Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/crrc-china-arbeitet-an-umspurfaehigem-hochgeschwindigkeitszug-1907-142835.html    Veröffentlicht: 29.07.2019 14:27    Kurz-URL: https://glm.io/142835

CRRC

China arbeitet an umspurfähigem Hochgeschwindigkeitszug

Eisenbahnfahrten zwischen Ländern haben oft ein grundsätzliches Problem. Der Abstand zwischen den Schienen ist nicht standardisiert. China macht es Spanien nach und will mit seiner Lösung sogar interkontinentale Direktverbindungen ermöglichen.

Chinas Eisenbahnhersteller arbeitet an einer umspurfähigen Version seiner Hochgeschwindigkeitszüge, wie die chinesische staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Es handelt sich dabei um einen Zug, der 400 km/h in der Spitze erreichen kann. Nach den in China erreichten 350 km/h ist das der nächste Schritt mit dem konventionellen Rad-Schiene-System.

Chinas Züge haben allerdings den Nachteil, dass sie über einige Landesgrenzen nicht fahren können. Deswegen soll eine neue Generation von 400-km/h-Zügen umspurfähig werden. Xinhua nennt interkontinentalen Verkehr als das zu lösende Problem mit dem neuen Zug. CRRCs Zug soll neben der Normalspur auch auf Gleisen der Breitspur und sogar der Schmalspur fahren können. Genaue Informationen fehlen jedoch noch. Vermutlich hat CRRC unter anderem die russische Breitspur mit 1.520 Millimetern im Blick. In China fahren Hochgeschwindigkeitszüge auf der Normalspur von 1.435 Millimetern.

In Deutschland gibt es das Problem des Umspurens so gut wie gar nicht. Die große Eisenbahn fährt hierzulande weitestgehend in Normalspur. Das gilt auch für diverse Straßenbahnsysteme (Karlsruhe), die zum Teil zwischen Straßenbahn-Betriebsregeln (BOStrab) und EBO der großen Bahn arbeiten. Eine Ausnahme stellt das Straßenbahnnetz um Mannheim/Heidelberg herum dar. Es ist ein Meterspursystem, das zwischen BOStrab und ESBO, der Schmalspurversion der EBO, wechselt und damit auch eine wichtige Eisenbahn ist. Sonst sind es häufig Nebenbahnen oder Ausflugsbahnen, die abseits der Normalspur agieren. Ein Umspuren ist in Deutschland deswegen in der Praxis fast irrelevant.

Ein deutliches Gegenbeispiel in Europa ist Spanien. Dort wird traditionell die iberische Breitspur genutzt. Das Land unternahm in den vergangenen Jahrzehnten aber enorme Anstrengungen, um ein Hochgeschwindigkeitsbahnnetz aufzubauen. Dieses arbeitet in der Regel mit der Normalspur. Dementsprechend wurde in dem Land ein zweites Schienennetz aufgebaut, zuweilen parallel zu dem für den Personen- und Güterverkehr existierenden Breitspurnetz. Spanien hat daher ein großes Interesse an umspurfähigen Wagen. Dafür hat Spanien zahlreiche Umspuranlagen, durch die etwa ein Talgo 250 mit 15 km/h fahren kann. Auch Japan arbeitet an einem schnellen Umspurkonzept für den Shinkansen. Dieses Umspuren beim Fahren spart erheblich Zeit im Vergleich zum klassischen Umspuren, beispielsweise mit Austausch des Drehgestells.

Vermutlich wird der neue CRRC-Zug ähnlichen Komfort bieten, wobei das Umspuren in beide Spurrichtungen ungewöhnlich ist. China kann damit seinen Reisezugverkehr aber leicht in umliegende Gebiete erweitern. Die Mongolei, Russland und Kasachstan nutzen beispielsweise eine Breitspur. Nach Süden, Richtung Vietnam, Myanmar, Thailand und Malaysia, ist hingegen ein Schmalspurnetz üblich. Die Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nur auf einem Normalspurnetz möglich. Wie schnell der Zug in anderen Netzen sein kann, ist noch unbekannt. Der Velaro in Russland (RZD Sapsan), der mit dem deutschen ICE 3 verwandt ist, fährt beispielsweise auf der Breitspur regulär mit 250 km/h. Recherchen von Golem.de nach findet sich im Schmalspurnetz kein regulärer Verkehr jenseits der 200 km/h.

Für einen interkontinentalen Hochgeschwindigkeitsverkehr fehlt es allerdings noch an erheblicher Infrastruktur. Man kann perspektivisch nur davon ausgehen, dass die Züge umsteigefreie Verbindungen in Nachbarländer bieten können. Reguläre Euroasia-Züge gibt es vor allem im Güterverkehr, der mitunter ein paar Wochen braucht. Im Personenverkehr braucht ein Direktzug nur etwa eine Woche.  (ase)


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