Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/innenstadt-schon-4-800-e-scooter-in-berlin-1907-142509.html    Veröffentlicht: 11.07.2019 16:27    Kurz-URL: https://glm.io/142509

Innenstadt

Schon 4.800 E-Scooter in Berlin

Die Anbieter Circ, Lime, Voi und Tier setzen ihre E-Scooter fast nur in der Innenstadt aus, um Touristen als Kunden zu gewinnen. Das widerspricht den Zusagen, damit den Autoverkehr von Pendlern deutlich zu reduzieren.

Rund 4.800 elektrische Leih-Tretroller standen Anfang Juli bereits auf Berlins Straßen. Das hat eine Datenauswertung der Apps der E-Scooter-Verleiher durch Rbb24 (Rundfunk Berlin-Brandenburg) und Radforschung.org ergeben, die am 11. Juli 2019 vorgelegt wurde. Allein im Bezirk Mitte standen demnach rund 2.200 E-Scooter, in Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow weitere 1.500. Damit waren rund 75 Prozent der E-Scooter in den drei Innenstadt-Bezirken, die bei Touristen besonders beliebt sind.

Ganz anders sieht es in den Außenbezirken Marzahn-Hellersdorf, Spandau, Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf aus. Dort stellten die Anbieter laut Rbb-Datenanalyse insgesamt nur 22 Tretroller auf. Die Anbieter Circ, Lime, Voi und Tier hielten ihre Flottengrößen bislang geheim, auf Anfrage widersprachen sie den Zahlen jedoch nicht.

Die vom Rbb ermittelten Zahlen legen nahe, dass die E-Scooter bislang zum großen Teil von Touristen genutzt werden. Das steht im Widerspruch zur Selbstdarstellung der Anbieter. Sie hatten beim Berliner Senat damit geworben, dass Leihroller einen spürbaren Beitrag dazu leisten, den Autoverkehr bei Berufspendlern zu reduzieren.

Die Innenstadt-Fixiertheit der Scooter-Anbieter ärgert den Linken-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg. Sie widerspreche dem Mobilitätsgesetz, auf das sich Rot-Rot-Grün geeinigt hat. "Darin haben wir grundsätzlich festgelegt, dass wir in allen Berliner Bezirken gleichwertige Mobilitäts-Angebote vorhalten möchten", sagte Ronneburg dem Rbb.

"Wenn Anbieter die Rosinen haben wollen in der Innenstadt, auf die sich alle jetzt stürzen, dann müssen sie im Gegenzug eine Zahl X in anderen Teilen der Stadt vorhalten", schlug Ronneburg vor. Über einen konkretisierten Vorschlag wolle die Linke nach der Sommerpause mit SPD und Grünen beraten. Ronneburg will damit der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) "ein bisschen Druck machen".

Die Verkehrsverwaltung teilt mit, sie würde es begrüßen, wenn E-Scooter auch außerhalb des S-Bahnrings verstärkt zur Verfügung stünden. Es sei jedoch nicht möglich, ein Geschäftsgebiet für das Verleihen von E-Scootern vorzugeben.

Madrid allerdings hat genau das bereits getan, Wien prüft es derzeit. Wien hat auch eine Obergrenze von 1.500 Scootern pro Anbieter vorgegeben - eine Anzahl, die der Anbieter Circ in Berlin schon jetzt überschreiten würde.

Im Vergleich zu Wien hat der Berliner Senat das Thema bislang verschlafen, kritisiert der Mobilitätsforscher Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu). "Wien hat sich anders aufgestellt. Die waren halt aufmerksamer, haben in die USA geguckt oder in andere Länder", sagte Bracher.

 (asa)


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