Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/raumfahrt-galileos-satellitennavigation-ist-vollstaendig-ausgefallen-1907-142544.html    Veröffentlicht: 14.07.2019 13:27    Kurz-URL: https://glm.io/142544

Raumfahrt

Galileo-Satellitennavigation ist vollständig ausgefallen

Seit Donnerstag senden die Satelliten des Galileo-Systems keine Daten mehr an die Navigationssysteme. SAR-Notfallbenachrichtigungen sollen aber noch funktionieren. Offenbar ist ein Systemfehler in einer Bodenstation die Ursache. Nach fünf Tagen wurde die Störung behoben.

Wie GPS World berichtet, ist das gesamte Galileo-System seit Donnerstag ausgefallen. Demnach berichten Nutzer, dass bereits am Donnerstag alle Satelliten aufhörten, Signale über ihre Position im Orbit zu senden. Alle 22 Satelliten der europäischen Alternative zum GPS sind betroffen.

Erst am Samstagabend veröffentlichte das zuständige GNSS Service Centre eine offizielle Nachricht an die Nutzer des Galileo-Systems. Laut dieser Nachricht begann der vollständige Ausfall am Freitag um 3:50 Uhr mitteleuropäischer Zeit. "Bis auf weiteres erleben Nutzer einen Ausfall des Services. Die Signale sollten nicht benutzt werden."

Auf einer Webseite zum aktuellen Status der Galileo-Satelliten sind alle aktiven Satelliten ohne weitere Erläuterungen als "nicht benutzbar" gekennzeichnet. Über den Grund oder die mögliche Länge des Systemausfalls wird nichts berichtet.

Nach vielen Problemen und Pannen ging Galileo am 15. Dezember 2016 mit 18 Satelliten in Betrieb. Seitdem sind vier weitere Satelliten hinzugekommen. In der Zwischenzeit kam es durch einen Konstruktionsfehler zu Problemen mit den Atomuhren an Bord der Satelliten. Die in der Schweiz gebauten Uhren werden benötigt, um den genauen Ort und Zeitpunkt zu bestimmen, von dem die Navigationssignale gesendet werden. Aus dem Ort und dem Sendezeitpunkt von mehreren Satellitensignalen kann der Ort des Empfängers bestimmt werden.

Galileo ist eines von vier globalen Satellitennavigationssystemen, um einen vom amerikanischen GPS unabhängigen Zugang zu Navigationsdaten für europäische Nutzer sicherzustellen. Eine ähnliche Aufgabe sollen die russischen Glonass- und die chinesischen Beidou- Systeme erfüllen. Das indische IRNSS (Indisches Regionales Navigationssatelliten System) und das japanische QZSS (Quasi-Zenit-Satelliten-System) haben die gleiche Aufgabe. Deren Satelliten versorgen jedoch nur eine begrenzte geographische Region über die geosynchrone Umlaufbahn und nicht den gesamten Globus.

Nachtrag vom 14. Juli 2019, 15:21 Uhr

Ein mit dem System vertrauter Mitarbeiter wies darauf hin, dass es eine erste Meldung über schlechtere Signalqualität im Navigationssystem bereits am Donnerstag um 16:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit gegeben habe. Nach dieser Meldung gab es erste Einschränkungen der Signalqualität zwar seit 3:00 Uhr, aber erst später wurde sie zu schlecht.

Die zweite Meldung vom Samstag bezog sich auf die endgültige Abschaltung des Signals, nachdem die Abweichungen der Ortungssignale zu groß geworden waren. Die Ursache wird in einem Systemfehler einer Bodenstation vermutet, die als Zeitreferenz dient. Der Fehler konnte sich fortsetzen, weil er während eines Systemupgrades auftrat, was die Wiederherstellung erschwert.

Nachtrag vom 14. Juli 2019, 23:44 Uhr

Die Betreibergesellschaft weist in einer neuen Meldung darauf hin, dass die Search and Rescue (SAR) Funktion von Galileo zur Alarmierung im Notfall noch voll funktioniert. Außerdem befinde sich Galileo auch im Jahr 2019 noch in der Phase der "Initial Services". Der vollständige Service mit voller Redundanz und Zuverlässigkeit ist erst für später vorgesehen. Durch die Systemupdates wird derzeit daran gearbeitet.

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Nachtrag vom 16. Juli 2019, 22:06 Uhr

Inzwischen wurde die Störung behoben und das Navigationssystem ist wieder benutzbar. Seit Dienstag 21 Uhr werden die Satelliten wieder mit der Bodenstation synchronisiert.  (fwp)


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