Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zenfone-6-im-test-asus-ansage-an-die-smartphone-konkurrenz-1907-142272.html    Veröffentlicht: 03.07.2019 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/142272

Zenfone 6 im Test

Asus' Ansage an die Smartphone-Konkurrenz

Bei seinem neuen Zenfone 6 umgeht Asus eine Display-Notch mit Hilfe der sogenannten Flip Camera: Die Hauptkamera schwenkt auf Knopfdruck nach vorne. Aber auch abseits dieses Gimmicks bietet das Smartphone eine Menge Leistung für verhältnismäßig wenig Geld.

Mit dem Zenfone 6 hat Asus ein neues Oberklasse-Smartphone vorgestellt, das mit Preisen ab 500 Euro wesentlich günstiger als vergleichbare Konkurrenzgeräte ist. Hervorstechendes Merkmal des Gerätes ist die schwenkbare Hauptkamera, die als Frontkamera verwendet werden kann. Dadurch kann das 6,41 Zoll große Display mit schmalem Rahmen und vor allem ohne Notch verbaut werden.

Im Test von Golem.de zeigt das Zenfone, dass es mehr zu bieten hat als das Kamera-Gimmick: Mit seinem Snapdragon-855-SoC, einem guten Display, hochwertiger Verarbeitung und Details wie einer programmierbaren Zusatztaste bietet das Smartphone eine Menge für relativ wenig Geld - und ist ein Geheimtipp unter den Topgeräten. Die Kamera kann allerdings nicht ganz mit der Oberklassekonkurrenz mithalten.

Schwenkbare Kamera wirkt stabil

Dass das Zenfone 6 eine schwenkbare Kamera hat, fällt beim ersten Betrachten des Smartphones kaum auf: Die Dualkamera ist in einem Modul untergebracht, das sich von der Glasrückseite durch seine Metallstruktur etwas, aber nicht zu stark abhebt. Das Kameramodul besteht aus einem Standardobjektiv mit 48-Megapixel-Sensor (Sony IMX586) und einem Ultraweitwinkelobjektiv mit einem 13-Megapixel-Sensor; auf ein Teleobjektiv verzichtet Asus.

Das Kameramodul lässt sich einfach über die Kamera-App des Zenfone 6 bedienen. Um ein Selbstporträt aufzunehmen, müssen wir wie bei anderen Smartphones einfach den Kamerawechselknopf drücken; dann schwenkt die Hauptkamera nach vorne und steht für Aufnahmen bereit. Interessanterweise benötigt das Zenfone 6 weniger Zeit für das Umschalten als beispielsweise Googles Pixel 3 XL, obwohl dieses keine mechanische Operation ausführen muss.

Der Schwenkmechanismus wirkt auf uns recht stabil, im zusammengeklappten Zustand klappert das Modul allerdings ein wenig. Drücken wir stärker gegen die aufgeklappte Kamera, gibt diese irgendwann nach; dabei haben wir aber nicht das Gefühl, etwas zu beschädigen.

Anschließend können wir die Kamera wie gewohnt ein- und wieder ausklappen. Das Zenfone 6 hat auch eine Fall-Erkennung, die die Kamera zuverlässig und schnell einklappt, wenn das Smartphone herunterfällt - wie wir mehrere Male ausprobiert haben.

Das Kameramodul lässt sich nicht nur komplett ausklappen, sondern auch stufenweise. Dann lässt sich die Kamera als schwenkbare Hauptkamera verwenden. Das klingt zunächst erst einmal spannend, in der Realität dürfte die Funktion aber nur in den seltensten Fällen wirklich sinnvoll sein. Natürlich können wir beim Fotografieren die Kamera automatisch auf unseren Blickwinkel ausrichten, ohne das Gerät bewegen zu müssen - in den meisten Situationen ist es aber schlichtweg praktischer und vor allem schneller, wenn wir das Smartphone wie gehabt auf unser Motiv ausrichten.

Schwenkkamera hilft bei Panorama-Aufnahmen

Für Schwenks bei Videoaufnahmen eignet sich das automatische Kameramodul leider auch nicht: Zum einen verläuft der Schwenk zu schnell, zum anderen ist ein deutliches Motorengeräusch zu hören. Das schnelle Schwenken ist zum Einstellen des Betrachtungswinkels praktisch, bei Videoaufnahmen allerdings unbrauchbar. Ganz anders ist das bei Panoramafotos: Ist der entsprechende Modus aktiviert, müssen wir - im Gegensatz zu anderen Smartphones - das Gerät nicht selbst bewegen. Stattdessen wird das Kameramodul automatisch geschwenkt und nimmt ein Panorama auf.

