Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/internetzensur-china-sperrt-immer-mehr-deutsche-medien-aus-1907-142379.html    Veröffentlicht: 06.07.2019 13:10    Kurz-URL: https://glm.io/142379

Internetzensur

China sperrt weitere deutsche Medien aus

Die chinesische Internetzensur wird derzeit auf immer mehr deutsche Medien ausgedehnt. Hintergrund sind offenbar die politischen Spannungen in Hongkong.

Mehrere deutsche Medien sind derzeit über das Internet von China aus nicht erreichbar. Seit dieser Woche werde auch das Online-Angebot der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) blockiert, berichtete das Blatt am 6. Juli 2019. Wer die Webseite Faz.net über Computer oder Smartphone aufrufe, erhalte eine Fehlermeldung. Die Seite Greatfire.org, die über die Zensur hinter Chinas "großer Firewall" aufkläre, melde die Blockade ebenso wie die Seite Chinafirewalltest.com, die den Zugang auf Servern in fünf verschiedenen chinesischen Provinzen testet.

Diesem Test zufolge sind auch Spiegel Online oder Sueddeutsche.de nicht mehr in China erreichbar. Am 26. Juni 2019 hatte schon Tagesschau.de berichtet, von Chinas Internetzensur betroffen zu sein. Auch das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) werde neuerdings blockiert. Englischsprachige Medien wie die britische BBC oder die New York Times sind bereits seit Jahren von der Zensur betroffen. Auch soziale Medien wie Facebook, Twitter oder Youtube sowie die Suchmaschine Google sind nicht verfügbar.

Hintergrund der aktuellen Sperren könnten den Medien zufolge die Berichte über die Spannungen in der früheren britischen Kronkolonie Hongkong sein. Zu den Beiträgen, die der chinesischen Regierung nicht gefallen dürften, gehören zudem Berichte über den Umgang mit der Uiguren-Minderheit sowie Artikel anlässlich des 30. Jahrestages des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking.

Der FAZ zufolge hatte Mitte Juni 2019 die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua gemeldet, dass Peking eine bis zum Ende des Jahres laufende "Kampagne" begonnen habe, in der alle Webseiten bestraft werden sollten, die "illegale und kriminelle Handlungen" begingen oder es versäumt hätten, ihre "Verpflichtungen" zu erfüllen. Anfang Juli 2019 hatten Medien berichtet, dass chinesische Grenzposten in der Region Xinjiang die Android-Telefone von Einreisenden mit Hilfe einer App ausspionierten.

Um die chinesische Internetzensur zu umgehen, können Nutzer auf VPN-Anbieter zurückgreifen. Ausländische VPN-Netzwerke, die vor allem zur Zensurumgehung genutzt werden, werden schon heute häufig entweder komplett blockiert oder stark gedrosselt.

 (fg)


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