Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/razer-blade-15-advanced-im-test-treffen-der-generationen-1907-142590.html    Veröffentlicht: 17.07.2019 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/142590

Razer Blade 15 Advanced im Test

Treffen der Generationen

Auf den ersten Blick ähneln sich das neue und das ein Jahr alte Razer Blade 15: Beide setzen auf ein identisches erstklassiges Chassis. Der größte Vorteil des neuen Modells sind aber nicht offensichtliche Argumente - sondern das, was drinnen steckt.

240-Hz-Panel! Geforce RTX 2070 Max-Q! Intel Core i7-9750H! Das Razer Blade 15 Advanced ist die neue Version des 15,6-Zoll-Notebooks mit in vielen Bereichen besseren Komponenten. Die Frage ist: Lohnt sich ein Upgrade auf die Hardware von 2019? Schließlich ist das System in der von Golem.de getesteten Konfiguration immerhin etwa 2.700 Euro teuer. Enthalten sind das eingangs erwähnte 240-Hz-Panel mit Full-HD-Auflösung, 16 GByte DDR4-Arbeitsspeicher und eine 512-GByte-NVMe-SSD.

Die neue Namensgebung des Blade 15 ist etwas gewöhnungsbedürftig: Es gibt im Jahr 2019 das Base-Modell und das Advanced-Modell. Beide Notebooks haben dasselbe Gehäuse, können aber mit unterschiedlichen Panels und Grafikeinheiten bestellt werden. So verwertet Razer beim Base-Modell langsamere Hardware - beispielsweise eine Geforce RTX 2060 Max-Q und einen Core-i7-Prozessor der neunten Generation. Schnellere Komponenten und einen größeren Akku gibt es nur in der Advanced-Version, die wir testen.

Parallel dazu wurde der Redaktion das Vorgängermodell von Razer gestellt - mit Nvidia Geforce GTX 1070 Max-Q, Core i7-8750H, 16 GByte RAM, 512-GByte-SSD und einem ebenfalls 15,6-Zoll großen Full-HD-Panel, das allerdings nur 144 Hz Bildfrequenz schafft. Die Unterschiede zwischen den beiden Modellen sind auf dem Papier offensichtlich, doch bleibt die Frage, ob sich dies auch auf die Spieletauglichkeit auswirkt.

Äußerlich sind beide Notebooks bis auf die unterschiedliche Farbgebung komplett identisch. Kein Wunder, denn das silberne Blade 15 Advanced und das schwarze Blade 15 2018 basieren auf dem baugleichen Chassis, welches 17,8 x 235 x 355 mm misst. Und das ist sehr gut verarbeitet. Das Aluminium scheint robust und stabil zu sein und verträgt auch ruppige Transporte mit dem Fahrrad im Rucksack ohne Kratzer. Die Displayscharniere halten den Bildschirm fest an Ort und Stelle, und nichts biegt sich bei größerem Druck oder beim wütenden Tippen in den Team-Chat.

Understatement für ein Gaming-Notebook

Optisch wissen beide Farben auf ihre eigene Weise zu gefallen. Wir persönlich finden das komplett schwarze Razer-Design mit grünen USB-Buchsen des älteren Modells etwas besser. Die schmalen Displayränder und das kantige Gehäusedesign erinnern bei beiden Laptops an Apples Macbook-Serie und generell an moderne Ultrabooks, genau wie das übergroße Touchpad, das für ein Gaming-Notebook ungewöhnlich ist. Das trifft auch auf die untypische Flachtastatur zu, die bei beiden Geräten identisch ist.

Zwar sind die Tastenkappen der Tastaturen in vielen Farben individuell einstellbar, allerdings eignen sich die flachen Tasten eher zum Vielschreiben als zum Zocken. Möglicherweise sind wir aber auch einfach nur mechanische Tastaturen beim Spielen von Mordhau, Counter Strike: Global Offensive oder The Division 2 gewohnt. Das Touchpad ist durch seine übergroße Sensorfläche ein exzellentes Eingabegerät und übertrifft einige auf Büroarbeiten ausgerichtete andere Notebooks bei weitem. Wenn wir nicht auf dem Blade 15 spielen, dann vermissen wir auch eine dedizierte Maus nicht. Dafür gibt es auf der Tastatur keine eigenständige Taste zum Abschalten des Touchpads. Das muss dementsprechend über Windows 10 gelöst werden.