Zu guter Letzt sorgt das schwenkbare Kameramodul dafür, dass der Bildschirm die Vorderseite fast komplett ausfüllt und nicht von einer Notch oder einem Loch im Display unterbrochen wird. Wie beim Oneplus 7 Pro genießen wir den ungestörten Blick auf die Display-Inhalte; sollten wir die Frontkamera doch einmal benötigen, ist sie schnell ausgefahren und einsatzbereit.

Das Zenfone 6 kann von der Bildqualität nicht mit anderen Smartphones im Oberklassebereich mithalten. Vergleichen wir Tageslichtaufnahmen mit dem Pixel 3 XL, dem Oneplus 7 Pro (das bei der Hauptkamera den gleichen Bildsensor hat) und dem P30 Pro von Huawei, so zieht das Asus-Smartphone in jedem Vergleich den Kürzeren.

Die Bildqualität ist insgesamt zwar ausreichend gut, in puncto Schärfe liegen die Vergleichsgeräte jedoch vor dem Zenfone 6. Der 48-Megapixel-Modus verbessert die Detailschärfe zwar etwas, führt in Bildbereichen mit feinen Mustern aber zu Farbstörungen. Vergleichen wir das hochauflösende Bild mit einem 40-Megapixel-Bild des P30 Pro, so liegt das Huawei-Smartphone klar vorne.

Das Superweitwinkelobjektiv erweitert das Gestaltungsspektrum der Kamera um eine weite Perspektive. Der Sensor der zweiten Kamera schafft es jedoch nicht so gut wie der Hauptsensor, helle und dunkle Bereiche ausgleichend zu belichten - die hellen Stellen sind häufig zu stark belichtet und reißen etwas aus.

Nachtmodus momentan kaum brauchbar

Der Nachtmodus des Zenfone 6 bedarf noch einiger Optimierungen seitens Asus: Er schafft es nicht, in unserer dunklen Kammer ein brauchbares Bild zu produzieren. Zwar hat auch das Oneplus 7 Pro mit demselben Sensor seine Schwierigkeiten und schafft es nicht, ein mit dem P30 Pro vergleichbares Bild aufzunehmen; das Zenfone 6 schneidet allerdings noch einmal schlechter ab.

Für Aufnahmen von Personen verfügt das Zenfone 6 über einen Porträtmodus, der den Hintergrund unscharf maskiert. Dank der zwei Objektive kann das Smartphone den Vordergrund gut vom Hintergrund trennen, wir konnten bei unseren Aufnahmen keine großen Fehler erkennen. Die Stärke der Hintergrundunschärfe lässt sich live im Sucher einstellen.

Insgesamt ist die Kamera des Zenfone 6 nicht auf der Höhe der aktuellen Top-Konkurrenz, die allerdings stellenweise auch weitaus teurer ist. Der Sensor der Hauptkamera ist Sonys IMX586, also kein schlechter Chip; es bleibt daher zu hoffen, dass Asus mit einem Update noch mehr Qualität aus der Kamera herausholen kann. Aktuell stellt die Bildqualität die Schwachstelle des Zenfone 6 dar.

Display ohne störende Notch

Das Display des Zenfone 6 ist 6,41 Zoll groß. Anders als viele Konkurrenten verbaut Asus kein OLED-Panel, stattdessen handelt es sich um einen IPS-Bildschirm. Das Display ist etwas weniger blickwinkelstabil als das des Oneplus 7 Pro: Die Helligkeit nimmt etwas ab, wenn wir das Smartphone seitlich ankippen. Insgesamt liegt der Helligkeitsverlust aber noch im akzeptablen Rahmen.

Farben stellt das Display des Zenfone 6 verhältnismäßig kräftig dar, was am voreingestellten breiten Farbraum liegt. Stellen wir die Farbwiedergabe auf "Standard" um, wirken Bildschirminhalte etwas weniger kräftig. Zusätzlich zu den beiden Voreinstellungen können wir die Farbe und die Sättigung auch in einem manuellen Modus komplett selbst anpassen. In jedem Modus lässt sich zudem immer die Farbtemperatur regulieren. Insgesamt machen das Display des Zenfone 6 und dessen Einstellungsmöglichkeiten einen guten Eindruck auf uns, besonders angesichts des Preises des Smartphones.

