Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wi-fi-6-router-und-clients-fuer-den-neuen-wlan-standard-1908-142881.html    Veröffentlicht: 28.08.2019 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/142881

Wi-Fi 6

Router und Clients für den neuen WLAN-Standard

Wer den neuen WLAN-Standard 802.11ax alias Wi-Fi 6 nutzen möchte, braucht entsprechende Router und Endgeräte. Wir geben eine Marktübersicht: Welche Geräte sind schon zu haben, welche kommen noch - und zu welchem Preis?

Die ersten WLAN-Access-Points im künftigen Standard IEEE802.11ax, auch bekannt als Wi-Fi 6, sind bereits 2018 auf den Markt gekommen. Bis Ende 2019 wird es wohl keinen wichtigen WLAN-Hersteller ohne AX-Portfolio mehr geben. 11ax ist der Nachfolger von 11ac. Weil die Bezeichnungen mit WLAN, Zahl und Buchstaben nicht besonders eingängig ist, wurde die Namensgebung vor kurzem vereinfacht: WLAN-11n heißt nun Wi-Fi 4, WLAN-11ac ist Wi-Fi 5 und WLAN-11ax eben Wi-Fi 6.

WLAN-11n alias Wi-Fi 4 funkt brutto bis zu 800 Megabit pro Sekunde (Mbps), WLAN-11ac-Wave-2 alias Wi-Fi 5 bis zu 1.733 Mbps - eine Geschwindigkeit, die auch die hierzulande sehr bekannten VDSL-Fritzboxen 7580 und 7590 sowie die AVM-Kabelboxen 6590 und 6591 beherrschen. WLAN-11ax-Wave-1 alias Wi-Fi 6 funkt vorerst bis zu 4.800 Mbps brutto.

Als Netto-Nutzdatendurchsatz bleibt übrigens bei allen oben genannten Funknormen grob gesagt die Hälfte vom Brutto. Und das auch nur auf kurze Distanz, bei großen Nutzdateien sowie weiteren, optimalen Testbedingungen. Davon abgesehen benötigt jeder, der den neuen Standard nutzen will, natürlich entsprechende WLAN-Router und Endgeräte. Golem.de stellt die verfügbaren und angekündigten Modelle vor - im folgenden Text und in einer übersichtlichen Tabelle.



Mehr Endgeräte gleichzeitig

11ax-Router können mehr WLAN-Endgeräte gleichzeitig bedienen als bisherige 11ac-Router. Diese Funktion ist noch viel wichtiger als der schiere Geschwindigkeitszuwachs für WLAN-Einzelnutzer. Denn viele WLAN-Netze leiden immer ärger an Überfüllung mit Apps und Geräten.

11ax eignet sich vor allem für dichte Umgebungen, etwa Großraumbüros, Hotels, Hotspots, Bahnhöfe und Flughäfen, aber auch für private Heime mit sehr vielen WLAN-Endgeräten wie Smartphones, Tablets, Laptops, WLAN-Druckern, WLAN-Fernsehern, WLAN-Kameras, smarten Lautsprechern, Sprach-Assistenten und immer mehr WLAN-Smart-Home-Sensoren an Fenstern, Türen, Steckdosen und Heizkörpern.

Die meisten 11ax-Router verstehen sich mit älteren WLAN-Endgeräten von 11b mit 11 Mbps bis hin zu 11ac-Wave-2-Geräten mit 1.733 Mbps (alle Werte Bruttomaxima), sind also rückwärtskompatibel. Die volle AX-Leistung können 11ax-Router aber nur bringen, wenn sie mit 11ax-Geräten kommunizieren.

Richtig schnelle 11ax-Endgeräte sind aber noch Mangelware. Als erstes 11ax-Smartphone gilt das Samsung S10. Es funkt schon 11ax - aber nur bis 1.200 Mbps. Die ersten Laptops mit 11ax-Funkmodulen sind bereits angekündigt, mit Bruttoraten bis 2.400 Mbps. Sehen wir uns aber nun aber erst mal die AX-Router, danach die AX-Endgeräte an.

