Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/satellitennavigation-galileo-ist-wieder-online-1907-142814.html    Veröffentlicht: 26.07.2019 17:40    Kurz-URL: https://glm.io/142814

Satellitennavigation

Galileo fiel durch unglücklichen Zufall aus

Ein unglückliches Zusammentreffen mehrere Ereignisse hat zum Ausfall des europäischen Satellitennavigationssystem Galileo geführt. In dem einen Kontrollzentrum war ein System ausgefallen, das andere war durch eine Software-Aktualisierung lahmgelegt.

Sie sollte für mehr Sicherheit sorgen, doch stattdessen hat die Aktualisierung einer Sicherheitssoftware zum Ausfall des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo beigetragen. Das Update im Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen war aber nur einer unter mehreren Faktoren, die dazu führten, dass das System eine Woche lang nicht einsatzbereit war.

Nachdem das System wieder einsatzbereit war, hat die in Prag ansässige European Global Navigation Satellite Systems Agency (European GNSS Agency oder GSA) den Vorfall untersucht. Das Ergebnis präsentierte GSA-Chef Carlo des Dorides in dieser Woche im Industrieausschuss des Europäischen Parlaments, wie das Politik-Onlinemagazin Politico berichtet.

Demnach hat eine Verkettung unglücklicher Ereignisse den Systemausfall ausgelöst. Angefangen hatte es im anderen Galileo-Kontrollzentrum in Fucino nahe der italienischen Hauptstadt Rom. Dort trat ein Fehler bei dem System auf, das die Systemzeit an die Galileo-Satelliten übermittelt.

Das Zentrum in Oberpfaffenhofen verfügt ebenfalls über ein solches System. Falls es zu einem Problem mit der Zeitsynchronisation kommt - was zuweilen passiert -, übernimmt das jeweils andere Kontrollzentrum. In Oberpfaffenhofen wurde jedoch in dem Moment eine Software aktualisiert, die die Systeme dort vor Eindringlingen schützen soll. Deshalb konnte das deutschen Zentrum nicht übernehmen und es kam zu dem Ausfall des GNSS.

Schutz vor Cyberangriffen sei wichtig, weshalb die entsprechende Software stets aktuell sein müsse, sagte Pierre Delsaux, stellvertretender Leiter der für den Binnenmarkt zuständigen Abteilung der Europäischen Kommission. Aber es müsse darüber nachgedacht werden, wie die Aktualisierungen durchgeführt würden, ohne dass dabei das ganze System geschwächt werde.

In der vorvergangenen Woche waren fast alle Galileo-Dienste nicht verfügbar - lediglich der Such- und Rettungsdienst arbeitete noch. Der Ausfall dauerte gut eine Woche. Das System ist noch im Testbetrieb. "In gewissem Maße ist so ein Vorfall in einer solchen Phase leider Teil des Prozesses", sagte Delsaux.

Geräte, die mit Galileo navigieren, können normalerweise auch Signale anderer Satellitennavigationssysteme verarbeiten: die des US-Systems GPS, des russischen Glonass sowie des chinesischen Beidou. Insofern sei den meisten Bürgern nicht aufgefallen, dass Galileo nicht verfügbar war, sagte Delsaux. Aber es sei keine schöne Situation gewesen.

Die Galileo-Konstellation besteht derzeit aus 22 aktiven Satelliten. Zwei werden noch getestet, zwei weitere sind außer Betrieb. Voraussichtlich Ende kommenden Jahres werden die letzten in den Orbit geschossen. Nach diversen Verzögerungen, Pannen und Problemen beim Aufbau des rund zehn Milliarden Euro teuren Galileo-Systems wurden die ersten Dienste im Dezember 2016 freigeschaltet.

Galileo bietet vier Dienste, die für verschiedene Zielgruppen vorgesehen sind. Der wichtigste ist der offene Dienst (Open Service, OS). Das Signal wird auf zwei Frequenzen ausgestrahlt und ermöglicht eine Positionsbestimmung, die bis auf ein bis zwei Meter genau ist. Der kostenpflichtige kommerzielle Dienst (High Accuracy Service, HAS) ortet mit einer Genauigkeit von unter einem Meter. Er ist für geschäftliche Anwendungen gedacht, etwa die vernetzte Landwirtschaft, für die Logistikbranche oder für autonomes Fahren.

Hinzu kommen der verschlüsselte regulierte Dienst (Public Regulated Service, PRS) sowie der Such- und Rettungsdienst (Galileo Search and Rescue Service). Der PRS ist für Nutzer mit hoheitlichen Aufgaben gedacht, etwa die Polizei, die Feuerwehr oder den Katastrophenschutz. Der Galileo Search and Rescue Service soll künftig in das Such- und Rettungssystem Cospas-Sarsat integriert werden.

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