Im Inneren des Zenfone 6 arbeitet Qualcomms aktuelles Top-SoC Snapdragon 855. In den Benchmarks liefert das Smartphone erwartbar gute Werte ab: Die 3.476 Punkte im Single-Test des Geekbench-Benchmarks liegen auf dem gleichen Level, das auch das Oneplus 7 Pro mit dem gleichen Prozessor erreicht. Das Zenfone 6 hat noch den sogenannten AI-Boost, einen Modus, der Spiele beschleunigen soll. Uns wird er auch beim Start der Geekbench-App angeboten, am Ergebnis ändert der Modus allerdings nichts. Bei einem SoC wie dem Snapdragon 855 ist es auch fraglich, inwiefern ein solcher Spezialmodus überhaupt notwendig ist.

Unser Testgerät hat 6 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher, es handelt sich also um die mittlere der drei Versionen. Zudem ist noch ein Modell mit 6 GByte RAM und 64 GByte Flash-Speicher erhältlich, sowie eine Version mit 8 GByte RAM und 256 GByte Flash-Speicher. Die 6 GByte Arbeitsspeicher in unserem Gerät sorgen zusammen mit dem SoC für eine flüssig laufende Benutzeroberfläche, Apps starten schnell und problemlos. Hilfreich dürfte auch sein, dass Asus bei seinem neuen Gerät auf unnötigen Schnickschnack bei der Benutzeroberfläche verzichtet: Bis auf zwei kleine Asus-Hilfs-Apps befinden sich auf dem Smartphone nach der Ersteinrichtung nur Standard-Anwendungen und die Google-Apps. Auch am System selbst hat Asus nicht viel verändert, die Benutzeroberfläche fühlt sich erst einmal nach Standard-Android in der Version 9 an.

Einige spezielle Funktionen hat Asus aber installiert, manche sind hilfreich, manche weniger. Praktisch finden wir beispielsweise, dass der Regler für die Bildschirmhelligkeit direkt beim Herunterziehen der Benachrichtigungsleiste sichtbar ist. Den Mobile Manager hingegen, ein Speicherbereinigungswerkzeug, benötigen Nutzer eher nicht. Inwieweit der AI-Boost-Modus wirklich etwas bringt, finden wir ebenfalls fraglich. Optiflex soll den App-Start beschleunigen und "Leistung im Standby" sparen. Für uns klingt das, als würden Apps im Hintergrund beendet werden, was tendenziell bei Messenger-Apps ein Problem ist. Die Funktion lässt sich aber konfigurieren oder auch komplett abstellen.

Oberfläche reagiert schnell und zuverlässig

Insgesamt betrachtet bietet das Zenfone 6 eine gute, flinke Benutzeroberfläche, die mit etwas, aber nicht zu viel Schnickschnack auskommt. Der Google-nahe Look gefällt uns gut, die wenigen Erweiterungen stören uns nicht.

Gut verarbeitetes Gehäuse

Das Gehäuse des Zenfone 6 hat einen Metallrahmen, die Rückseite ist aus Glas, das sich für uns zunächst wie Kunststoff angefühlt hat. Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, das Zenfone 6 fühlt sich hochwertig an. Lediglich den hellblauen Schriftzug mit reichlich Kleingedrucktem auf der Rückseite finden wir stilistisch etwas fragwürdig.

Ebenfalls auf der Rückseite ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut, auf einen Sensor unter dem Display-Glas verzichtet Asus. Die Entsperrung mit dem Fingerabdruck erfolgt sehr schnell und zuverlässig, schneller als die Entsperrung mit einem Gesichtsscan. Das ist verständlich, muss das Smartphone dafür doch zunächst die Kamera umschwenken. Im Endeffekt erfolgt die Gesichtsentsperrung aber auch zügiger, als wir vorher gedacht hätten; im Alltag finden wir von den biometrischen Entsperrmöglichkeiten den Fingerabdruck aber praktischer.