Auch an Anschlüssen mangelt es den 15,6-Zoll-Geräten nicht. Tastatur, Maus und USB-Headset finden an USB-A-Ports nach USB 3.2 Gen2 Platz. Aber aufpassen: Das 2018er-Modell und die Base-Variante des Gerätes setzen hier auf das etwas langsamere USB 3.2 Gen1. Alle Versionen haben allerdings eine Thunderbolt-3-Buchse mit USB-Typ-C-Buchse. Daran können wir etwa Adapter für kabelgebundenes Ethernet anschließen. Denn dieser Anschluss fehlt beim Blade 15 unglücklicherweise - das muss bei einem Gaming-Notebook bemängelt werden. Bildschirme können wir an einen HDMI-2.0b-Port oder an Mini-Displayport 1.4 anschließen.

Äußerlich sind beide Razer-Blade-Produkte nahezu identisch. Der Unterschied wird dann spürbar, wenn wir ein Spiel laufen lassen.

Der Generationsunterschied

Sowohl das Blade 15 2018 als auch das Blade 15 Advanced haben einen Core-i7-Prozessor mit sechs Kernen und zwölf Threads per Hyper-Threading. Beide Modelle haben ein Leistungsbudget von 45 Watt. Der Unterschied: Der ältere Core i7-8750H taktet nominell mit 2,2 GHz pro Kern und kann temporär einen Turbo von 4,1 GHz erreichen. Der Core i7-9750H ist mit 2,6 GHz pro Kern und 4,5-GHz-Turbo etwas schneller. Den Unterschied merken wir nach kaum sechs Durchläufen des Cinebench R20, bei dem das neuere Modell den Test etwa 7 Prozent schneller absolviert - mit 2.073 zu 1.939 Punkten. Beide Notebooks nutzen während des Tests eine Leistungsaufnahme von rund 45 Watt, nachdem sie wenige Sekunden auf bis zu 80 Watt zugreifen.

Die Grafikkarten beider Modelle unterscheiden sich stärker voneinander: Die Geforce RTX 2070 Max-Q gehört zur Turing-Generation und basiert auf dem TU106-Chip. Sie ist für 90 Watt ausgelegt und kann auf 2.304 Shader-Einheiten und 8 GByte GDDR6-Videospeicher bei einer GPU-Taktrate von etwa 1.785 MHz zugreifen. Die Geforce GTX 1070 Max-Q basiert auf dem GP104B-Chip der vorangegangen Pascal-Architektur mit 2.048 Shader-Einheiten 8 GByte GDDR5-Videospeicher; der GPU-Takt liegt typischerweise bei 1.215 MHz. Das Leistungsbudget ist mit 115 Watt wesentlich höher als das des Turing-Pendants.

Im Test stellen wir beide Notebooks bei Shadow of the Tomb Raider und The Division 2 gegenüber. Diese Titel belasten Grafikeinheiten stark und sind typischerweise durch GPUs und nicht durch CPUs begrenzt. In Lara Crofts Abenteuer sehen wir den Generationenunterschied deutlich: Durchschnittlich 82 Frames pro Sekunde messen wir im fordernden integrierten Benchmark von Shadow of the Tomb Raider. Das 2018er-Modell des Razer Blade 15 kommt auf 66 fps - und ist damit knapp 20 Prozent langsamer. In The Division 2 schaffen beide Modelle es nicht, die gewünschten 60 fps zu erreichen. Wir messen 56 fps beim Razer Blade 15 Advanced und 52 fps beim Vorgänger.

Um die 15,6-Zoll-Panels der beiden Notebooks zu testen, spielen wir jeweils eine Runde in kompetitiven Titeln. Wir prüfen die Frameraten im Taktikshooter CSGO in nativer Full-HD-Auflösung und bei sehr hohen und sehr niedrigen Details. Mit sehr hohen Einstellungen sind beide Notebooks fast gleichauf, das Razer Blade Advanced liegt mit 179 zu 159 fps leicht vorne. Bei sehr niedrigen Details messen wir 222 zu 198 fps, die neue Version des Blade 15 ist hier als rund 10 Prozent schneller.

Ein ähnliches Ergebnis stellen wir im Mittelalterspiel Mordhau fest: Wir laufen mit 114 beziehungsweise 108 Frames pro Sekunde über das Schlachtfeld. Der Unterschied rechtfertigt allein an diesen Zahlen gemessen kein Upgrade auf das 2019er-Modell.