Asus war bei AX-Geräten unter den ersten Anbietern

Asus war beim Wi-Fi 6 mit am schnellsten: Schon im Herbst 2018 war der AX-Router Asus RT-AX88U des Herstellers im deutschen Handel lieferbar. Weil es damals noch kein einziges AX-Endgerät gab, testeten wir zwei RT-AX88U gegeneinander. Dabei kamen Geschwindigkeitsspitzen von bis zu 2.500 Mbps netto heraus, natürlich nur mit großen Dateien auf kurze Distanz von drei Metern, also unter optimalen Bedingungen.

Allerdings lassen sich 2.500 Mbps nicht verlustfrei über einen herkömmlichen 1-Gigabit-LAN-Port an dahinterliegende Rechner abtransportieren. Wir haben deshalb beide Testrechner mit 3x 1-Gbps-Ports aufgerüstet und beide Asus RT-AX88U-Router mit jeweils drei gelben LAN-Kabeln mit zwei Testrechnern verbunden. So konnte die Geschwindigkeit von 2.500 Mbps über die 3x 1-Gbps-Leitungen abgeleitet werden. Anfang 2019 wurde dann der Asus ROG Rapture GT-AX11000 in Deutschland lieferbar. Er hatte schon einen 2,5-Gigabit-Ethernet-Port plus vier normale 1-Gigabit-Buchsen. Also konnten wir zwei GT-AX11000 mit jeweils einem einzigen LAN-Kabel an zwei Rechner mit 10-Gigabit-Multi-Speed-Ports anschließen.

Im Gegensatz zum RT-AX88U hat der GT-AX11000 keine zwei, sondern sogar drei WLAN-Funk-Module: einmal für 2,4 Gigahertz (GHz) bis knapp 1.200 Mbps plus zweimal für 5 GHz bis jeweils 4.800 Mbps.

1.200 plus 4.800 plus 4.800 sind 10.800 Mbps, also knapp 11.000 Mbps. Deshalb heißt der Router auch GT-AX11000. Aber wer braucht eigentlich zwei Funkmodule bei 5 GHz? Echte Power-User, zum Beispiel High-Speed-Gamer. Sie können ihre Hochgeschwindigkeitsrechner in ein eigenes 5-GHz-WLAN legen, das nicht durch alte und langsame WLAN-Geräte ausgebremst wird.

Um es bildlich zu machen: Fahren viele Trabbis oder Traktoren auf der Autobahn, nützt der schnellste Porsche nichts. Wird aber eine zweite Autobahn nur für die schnellen Autos gebaut, lassen sich die Porsches und Ferraris wieder voll ausfahren. So ist es auch mit älteren Endgeräten im WLAN: Sie können den ganzen Verkehr aufhalten. Bereits im ersten Halbjahr 2019 hat Asus noch das weltweit erste WLAN-Mesh-Consumer-System mit einem AX-Funk-Backbone ausgeliefert. Zwei Mesh-Router der Gattung Asus RT-AX92U werden über eine starke 11ax-Funkstrecke mit 4.804 Mbps brutto über die Luft miteinander gekoppelt.

Die Luftstrecke ersetzt quasi den sonst nötigen LAN-Kabelsalat zu den Access Points. Jeder Mesh-Router bedient seine WLAN-Endgeräte danach mit maximal 400 Mbps bei 2,4 GHz und mit bis zu 866 Mbps im 5-GHz-Band. Das reicht vorerst noch, denn auch 2019 beherrschen die meisten Laptops und Smartphones ohnehin maximal 866 Mbps mittels 2x2-Stream 11ac-Wave-2.

Doch Asus ist natürlich nicht der einzige Hersteller, der seine Router dem neuen Standard anpasst.

AVM und Cisco wollen bald mit AX-Routern auf den Markt kommen

AVM hat am 28. Mai 2019 die Fritzbox 6660 Cable mit 11ax-Funktechnik angekündigt. Der Berliner Hersteller verspricht maximal 600 Mbps bei 2,4 GHz und bis zu 2.400 Mbps im 5-GHz-Band, also ein Gerät der Gattung AX3000.

