Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/la-defense-experiment-mit-autonomen-kleinbussen-in-paris-gescheitert-1908-142997.html    Veröffentlicht: 05.08.2019 16:45    Kurz-URL: https://glm.io/142997

La Défense

Experiment mit autonomen Kleinbussen in Paris gescheitert

Während in Berlin der Test selbstfahrender Busse ausgedehnt wird, gibt ein Betreiber in Paris sein Experiment auf. Nach zwei Jahren waren die Fortschritte zu gering.

In der französischen Hauptstadt Paris ist ein Test selbstfahrender Kleinbusse erfolglos beendet worden. "Zum Abschluss des Versuchs ist die Gesamtbilanz nicht zufriedenstellend ausgefallen", teilte die Verwaltung der Bürostadt La Défense im Juli 2019 mit (PDF). Von Juli 2017 bis Mai 2019 waren die Busses des französischen Herstellers Navya auf dem Gelände unterwegs. Die technischen Fortschritte waren im Testverlauf zu gering, um einen Betrieb ohne menschliche Kontrollperson zu gewährleisten.

An dem Versuch waren neben der Quartiersverwaltung und Navya noch die Verkehrsgesellschaft Ile-de-France Mobilités und das Transportunternehmen Keolis beteiligt. Der Hersteller Navya ist auch an zahlreichen Testprojekten in Deutschland beteiligt, unter anderem am Berliner Klinikum Charité und in Mainz. Zuletzt hatte der Wiener Verkehrsbetrieb seinen Test mit Navya-Bussen gestoppt, weil es einen Unfall mit einer Fußgängerin gegeben hatte.

Der Mitteilung von Paris La Défense zufolge gab in der knapp zweijährigen Testphase zwar keine Unfälle. Im Dezember 2017 habe es jedoch einen "technischen Vorfall" gegeben, der zu einer sechsmonatigen Zwangspause geführt habe, erklärte die Verwaltung. Im ersten Halbjahr hätten rund 30.000 Personen den Bus genutzt. Von diesen seien 97 Prozent mit dem Angebot zufrieden gewesen. 88 Prozent hätten angegeben, es wieder zu nutzen. Von Juni 2018 bis Mai 2019 seien rund 12.000 Fahrgäste transportiert worden.

Als Grund für das Scheitern werden unter anderem Schwierigkeiten mit der Mobilfunkverbindung wegen der zahlreichen Hochhäuser und sowie die schnelle Veränderung der Umgebung durch Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder Food Trucks genannt. Problematisch sei auch die Vielzahl der Verkehrsteilnehmer auf dem Gebiet gewesen, in dem Fußgänger, Fahrradfahrer, Rollerfahrer und Servicefahrzeuge unterwegs seien.

Aus diesen Gründen sei das Fahrzeug nicht in der Lage gewesen, sich auf die Änderungen in der Umgebung einzustellen. Daher sei ein Wechsel in die "volle Autonomie" nicht möglich gewesen. Zu guter Letzt habe die Fahrtgeschwindigkeit nicht gesteigert werden können, um einen attraktiven Dienst anzubieten. Daher werde das Experiment nicht weiter fortgesetzt.

Anders als in Paris dehnen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihren Test mit autonomen Kleinbussen in der Hauptstadt aus. Eine neue Linie auf öffentlichen Straßen werde noch in diesem Sommer im Bezirk Reinickendorf gestartet, berichtete die Berliner Zeitung. Allerdings sollen die Busse dabei nicht von Navya, sondern von Easymile stammen. Dessen Kleinbus EZ10 ist ebenfalls an zahlreichen Testprojekten zum autonomen Nahverkehr beteiligt.

 (fg)


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