Audiosignale gibt das Smartphone über einen Hauptlautsprecher im unteren Rahmen sowie den kleinen Ohrlautsprecher aus. Der Fokus liegt allerdings auf dem unteren Lautsprecher, der obere gibt nur einige der Höhen wieder und erzeugt einen leichten Stereoklang. Er ist aber nicht gut wie etwa der des Pixel 3 XL, das wesentlich besser klingende Stereolautsprecher hat.

An der rechten Seite hat das Smartphone neben dem Einschalter und der Lautstärkewippe einen weiteren Knopf. Dieser ist von Hause aus mit dem Google Assistant belegt, den wir über einen Druck direkt aufrufen können. Ein doppelter Druck öffnet den Übersichtsbildschirm des Sprachassistenten. In den Einstellungen des Zenfone 6 können wir den Knopf aber auch mit anderen Funktionen belegen. Praktisch finden wir beispielsweise den Wechsel zwischen den verschiedenen Lautstärkemodi oder die Aktivierung der Taschenlampe.

Das Zenfone 6 unterstützt LTE mit bis zu 150 Mbps im Upload und bis zu 1.000 Mbps im Download sowie WLAN nach 802.11ac. Bluetooth läuft in der Version 5.0, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Im unteren Rahmen hat das Smartphone neben der USB-C-Ladebuchse einen Eingang für Klinkenstecker - ein Feature, das viele Oberklasse-Smartphones heute nicht mehr aufweisen können.

Gute Akkulaufzeit

Der Akku des Zenfone 6 hat eine Nennladung von 5.000 mAh und lässt sich dank Quickcharge 4.0 schnellladen. Drahtloses Laden unterstützt das Smartphone nicht, was wir angesichts des Preises aber für verschmerzbar halten. Einen Full-HD-Film können wir zwölf Stunden lang anschauen - ein sehr guter Wert.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Zenfone 6 kostet mit 6 GByte RAM und 64 GByte Flash-Speicher in Asus' Onlineshop 500 Euro. Die Version mit 6 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher kostet 560 Euro. Das teuerste Modell hat 8 GByte Arbeitsspeicher und 256 GByte Flash-Speicher und ist für 600 Euro zu haben. Das teuerste Modell ist aktuell auch das einzige, das verfügbar ist; die anderen sind noch nicht auf Lager.

Fazit

Das Zenfone bietet für einen Preis ab 500 Euro eine Menge Hardware: Neue Smartphones mit vergleichbarer Ausstattung finden sich in diesem Preissegment eher selten. Dank des Snapdragon-Prozessors, des guten Displays und auch der guten Netzwerkausstattung lässt das Smartphone nur wenige Wünsche offen.

Ein paar Abstriche im Vergleich mit teureren Geräten müssen Nutzer bei der Kamera machen. Die Tageslichtaufnahmen sind nicht schlecht, aber nicht so scharf wie bei der Konkurrenz. Dafür hat das Zenfone 6 die Schwenkkamera, die bei Selbstporträts keinen zeitlichen Nachteil zu herkömmlichen Frontkameras darstellt.

Ob die Hauptkamera eines Smartphones geschwenkt werden muss oder nicht, bleibt Geschmackssache. Bei Panorama-Aufnahmen ist der automatische Schwenk hingegen eine praktische Sache, für Videoaufnahmen ist der Mechanismus unserer Meinung nach eher nicht geeignet. Fakt ist: Aufgrund der bewegbaren Kamera bleibt die Vorderseite frei von Notch oder Kameraloch, was dazu führt, dass wir Display-Inhalte ohne störende Elemente betrachten können.

Lobenswert ist die Benutzeroberfläche, die Asus dem Zenfone 6 verpasst hat: Das Smartphone kommt mit Android 9 und ohne zu viele herstellerseitige Sperenzchen. Die paar zusätzlichen Funktionen, die das Betriebssystem erhalten hat, stören uns nicht.

Für 500 Euro ist das Zenfone 6 eine Kampfansage an die Konkurrenz, auch dank der Akkulaufzeit. Unser endgültiger Eindruck wäre noch etwas besser, wenn Asus es geschafft hätte, mehr Leistung aus der Kamera herauszuholen. Auch müssen Käufer auf ein drittes Objektiv verzichten. Angesichts des Preises halten wir das Zenfone 6 aber dennoch für all diejenigen eine Überlegung wert, die nicht viel Geld für ein Oberklasse-Smartphone ausgeben wollen.  (tk)


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