Im Vergleich zu den Asus-Modellen AX6000 und AX11000 klingt das eher bescheiden. Bedenkt man aber, dass die ersten AX-Smartphones aus der Samsung-S10-Familie den AX-Funk nur bis 1.200 Mbps und die ersten AX-Laptops bis zu 2.400 Mbps beherrschen, müsste die AVM Fritzbox 6660 Cable in vielen Fällen erst einmal reichen.

Vermutlich will AVM seine erste AX-Fritzbox auch zu einem relativ günstigen Preis verkaufen, das wäre mit einem AX11000 kaum zu schaffen. WLAN-AX auf einer DOCSIS-3.1-Kabel-Internet-Box zu starten, klingt ebenfalls vernünftig, denn die besten privaten Kabelanschlüsse holen das Internet derzeit ja schon mit 1.000 Mbps netto ins Heim herein.

Die besten VDSL-Anschlüsse liegen eher bei 250 Mbps im Internet-Download. Kabel-WLAN-Boxen brauchen die neue AX-Funk-Geschwindigkeit also dringender als VDSL-WLAN-Router.

Laut Pressefoto plant AVM an seiner ersten 11ax-Fritzbox 4x 1G-Ethernet-Ports und 1x 2,5G-LAN-Buchse. So kann die volle AX-Netto-Geschwindigkeit zumindest über den 2,5-Gig-Port ungebremst in die dahinterliegenden Rechner durchrauschen. Cisco Catalyst 9115 und 9117

Cisco gilt als Weltmarktführer beim Enterprise-WLAN. Anfang 2019 war von Falko Binder von Cisco Deutschland zu erfahren, Cisco engagiere sich nachhaltig in der Finalisierung des IEEE-Standards 802.11ax. In Zusammenarbeit mit wichtigen Kunden wolle das Unternehmen zudem sicherstellen, dass die kommenden Produkte den Standard nicht nur erfüllen, sondern sogar übertreffen. Cisco werde bei Wi-Fi 6 führend sein, sagte Binder Golem.de.

Seit November 2018 könnten Cisco-Kunden innerhalb eines Early Field Trial (EFT) auf Entry Access Points basierend auf Standard-WiFi-Chips zugreifen, sagte Binder. Im Laufe des Jahres 2019 wolle Cisco dann auch höherwertige 802.11ax-Access-Points mit 2,5 Gbps (4x4-MU-MIMO) und 5 Gbps-(8x8-MU-MIMO)-mGIG-Interfaces herausbringen. Bei der 8x8-Version könnten mit MU-MIMO bis zu acht Clients nach 802.11ax gleichzeitig ihre Daten mit dem Access Point austauschen.

Neben UL/DL-MIMO und BSS Coloring sei mit 802.11ax auch die Nutzung kleiner Bandbreiten möglich, etwa für IoT-Geräte. Insgesamt werde das Frequenzspektrum mit 11ax deutlich besser ausgenutzt, was gleichzeitig zu höherer Geschwindigkeit für die Anwender sowie höherer Kapazität an den Geräten führe. Außerdem brauche 802.11ax deutlich weniger Strom auf der Clientseite.

Tatsächlich hat der WLAN-Weltmarktführer im ersten Halbjahr 2019 seine Cisco Catalyst 9115 Access Points (AP) mit aggregierten Datenraten bis 5.200 Mbps und seine Cisco-Catalyst-9117-Basisstationen mit bis zu 10.000 Mbps Bruttosumme kommuniziert.

Details finden sich in den jeweiligen Datenblättern zu den 9115- und den 9117-Routern.

Neben der klassischen Catalyst-Produktreihe gibt es bei Cisco die Meraki-WLAN-Access-Points mit Cloudmanagement. Am 29. April 2019 hat Meraki den 4x4-MU-MIMO-Funker MR45 mit einer aggregierten AX-Geschwindigkeit bis 3.550 Mbps und den 4x4-AP MR55 bis knapp 6.000 Mbps angekündigt. Klar, dass diese über 1.000 Euro teuren Profi-Funker auch schon Multi-Gigabit-LAN-Buchsen haben.

