Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mimo-antennenarray-netzbetreiber-brauchen-bessere-antennen-1907-142397.html    Veröffentlicht: 08.07.2019 11:57    Kurz-URL: https://glm.io/142397

MIMO Antennenarray

Netzbetreiber brauchen bessere Antennen

Ein besseres Mobilfunknetz wäre auch ohne weitere Frequenzen und eine Digitale Dividende III möglich. Doch die Antennentechnik ist kostspielig, nicht nur im Aufbau.

Um eine bessere Leistung zu bieten, könnten Mobilfunkbetreiber MIMO-Antennenarrays einsetzen. Das sagte Professor Georg Fischer vom Lehrstuhl für Technische Elektronik an der Uni Erlangen-Nürnberg, früher bei Bell-Labs Europe beschäftigt, im Gespräch mit der Initiative SOS - Save Our Spectrum. "Man nutzt ein MIMO-Antennenarray, damit kann man mehr Kapazität bereitstellen, ohne mehr Frequenzen zu benötigen. Das geht dann nicht auf Kosten der Kultur. Eigentlich eine schöne technische Lösung, aber die Netzbetreiber wollen das nicht unbedingt."

Der Grund sei, dass die Kosten für MIMO-Antennen schlecht mit der Kapazität skalierten. "Wenn ich statt bisher 2 Antennenelementen 64 nehme, habe ich 32-mal mehr Antennen. Ich bekomme aber vielleicht nur dreimal mehr Kapazität. Damit ist der ROI (Return on Invest) schlecht. Das bedeutet ja: Für 32-mal mehr Kosten bekomme ich gerade dreimal mal mehr Kapazität."

Das müsse man vergleichen mit dem ROI durch die Ersteigerung weiterer Frequenzen und den Kosten für die darauf folgende Aufrüstung existierender Standorte. Auf diese Weise kämen die Netzbetreiber letztlich kostengünstiger heraus, insbesondere, wenn es eben niedrigere Frequenzen seien.

Neue Basisstandorte seien schwierig zu bekommen und kosteten viel Geld, "nicht nur im Sinne der Einmal-Installationskosten, sondern auch permanent, da die Basisstationsstandorte über gemietete Leitungen an die zentralen Netzelemente angebunden werden müssen. Es müssen auch mehr Basisstationen verwaltet werden. Niedrigere Frequenzen haben demgegenüber den Vorteil, dass keine neuen Standorte und neuen Mietleitungen benötigt werden".

Es sei viel attraktiver, sich in Richtung niedrigerer, als in Richtung höherer Frequenz weiterzuentwickeln. Bei höheren Frequenzen werde der Zellradius kleiner, was zusätzliche Basisstationsstandorte zwischen existierenden Standorten erforderlich machen könnte.

Der Frequenzbereich von DVB-T2 liegt im Bereich von 470 MHz bis 690 MHz. Auch die Kulturfrequenzen oder Programme Making and Special Events (PMSE) liegen bei 470 bis 694 MHz. Hier fordert die Mobilfunkbranche eine Vergabe, das Digitale Dividende III genannt wird.  (asa)


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