Das 240-Hz-Display ist unnötig

In der Theorie klingt das 240-Hz-Panel des Blade 15 Advanced im Vergleich zum 144-Hz-Pendant des Vorgängers wie ein gewaltiger Vorteil. Der ist in der Praxis für uns allerdings kaum merkbar: Bei nativer Auflösung schaffen es beide Notebooks nicht einmal in CSGO bei niedrigen Details auf 240 fps, um das Potential des Panels voll auszunutzen. Subjektiv sehen wir zudem keinen Unterschied zwischen 144 und 240 Hz. In CSGO und in Mordhau treffen wir unsere Gegner immer gleich gut oder je nach Perspektive weniger gut.

Statt den Aufpreis für ein 240-Hz-Panel zu bezahlen, würden wir das Geld lieber in einen großen 27-Zoll- oder 32-Zoll-Monitor investieren. Denn gegnerische Spielfiguren auf den kleinen 15,6-Zoll-Panels zu suchen, ist ein viel größeres Handicap als eine geringe Bildfrequenz. Allerdings: Derzeit ist das schnellere Display im Razer-Onlineshop günstiger als die 144-Hz-Variante.

Sowohl das 2018er-Modell als auch das neue Blade 15 Advanced schneiden mit ihren Displays eher mittelmäßig ab. Die ältere Version schafft es zumindest auf maximal 324 cd/m² zu kommen, das aktuelle Modell leuchtet mit maximal 270 cd/m². Bei schlechten Lichtverhältnissen, etwa wenn die Sonne direkt durch das Fenster auf das Display scheint, versagt zudem die Entspiegelung beider Notebooks teilweise. Ständig müssen wir den Displaywinkel anpassen, um keine nervigen Lichtflecken zu sehen - das geht besser!

Razer Synapse bringt Frames

Interessant: Das Blade 15 Advanced dreht unter Last wesentlich weniger laut auf. Razer hat anscheinend am Lüftersystem gearbeitet. Dieser Unterschied ist auch bemerkbar, wenn wir uns in ein forderndes Spiel wie The Division 2 begeben. Beide Notebooks sind - für Gaming-Geräte typisch - relativ laut. Allerdings ist das Blade 15 2018 wesentlich geräuschvoller und auch die Abwärme des älteren Modells ist spürbar höher. Zwischen den Tasten I und L wird es unter andauernder Last unangenehm heiß.

Beim neuen Blade Advanced haben wir dieses Problem nicht feststellen können. Schon bei leichterer Last fängt die 2018er-Version an zu pusten - etwa wenn wir ein Zip-Archiv entpacken. Im Gegensatz dazu vernehmen wir im Leerlauf des Blade 15 Advanced ein ständiges leises Rattern des Lüfters, das aber nur aus kurzer Distanz wahrnehmbar ist. Unter Last rauscht das 2019er-Modell wesentlich leiser, so dass nicht unbedingt Kopfhörer aufgesetzt werden müssen.

Dass sich die Lüftung spürbar verbessert hat, merken wir auch an den ausgelesenen Temperaturen der CPU. Unter Last dreht die ältere Variante direkt auf - und trotzdem erreicht die CPU kurzzeitig fast 100 Grad Celsius. Das Blade 15 Advanced hat dieses Problem nicht: Hier messen wir maximal 75 Grad Celsius. Die effizientere modernere Hardware - genauer die Grafikeinheit - produziert zudem weniger Abwärme, die ausgeglichen werden muss.

Ein Blick in das Innere beider Notebooks zeigt, dass das neue Modell eine etwas größere Kupferplatte auf wichtigen Komponenten verwendet. Die zwei Lüfter sind hingegen gleich groß. Auch sonst ähneln sich die Notebooks intern stark: die zwei SO-DIMM-Module sind austauschbar, genauso wie die Samsung-SSD und das Intel-WLAN-Modul.

Beide Notebooks nutzen einen 80 Wattstunden fassenden Akku. Durch diesen eignen sich beide Geräte auch ohne Netzteil für mobiles Arbeiten. Der Akku-Benchmark des PCMark10 simuliert leichte Schreibarbeiten, Webbrowsing, Leerlauf und Videokonferenzen. Die Laptops halten immerhin 5:30 Stunden durch, was für Gaming-Geräte gute Werte sind. Ein reines Ultrabook ersetzen sie dadurch natürlich nicht, vor allem da das 2018er-Modell immerhin 2.071 und das 1019er-Modell sogar 2.150 Gramm wiegt - die schweren Netzteile außen vor.