Weitere Firmen, die AX-Geräte angekündigt und schon herausgebracht haben, sind Dell, Extreme Networks und D-Link - wobei es bei Dell und Extreme Networks im Routersegment gerade eine interessante Veränderung gab.

Extreme Networks künftig mit Aerohive

Dell hat im Prinzip bereits ein starkes Netzwerk-Sortiment, doch WLAN-Produkte kaufen die Texaner offenbar lieber von anderen Herstellern zu: früher von Aruba, das nach dem Aufkauf durch Hewlett Packard ausgerechnet beim stärksten Dell-Konkurrenten gelandet ist. Danach kaufte Dell bei Aerohive und Ruckus gute WLAN-Produkte ein.

Im Juni 2019 wurde aber bekannt, dass Aerohive von Extreme Networks für 272 Millionen US-Dollar übernommen werden soll. Ob sich die WLAN-Zukaufstrategie von Dell dadurch ändert, war nicht zu erfahren. Kurzfristig laufen bestehende OEM- und Zuliefer-Verträge in der Regel aber auch nach Firmenübernahmen erst einmal weiter.

D-Link kündigt schnelle AX-Geräte an

D-Link hat schon am 8. Januar 2018 zwei schnelle AX-Geräte angekündigt: den D-Link AX11000 DIR-X9000 bis knapp 11.000 Mbps und den D-Link AX6000 DIR-X6060 bis knapp 6.000 aggregierter Bruttogeschwindigkeit. Wir haben sie bisher in Deutschland aber auf keiner IT- und auch auf keiner Händlermesse gefunden.

Aerohive wechselt von Dell zu Extreme Networks

Extreme Networks hat sich in wenigen Jahren (von 2013 bis 2017) durch Firmenzukäufe von Platz 13 auf Platz 3 der weltgrößten Anbieter für Enterprise-Netzwerk-Infrastrukturlösungen entwickelt. Davor liegen jetzt nur noch Cisco und HPE-Aruba. Da Extreme Networks ganze Produktwelten von Siemens, Motorola, Symbol, Avaya, Nortel, Brocade und weiteren Firmen geschluckt hat, kann es leicht passieren, dass deren ehemalige Händler und Endanwender bei Servicefällen oder Erweiterungskäufen nun plötzlich mit einer Firma namens Extreme Networks reden müssen oder dürfen.

Im Juni 2019 wurde bekannt, dass Extreme den WLAN-Spezialisten Aerohive übernimmt. Damit wird Extremes eigene AX-Palette AP510i/e vermutlich durch die AX-WLAN-Modelle Aerohive AP630, AP650 und AP650X ergänzt. Diese APs von Aerohive gehörten schon 2018 zu den ersten tatsächlich lieferbaren AX-Enterprise-Funkern mit Cloudmanagement. Zu den Neuheiten, die Wi-Fi 6 bringt, gehört auch das Energiespar-Feature Target Wake Time (TWT). Das zu HP gehörende Unternehmen Aruba hat es in seinen neuen Modellen bereits drin.

Raffiniertes Energiemanagement bei Aruba

Aruba, das zu Hewlett Packard Enterprise (HPE) gehört, hat den 11ax-Markt schon 2018 betreten, auch in Deutschland. Das versichert uns nicht nur Axel Simon, Chief Technologist bei HPE-Aruba, sondern auch Mario Glockner, Supervisor HPE bei Ingram Micro, dem weltweit größten ITK-Distributor. "Die Aruba-510-Access-Point-Serie haben wir seit November 2018 im Portfolio", sagt Glockner.

Die AP-514-Modelle kommen wohl ohne Antennen und haben vier RP-SMA-Konnektoren für externe Dual-Band-Antennen. Die Aruba-AP-515-Modelle haben dagegen vier ab Werk eingebaute omnidirektionale Dual-Band-Antennen mit 4x4-MIMO. Beide Modelle unterstützen wohl auch schon WPA3, Bluetooth 5, Zigbee, Enhanced Open sowie 2,5-GBit/s-LAN-Ports mit NBase-T und IEEE 802.3bz. Der Straßenpreis liegt per Juli 2019 unterhalb von 1.000 Euro pro AP.

