headphones 700: ANC-Kopfhörer von Bose versprechen tollen Klang   
(31.05.2019, https://glm.io/141615 )
Boses Sleepbuds im Test: Alles eine Frage der Verzweiflung   
(20.12.2018, https://glm.io/138083 )
Bose Frames im Test: Sonnenbrille mit Musik   
(24.06.2019, https://glm.io/141953 )
Smarte Lautsprecher: Bose und Sonos bringen Google Assistant auf Alexa-Geräte   
(23.07.2019, https://glm.io/142724 )
True wireless: Sony stellt drahtlose Active-Noise-Cancelling-Hörstöpsel vor   
(05.07.2019, https://glm.io/142354 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/