Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kernfusion-iter-soll-2025-fertig-werden-1907-142775.html    Veröffentlicht: 25.07.2019 11:15    Kurz-URL: https://glm.io/142775

Kernfusion

Iter soll 2025 fertig werden

Auf der Baustelle des Fusionsreaktors Iter in Südfrankreich ist ein wichtiger Bauabschnitt fertiggestellt worden. Jetzt kann mit dem Bau der Fusionskammer begonnen werden. Ende 2025 soll die Anlage erstmals in Betrieb genommen werden.

Wichtiges Etappenziel auf Europas größter Baustelle: Zwei Teile des Kryostaten des Fusionsforschungsreaktors International Thermonuclear Experimental Reactor, kurz Iter, sind fertig. Ende 2025 soll die Anlage ihren Betrieb aufnehmen.

Wegen seiner Größe besteht der Kryostat aus vier Komponenten. Die Basis und der untere Zylinder sind fertig und abgenommen, sie wurden feierlich eingeweiht. Der obere Zylinder wird gerade vor Ort montiert, das letzte Segment des Deckels entsteht in Indien.

Der von Indien gefertigte Kryostat ist eine wichtige Komponente des Iter: Er ist die Kühl- und Vakuumkammer - die größte bisher gebaute - und bietet strukturelle Unterstützung für die Fusionskammer, den Tokamak.

Mit dessen Bau kann jetzt begonnen werden. Die ersten Komponenten sollen im Herbst in Cadarache in Südfrankreich eintreffen. Im Frühjahr kommenden Jahres soll die Montage beginnen.

Damit ist der Kryostat zu 60 Prozent fertig, der gesamte Iter zu zwei Dritteln. 2025 soll die Anlage, deren Bau Michail Gorbatschow, damals Staats- und Parteichef der Sowjetunion, 1985 beim Gipfeltreffen der Supermächte in Genf vorgeschlagen hatte, fertig sein. "Der Termin für das erste Plasma steht fest", sagte Iter-Sprecherin Sabina Griffith der US-Wissenschaftszeitschrift Scientific American im Dezember 2025. Aber: "Es wird weitere zehn Jahre dauern, bis wir den vollen Deuterium-Tritium-Betrieb erreichen."

Der Iter wird der erste großtechnische Fusionsreaktor der Welt. An dem Projekt sind 35 Nationen beteiligt. In der Reaktorkammer soll ein Wasserstoffplasma mit einer Temperatur von 150 Millionen Grad Celsius erzeugt werden. Supraleitende Magnete - die größten bisher gebauten - werden das Plasma einschließen. In dem Plasma sollen die Wasserstoffisotope Deuterium (D) und Tritium (T) fusionieren und dadurch Energie freisetzen. Die Kernfusion soll in Zukunft die Energieversorgung sichern.  (wp)


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