AX bringt dabei insofern Vorteile, weil es im Gegensatz zu 11ac nun "beide Netze - 2,4 und 5 GHz - nutzt, und Multi-User MIMO nicht nur beim Download, sondern auch beim Upload zur Verfügung steht", erklärt Glockner. "Zudem schont es durch Target Wake Time, kurz: TWT, die Akkus der Geräte, da diese in Standby gehen, wenn sie nicht mit dem WLAN kommunizieren." Das raffinierte Energiemanagement TWT hat es bei 11ac noch nicht gegeben.

"Die Aruba-510-Campus-Access-Points mit 802.11ax-Technologie sind auf einen Hochleistungszugang für mobile und IoT-Geräte in Umgebungen mit hoher Dichte ausgelegt", fügt Axel Simon hinzu. Die 510er-Serie verwende 802.11ax-Funktionen, um effizient zu arbeiten und gleichzeitig mehrere Clients und Datenverkehrstypen in dichten Umgebungen zu bedienen, durch Erhöhung der Datenrate sowohl für das einzelne Gerät als auch für das Gesamtsystem.

Aruba kündigt weitere, schnellere Modelle an

Die 510er-Serie unterstützt laut Simon alle obligatorischen und mehrere optionale 802.11ax-Funktionen, darunter Up- und Downlink-OFDMA mit bis zu 16 Ressourceneinheiten (RUs), 4x4-Multi-User-MIMO alias MU-MIMO mit bis zu vier Spatial Streams bei 5 GHz und 2x2-MU-MIMO mit bis zu zwei Spatial Streams bei 2,4 GHz. Außerdem unterstützt es Kanalbandbreiten bis zu 160 Megahertz (MHz) bei 5 GHz und bis zu 40 MHz bei 2,4 GHz, QAM-1024-Modulation, eine variable Polarisation der Antenne für optimierte RF-Leistung und vieles mehr.

Damit seien die 11ax-APs der Aruba-510er-Serie ideal für hohe Dichte in Umgebungen wie Schulen, Einzelhandelsfilialen, Hotels und Unternehmensbüros, erklärt Simon. Die 802.11ax-Technologie biete aber auch Vorteile für IoT-Geräte mit dedizierten Kanälen im OFDMA zur gleichzeitigen Übertragung von IoT-Verbindungen mit geringer Latenz und Energiesparoptionen mit TWT zum Verlängern der Batterielaufzeiten. Die neuen 11ax-APs können sowohl controllerbasiert (ArubaOS) als auch controllerlos (InstantOS) betrieben werden.

Im April 2019 hat Aruba mit der AP-Serie 530 und 550 weitere AX-Modelle mit bis zu 8x8-Multi-User-MIMO angekündigt, die bei der Geschwindigkeit über der 510er-Serie liegen, aber auch über 1.000 Euro pro AP kosten.

Es gibt aber auch einen Anbieter, der offenbar vor allem auf Mittelklassegeräte setzt.

Huawei war beim Ankündigen am schnellsten

Huawei hat seinen ersten 11ax-WLAN-AP namens AP7060 DN Access Point schon am 12. September 2017 angekündigt, vor allen anderen Enterprise-Mitbewerbern. Seit 2018 sei er auch in Deutschland lieferbar, versichert uns auf Nachfrage Henning Czerny, Vice Director Networking Solution Sales bei Huawei.

Die Funktionen reichen bis 8x8-MU-MIMO beim 5-GHz-Funk und bis 10 Gigabit beim LAN-Port - das ist die Spitze des derzeit Lieferbaren. Doch Czerny dämpft sogleich die Freude: "Um die Vorteile von 802.11ax vollumfänglich nutzen zu können, müssen natürlich auch die Endgeräte den neuen Standard unterstützen." Eine Aussage, die für alle 11ax-APs gilt, nicht nur für die von Huawei. Lancom LX-6400 für den Mainstream

Lancom Systems sagt von sich selbst, es sei "der führende deutsche Hersteller von Netzwerklösungen für Geschäftskunden und die öffentliche Hand". Laut deren Chef und Gründer, Ralf Koenzen, gehört es zu den Unternehmenszielen, "zuverlässige, standardkonforme und sichere Netzwerktechnologie anzubieten, für die etliche Jahre Support und kostenlose Software-Updates bereitgestellt werden".

