Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dr-mario-world-angespielt-spielspass-fuer-privatpatienten-1907-142404.html    Veröffentlicht: 08.07.2019 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/142404

Dr. Mario World im Test

Spielspaß für Privatpatienten

Schlimm süchtig machendes Gameplay, zuckersüße Grafik im typischen Nintendo-Stil und wunderbare Dudelmusik: Der Kampf von Dr. Mario World gegen böse Viren ist ein Mobile Game vom Feinsten - allerdings nur für Spieler mit gesunden Nerven oder tiefen Taschen.

Schrecklich - alles ist voller Viren. Rote, blaue und grüne, manchmal gelbe. Zum Glück gibt es Dr. Mario, der mit der gezielten Gabe von farbigen Pillen die Gefahr in wenigen Minuten zurückdrängt. Das klappt so einfach natürlich nur in einem Computerspiel, im konkreten Fall in Dr. Mario World. Das Mobile Game von Nintendo basiert auf einem Klassiker, dessen erste Fassung im Jahr 1990 erschien. Wichtigster Unterschied der Neuauflage: Die Pillen fallen nicht von oben nach unten, sondern werden von einer Flüssigkeit nach oben getragen.

Um Viren zu eliminieren, müssen wir eine horizontale oder vertikale Reihe aus drei Schädlings- oder Pillenblöcken bilden. Das klingt ein wenig nach Tetris, spielt sich aber anders. Ein wesentlicher Unterschied: In den meisten Levels haben wir keinen Zeitdruck, sondern können in Ruhe überlegen, wo und wie die am Bildschirmrand sichtbaren nächsten zwei Pillen am besten passen, um die Keime möglichst effektiv zu bekämpfen. Ein weiterer Unterschied, der vor allem in den späteren Levels wichtig wird: Wir können die Pillen auch hinter Mäuerchen ziehen - das ist nicht unbedingt logisch, funktioniert dank der erstklassigen Steuerung aber auch auf kleinen Displays sehr gut.

Dieses grundlegende Spielprinzip wird in Dr. Mario World mit einer Reihe von Extras immer mal wieder aufgelockert: So gibt es Bonuslevels mit Zeitdruck, oder die Viren marschieren wie in Tetris eben doch auf den Bildschirmrand zu und dürfen diesen nicht erreichen. Die Entwickler haben sich einige hübsche Sachen einfallen lassen, zum Glück wird das grundlegende Gameplay aber nicht zu oft abgewandelt.

Für Abwechslung sorgen noch eine Reihe weiterer Besonderheiten. Beispielsweise können wir nicht nur mit Mario als Arzt, sondern auch mit Prinzessin Peach oder Bowser antreten. Jede der Figuren hat eine andere Spezialfähigkeit - Mario etwa kann gelegentlich eine horizontale Linie von Viren mit einem Streich auslöschen, Peach kann das mit einer vertikalen Reihe.

Dazu kommen noch zuschaltbare Assistenten, die quasi für Buffs stehen. Gumba erhöht die Punktzahl um ein Prozent, Blooper hingegen gewährt eine Chance von 10 Prozent, dass die Pillen bei Levelstart dieselbe Farbe wie Viren haben, was eine durchaus spürbare Hilfe ist. Diese Extras werden nach und nach freigeschaltet. Der Kampf zwischen Pillen und Viren tobt in fünf Welten, von denen jede aus zwei Gebieten mit je 20 Levels besteht - insgesamt gibt es also 200 Hauptlevels; der Wiederspielwert ist sehr hoch.

Was allerdings auch hoch ist, sind unter Umständen die Kosten. Grundsätzlich ist Dr. Mario World zwar auch ohne Krankenschein als kostenloser Download erhältlich. Nach einiger Zeit geht die Konsultation allerdings ins Geld. Vor allem zwei Elemente kommen Privatzahlern entgegen: Pro Spielerunde wird eines von maximal fünf Herzen verbraucht, Ersatz gibt es nur bei erfolgreicher Bekämpfung der Viren sowie als Präsent von Freunden. Wer fünfmal eine Niederlage einsteckt, muss also entweder hoffen, dass ihm ein Kumpel ein neues Herz schickt, eine halbe Stunde warten, bis ihm das Programm ein neues schenkt - oder zahlen.

Eine genaue Angabe der Kosten ist wegen der Zusatzwährung Diamanten und vielen Rabatten und Spezialangeboten etwas schwierig, aber umgerechnet sind für ein Herz - also eine einmalige Spielverlängerung - bis zu 50 Cent fällig. Die Diamanten sind noch für eine Reihe weiterer Funktionen nötig, etwa für den Austausch der jeweiligen Hauptfigur und für Spezialangriffe auf die Viren sowie für neue Pillen, falls die für jedes Level vorgesehene Dosis nicht ausreicht - Dr. Mario World wird Pay-to-Win bieten, also spürbare Vorteile für zahlungswillige Spieler.

Die treten entweder allein in der Kampagne an, in der sie die Levels in vorgegebener Reihenfolge absolvieren. Alternativ gibt es Versus, in dem man gegen Bekannte aus der Freundesliste antritt. In diesem Multiplayermodus lässt sich durch das Bekämpfen von Viren ein Angriffs-O-Meter aufbauen. Sobald das aufgeladen ist, bekommt der Opponent ein paar zusätzlich nach unten wandernde Viren auf sein Spielfeld gebeamt. Komplex wird Versus auch dadurch, dass die Doktoren (also die Spielfiguren) unterschiedliche Angriffs- und Verteidigungswerte haben, zwischen denen man sich entscheiden muss.

Dr. Mario World ist für Smartphones und Tablets mit iOS (ab 11.0) und Android (Version variiert je nach Gerät) erhältlich. Das Spiel ist vollständig übersetzt, englische Sprachausgabe gibt es nur an einer Stelle, nämlich als eine Art Startsignal vor jedem Level. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 0 Jahre erteilt.

Fazit

Dr. Mario World ist ein nahezu makellos gemachtes Mobile Games. Die Steuerung funktioniert super, die Grafik bietet die perfekte Mischung aus Übersicht und putzigen Details, der Soundtrack geht ins Ohr und verlässt es nicht wieder so schnell. Allerdings: Übertrieben nach Mario fühlt sich der Kampf gegen die Viren nicht an. Man müsste nur ein paar wenige Elemente austauschen, und könnte das gleiche Spiel mit Superhelden, Gummibärchen oder Figuren aus Warcraft vermarkten.

Vor allem aber sollten sich Spieler auf eine relativ harte Monetarisierung einstellen. Der Anfang ist tatsächlich kostenlos, danach ist entweder Geduld oder Geld gefragt. Insbesondere das Warten auf neue Herzchen zum Starten einer Runde verlangt Nerven, zumal der Schwierigkeitsgrad an Stellen wie dem Wechsel in ein neues Gebiet plötzlich extrem anzieht. Für uns fühlt sich das nicht sehr fair an.

 (ps)


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