Razer verbaut bei beiden Blade-15-Versionen eine PM981-SSD von Samsung mit jeweils 512 GByte Kapazität. Die ist wie erwartet zufriedenstellend schnell: Wir messen mit dem Tool Crystaldiskmark 2.327 MByte/s lesend und 2.076 MByte/s im sequentiellen Schreiben beim Blade 15 2018. Das neue Modell ist etwas schneller: Hier sind 3.100 MByte/s lesend und 1.911 MByte/s beim Schreiben möglich.

Lange haben wir darauf gewartet, dass Razer den Kontozwang bei seiner Software Razer Synapse entfernt - mittlerweile ist eine Anmeldung nicht mehr notwendig. Das ist gut, denn wir können bei beiden Modellen einige Einstellungen vornehmen, welche die Leistung etwas steigern.

Vor allem bei der älteren Version sehen wir Verbesserungen, allerdings auf Kosten der Lautstärke. Wir können in der Software die Lüftersteuerung manuell voll aufdrehen. Das System wird dadurch sehr laut, aber auch weniger warm und etwas leistungsfähiger. Die CPU schafft etwa 2.400 statt vorher 1.939 Punkte im Cinebench R20 und die Frameraten in The Division 2 und Rise of the Tomb Raider steigt um etwa 5 Prozent. Die Frage ist, ob Nutzer für diese kleinen Gewinne ein konstant nerviges Lüftergeräusch in Kauf nehmen wollen.

Die neue Version des Razer Blade 15 hat ein wenig mehr Einstellungsmöglichkeiten: Wir können ein langsameres oder schnelleres CPU- und parallel dazu ein GPU-Profil auswählen. Auch hier zeigen sich in Cinebench R20ß etwa 2.400 Punkte, da die CPU länger eine Leistung von etwa 80 Watt erhält. Der GPU-Regler bringt allerdings keine messbaren Vorteile in unserem Test.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Razer Blade 15 Advanced mit Geforce RTX 2070 Max-Q, Core i7-9750H, 16 GByte RAM und 256-GByte-SSD kostet 2.600 Euro. Die von uns getestete 2.800-Euro-Variante hat 512 GByte Speicherplatz. Für 3.200 Euro gibt es eine schnellere Geforce RTX 2080 Max-Q, für 3.600 statt des 240-Hz-1080p-Panels eines 4K-OLED.

Fazit

Das Adavanced-Modell des Razer Blade 15 muss einem starken Vorgänger gerecht werden. Das klappt sehr gut, denn es erbt das exzellente 15,6-Zoll-Chassis aus Aluminium, das zudem mit genug USB-A-Ports, Thunderbolt 3 und Displayanschlüssen für zwei Monitore überzeugen kann. Allerdings erbt das neue Modell auch die fehlende RJ-45-Buchse des Vorgängers. Tastatur und Touchpad sind ebenfalls gleich geblieben und weiterhin sehr gut.

Das 144-Hz-Display tauscht Razer durch eine 240-Hz-Variante aus, die Auflösung bleibt mit 1080p gleich. Bei der Helligkeit ist die aktuelle Variante unterlegen: Wir messen 275 cd/m² im Vergleich zu den 324 cd/m² der 2018er-Version. Direktes Licht kann da zum Hindernis werden.

Die Advanced-Version des Razer Blade 15 hat den Vorteil, auf aktualisierte Hardware von Intel und Nvidia zurückgreifen zu können. Die Geforce RTX 2070 Max-Q und der Core i7-9750H sind in der Praxis aber meist nicht viel schneller - wir messen grob 10 Prozent Unterschied. Nur in grafisch sehr anspruchsvollen Titeln wie Rise of the Tomb Raider verzeichnen wir eine Leistungsverbesserung von etwa 20 Prozent.

Was für uns die neue Generation überlegen macht: Die Kühlung ist unter Last wesentlich leiser. Dennoch schafft es das aktuelle Modell, CPU und GPU besser zu kühlen. Das schlägt sich auch in der durch das Gehäuse strahlenden Abwärme wieder. Während es beim 2018er-Modell an einigen Stellen unangenehm heiß wird, ist dieses Problem bei der aktuellen Version nicht mehr vorhanden.

Allein aus diesem Grund würden wir uns für die Advanced-Version des Razer Blade 15 entscheiden, auch wenn sie teilweise etwas teurer ist. Ein Upgrade vom Vorgänger ist allerdings nicht notwendig.  (on)


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