Die endgültige Version des neuen WLAN-Standards IEEE 802.11ax (Wi-Fi 6) werde erst Ende 2019 oder Anfang 2020 verabschiedet, schreibt Koenzen per Mail. Zudem starte die Wi-Fi-Alliance die Zertifizierung von Produkten, die sich bei Bedarf per Software-Update auf den finalen Standard aktualisieren lassen, auch erst in der zweiten Jahreshälfte 2019. "Erste Produkte mit Wi-Fi-6-Unterstützung werden wir deshalb auch erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 anbieten, da vorher nicht garantiert ist, dass 'Pre-Standard-Geräte' später per Firmware-Update auf den endgültigen Wi-Fi-6-Standard angepasst werden können", erklärt Koenzen.

Ansonsten lobt der Lancom-Chef die Vorteile des neuen WLAN-Standards: "Überlastete Netze aufgrund des stetig wachsenden Bedarfs an Bandbreite durch mehr Clients und leistungshungrige Anwendungen werden zunehmend zur Herausforderung bei der Planung von WLAN-Netzen." Die 11ax-Technologie adressiere genau dieses Problem, indem sie zeitgleich mehr Clients mit mehr Daten versorgen kann.

Seine ersten AX-APs hat Lancom am 25. Juni 2019 in München angekündigt: Den LX-6400 mit internen omnidirektionalen Antennen und den LX-6402 mit externen Strahlern. Die technischen Angaben sind noch etwas spärlich: Gleichzeitiger Betrieb im 2,4-GHz und 5-GHz-Band für bis zu 3.600 Mbps kombinierte Datenrate, 4x4 Antennen, 1x 1GBit- und 1x 2.5-Gbps-PoE-Port, 802.3at bis zu 30W, Bluetooth Low Energy (BLE) und USB-Interface (für künftigen IoT-Support) sowie eine Verwaltung durch die Lancom-Management-Cloud. Diese mittelstarken AX-Produkte zielen wohl eher auf den Mainstream. Stärkere AX-Modelle mit 8x8-Multi-User-MIMO für sehr dichte Umgebungen sollen 2020 folgen.

Das Unternehmen Netgear versucht hingegen schon jetzt, eine möglichst große Bandbreite bei seinen Geräten zu haben.

Netgear mit Mesh-System, Ruckus mit großer Gesamtkapazität

Netgear hat schon 2018 einen 8x8-MIMO-Router RAX120 und einen 4x4-Router RAX80 angekündigt. Letzterer war bereits im selben Jahr in den USA lieferbar. Seit Juli 2019 findet man in deutschen Preis-Suchmaschinen einen RAX40 um 200 Euro, einen RAX80 um 320 Euro, einen RAX120 um 375 und einen RAX200 um 500 Euro. Netgear hat somit alle wichtigen Geschwindigkeitsklassen von AX3000 bis AX11000 im Programm.

Zudem hat das Unternehmen auf der Elektronikmesse CES 2019 in Las Vegas sein bekanntes 11ac-Tri-Band-Mesh-System ORBI RBK50 mit Wi-Fi-6-Backbone für das zweite Halbjahr 2019 gekündigt. Das Konzept klingt so ähnlich wie das weltweit erste Mesh-System mit AX-Backbone von Asus. Ruckus für High-Density-Umgebungen

Ruckus liegt mit seinem ersten 11ax-AP namens R730 am oberen Ende des aktuell Machbaren. Wie Huawei betont auch Ruckus nicht so sehr die schiere Topgeschwindigkeit, sondern die Gesamtkapazität der neuen 802.11ax-Technik.

