Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/tencent-chinesische-publisher-schlagen-eigene-altersfreigaben-vor-1907-142395.html    Veröffentlicht: 08.07.2019 11:15    Kurz-URL: https://glm.io/142395

Tencent

Chinesische Publisher schlagen eigene Altersfreigaben vor

In China gehen die Diskussionen um Jugendschutz weiter: Über zehn Publisher, darunter Konzerne wie Tencent und Netease, haben in einer regierungsnahen Zeitung ein Altersfreigabesystem vorgestellt.

Mehr als zehn der wichtigsten Spielepublisher in China haben in der Onlineausgabe der regierungsnahen Zeitung People's Daily ihren Vorschlag für ein neues Altersfreigabesystem vorgestellt. Firmen wie Tencent (Honour of Kings), Netease (Rules of Survival) und Perfect World (Star Trek Online) hätten gerne, dass es vier Stufen gibt: Ähnlich wie in Deutschland soll es Freigaben ab 6, 12, 16 und 18 Jahren geben. Spieler unter 6 Jahren sollen in China nicht ohne Aufsicht spielen.

Im Unterschied zu vergleichbaren Systemen in vielen westlichen Ländern sollen neben dem Inhalt auch die Mikrotransaktionen entscheidend dafür sein, welche Altersfreigabe ein Titel erhält. Bei der deutschen Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) spielt das gar keine Rolle, hier kommt es primär auf die Art und Weise von Gewaltdarstellungen an.

Der Vorschlag für die neuen Altersfreigaben soll demnächst laut einem Bericht von Bloomberg mit Wissenschaftlern, Spieleexperten und Pressevertretern diskutiert werden. Eine entscheide Frage ist aber unklar, nämlich wie das System mit den staatlichen Vorgaben verzahnt und entsprechend durchgesetzt werden soll.

Die Behörden selbst haben erst Anfang April 2019 neue Regeln für Freigaben eingeführt. Sie betreffen unter anderem Verschärfungen in den Bereichen Gewalt und Glücksspielelemente sowie den Blick auf China und seine Geschichte.

In China gehört Spielen auf dem Smartphone viel stärker als im Westen zum Alltag. Der Staat versucht seit einigen Monaten, das Gaming zurückzudrängen - insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. 2018 gab es einen mehrmonatigen Stopp bei der Freigabe neuer Mobile Games, der Rückstau ist immer noch nicht abgearbeitet. Bei Spielen mit Freigaben werden die Vorgaben streng durchgesetzt. Spielzeitsperren etwa lassen sich nicht ohne Weiteres umgehen, weil bei der Anlage neuer Nutzerkonten die Angabe der Ausweisnummer vorgeschrieben ist.

Der chinesische Spielemarkt gilt als der zweitgrößte der Welt. Insgesamt sollen 2018 mit Games 30 Milliarden US-Dollar an Umsätzen erzielt worden sein, nur in den USA waren es mit 43 Milliarden US-Dollar noch mehr. In Deutschland setzte die Branche im Jahr 2018 rund 4,37 Milliarden Euro um.  (ps)


Verwandte Artikel:
Spielebranche: Auch buntes Spieleblut ist in China künftig verboten   
(23.04.2019, https://glm.io/140812 )
Total War: China verhilft Three Kingdoms zu Verkaufserfolg   
(27.05.2019, https://glm.io/141532 )
Internetzensur: China sperrt weitere deutsche Medien aus   
(06.07.2019, https://glm.io/142379 )
Indiegames: "Lieber Schwarzkopie als Key-Reseller"   
(02.07.2019, https://glm.io/142275 )
Spieleentwicklung: Dorothee Bär will Spieleförderung für 2020 noch retten   
(05.07.2019, https://glm.io/142364 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/