Damit könnten "mehr Teilnehmer effizienter und schneller bedient werden, wodurch sie sich insbesondere für den Einsatz in High-Density-Umgebungen eignet", erklärte uns etwa Sascha Hirschoff, bis vor kurzem Senior Manager Systems Engineering bei Ruckus Networks, jetzt bei VMware. "802.11ax-Clients werden effektiver und schneller bedient, dadurch geben sie schneller das Medium wieder frei und man hat mehr Sendezeit für Non-802.11ax Clients." So könnten auch ältere WLAN-Clients aus der 11a/b/g/n/ac-Ära indirekt von einer 11ax-Einführung profitieren.

Dass Ruckus 11ax schon 2018 liefern konnte, bestätigt auch Georg Thoma, CEO beim Netzwerk-Distributor Sysob, per Mail: Seit Dezember 2018 haben die bayerischen WLAN-Experten den kalifornischen 11ax-AP Ruckus R730 im Portfolio, der mit 8x8:8 MU-MIMO acht Spatial Streams unterstützt. "Beim 802.11ax-Standard wird die Anzahl der Symbole von QAM-256 auf QAM-1024 vervierfacht", sagt Thoma. Das sorge bereits für eine fast 40-prozentige Steigerung des reinen Datendurchsatzes. "Die mögliche Brutto-Datenübertragungsrate mit zwei Antennen und 80-MHz-Kanalbreite steigt dabei auf über 1 Gbps, theoretisches Maximum sind 9,6 Gbps."

TP-Link hat sechs AX-Modelle angekündigt

TP-Link sieht sich selbst als die weltweite Nummer 1 bei WLAN. Per Januar 2019 wurden sechs Modelle mit WLAN-11ax angekündigt, im Juli 2019 haben wir das zweitstärkste Modell TP-Link Archer AX6000 bereits in einer deutschen Preis-Suchmaschine für rund 350 Euro gefunden. Zyxels 11ax-Wi-Fi-Portfolio

Zyxel hat bereits am 2. Oktober 2018 ein ganzes "11ax-Wi-Fi-Portfolio" angekündigt: Laut Roadmap vom 23. Januar 2019 soll eine 4x4-11ax-AP-Serie mit 5-Gigabit-LAN-Ports im zweiten Halbjahr 2019 lieferbar werden.

Anfang Juli 2019 haben wir tatsächlich acht konkrete 11ax-Produkte von Zyxel im Internet gefunden, aber bislang noch auf keiner deutschen IT- oder Händlermesse live gesehen. Die Produktnamen stehen aber trotzdem schon mal in unserer Tabelle.

Bleibt die spannende Frage für Smart Home, SMB und Enterprise gleichermaßen: Wann kommen die ersten wirklich leistungsstarken 11ax-Endgeräte bis 4.800 Mbps? Bislang sind die Clients noch relativ langsam.

Welche Endgeräte gibt es?

Samsung hat die komplette S10-Smartphone-Familie mit 11ax ausgestattet. Konkret also das kleinste Samsung Galaxy S10e, das S10 Standard, das S10 Plus und das S10 5G mit eingebautem 5G-Mobilfunk. Die einzige Pauschalangabe zu 11ax lautet 1.200 Mbps - ohne weitere Unterscheidung nach 2,4 und nach 5 GHz.

Laptop-Module bis 2.400 Mbps

Im April 2019 wurde der Gaming Laptop Acer Predator Helios 700 mit einem Killer-Double-Shot-Pro-Modul angekündigt: Das umfasst ein 11ax-Funkmodul vm Typ Killer Wi-Fi 6 AX 1650 und einen 2,5-Gigabit-Ethernet-Controller von Typ Killer E3000. Sein WLAN funkt auf 2,4 GHz bis 574 und im 5-GHz-Band bis zu 2.400 Mbps brutto. Das verbaute Killer-11ax-Modul basiert auf dem Intel-Wi-Fi-6-AX201-Modul mit 11ax und Bluetooth 5.0. Wifi-6-Laptops bis 2.400 Mbps

Ende Mai 2019 wurden auf der IT-Messe Computex 2019 in Taipeh weitere 11ax-Geräte angekündigt, etwa die innovativen Laptops Asus Zenbook Duo UX481 und Asus Zenbook Pro Duo UX581 mit eineinhalb Bildschirmen, der Gaming Laptop MSI GE65 Raider sowie das Business-Notebook Dell XPS 15, jetzt Model 2019, mit 11ax.

In den nächsten Wochen dürften diese Laptops hoffentlich lieferbar werden. Sie basieren wohl alle auf dem 11ax-Funkmodul Killer Wi-Fi 6 AX 1650 und müssten demnach allesamt bis zu 574 Mbps bei 2,4 GHz und bis zu 2.402 Mbps im 5-GHz-Band funken können. Bald werden wir die Versprechungen der Hersteller auch in der Praxis prüfen, testen und vermessen können. Der Markt für 11ax kommt gerade erst in Bewegung. Ein guter 11ax-Router ist aber mittelfristig einem älteren Router vorzuziehen.

Auf preiswerte Geräte muss der Kunde noch etwas warten

Wer dieser Tage seine private oder betriebliche WLAN-Infrastruktur erneuern, ersetzen oder erweitern will, sollte sich allerdings Wi-Fi 6 sehr genau anschauen: Ein guter 11ax-AP verspricht mehr Zukunftssicherheit als bisherige Wi-Fi-5-Funker, vor allem wenn mit einem weiteren Anwachsen der WLAN-Clients und des Datenhungers zu rechnen ist.

Starke, teure und kompromisslos ausstaffierte Wi-Fi-6-Funker mit Brutto-Datenraten von 1x 4.800 oder gar 2x 4.800 Mbps im 5-GHz-Band gibt es tatsächlich schon von Asus, Cisco, Extreme Networks, HPE-Aruba, Huawei, Meraki, Netgear oder Ruckus. Ihr Straßenpreis reicht von 400 bis 1.600 Euro.

Halbstarke, bezahlbare 11ax-Router mit Spitzenraten bis 2.400 Mbps sind zwar angekündigt, aber noch kaum lieferbar. Die Preise dürften bei knapp 200 Euro starten.

Daneben gibt es Firmen, die schon seit Anfang 2018, seit der CES in Las Vegas, mehrere Wi-Fi-6-APs samt großartigen Pressefotos an die Medien kommuniziert haben, bis Mitte 2019 aber nichts dergleichen liefern konnten. Diese vorschnellen Medien- und Lesertäuschungen sind einfach nur ärgerlich.

Vor der Ifa dürften weitere Ankündigungen kommen

Trotzdem wird es mit AX-Basisstationen im zweiten Halbjahr 2019 erst richtig losgehen: AVM, Lancom und Zyxel haben schon Produktnamen und Pressefotos kommuniziert, andere WLAN-Firmen wollen ihre AX-Produktpalette in Kürze stark vergrößern - vor allem nach unten, kaum nach oben. Ein weiterer AX-Ankündigungsschub wird kurz vor der Ifa 2019 in Berlin erwartet.

Das größte Problem ist vorerst noch der Mangel an Wi-Fi-6-Endgeräten. Samsung kann zwar seit Frühling 2019 alle vier Modell-Versionen seines Galaxy S10 Smartphones mit 11ax-Funk liefern, aber eben nur die schwächste Wi-Fi-6-Variante mit 1.200 Mbps Brutto.

Doppelt so schnelle Wi-Fi-6-Laptops bis 2.400 Mbps brutto wurden spätestens auf der Computex 2019 von Acer, Asus, Dell und MSI vor der Presse angekündigt und sind teilweise auch schon bestellbar.

Bis Herbst 2019 müsste es genug Wi-Fi-6-Router und Clients geben, um eine fundierte Kaufentscheidung treffen zu können. Besonders Innovatoren, Gamer und Technik-Freaks, die alles ganz früh haben wollen, können ihren Freunden und Nachbarn dann schon mal Wi-Fi-6 demonstrieren.  (hka)


Verwandte Artikel:
Nighthawk AX8 und AX12: Netgears WLAN-Raumschiffe unterstützen Wi-Fi 6   
(08.11.2018, https://glm.io/137597 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/