Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ueberwachung-bei-airbnb-vom-suchen-und-finden-versteckter-kameras-1906-142168.html    Veröffentlicht: 27.06.2019 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/142168

Überwachung bei Airbnb

Vom Suchen und Finden versteckter Kameras

Heimliche Videoaufnahmen in Airbnb-Wohnungen sind verboten, dennoch entdecken Mieter in ihren Unterkünften immer wieder versteckte Überwachungskameras. Es kann sich also lohnen, gezielt nach solchen Kameras zu suchen. Wir erklären, wie man das am besten macht.

Immer wieder entdecken Mieter von Ferienwohnungen - meist zufällig - versteckte Überwachungskameras in den Räumen. Die widersprechen den Nutzungsbedingungen von Airbnb - und, sofern Aufnahmen angefertigt werden, auch dem geltenden Recht, zumindest in Deutschland. Das Problem betrifft auch nicht nur Airbnb, doch sind gerade hier in letzter Zeit einige Fälle bekanntgeworden. Deswegen kann es sich lohnen, gezielt nach Kameras zu suchen. Golem.de gibt Tipps, wie sie gefunden werden können.

Schon bei der Auswahl der Unterkunft sollte bereits auf Verdächtiges geachtet werden, rät Marcus Lentz, Privatermittler und Geschäftsführer der Detektei Lentz. Vermietet jemand vorzugsweise an junge Frauen? Klingen die Bewertungen gekauft? Auch vor extrem günstigen Angeboten warnt der Privatermittler: "Wird eine Wohnung in Toplage zum Schnäppchenpreis angeboten, dann will das Angebot auch ganz gezielt das Publikum ansprechen, das nach solchen Angeboten sucht. Also zumeist jüngere Leute, die nicht das Budget haben." Und: "Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es meistens nicht wahr."

Mit Augen- oder Millimetermaß

"Beim ersten Betreten sollten Sie sich die Räume sehr sorgfältig anschauen", empfiehlt Lentz. Dabei sollten die Mieter Gegenstände wie Rauchmelder, Wecker, Uhren und Zierrat wirklich genau betrachten und auch in die Hand nehmen. Kameras seien zwar mittlerweile klein, aber so klein, dass sie nicht mit bloßem Auge zu erkennen wären, seien sie nicht, erklärt Lentz. Besonderes Misstrauen sei im Wohnbereich, im Bereich des Fernsehers, des Schlafzimmers und im Badezimmer angebracht. Vor allem in Bereichen also, in denen man sich aus- und umzieht.

Im Badezimmer lohne sich der Blick hinter den Spiegel, auf die Lampen und Uhren. Neben den genannten Orten können Kameras auch in Bücherrücken, Radios, Bildern und Bilderrahmen zu finden sein. Steckdosen seien ebenfalls ein beliebtes Versteck, die Kamera würde dann in die Löcher für die Steckerstifte eingebaut. Vor allem höhergelegene Steckdosen, die einen Blick in den Raum erlauben, sollten untersucht werden.

Grundsätzlich lohne es sich, darauf zu achten, was nicht in den Raum passt oder sich an einer seltsamen Stelle befindet. Der Detektiv rät: "Legen Sie sich auf das Bett und drehen Sie Ihren Kopf nach links und nach rechts. Stört da etwas Ihren Blick? Etwas, was an dieser Stelle eigentlich keinen Sinn ergibt, wie ein Blumenarrangement ganz oben an der Decke oder eine Uhr, die eigentlich nur vom Bett aus zu sehen ist?" Hier kann dann gezielt nach versteckten Kameras gesucht werden.

Die genannten Klassiker gibt es bereits für kleines Geld zu kaufen, weiß Lentz. Sie werden daher immer wieder gerne genutzt. Etwa bei einem Airbnb in Toronto: Ende vergangenen Jahres entdeckte ein schottisches Pärchen dort eine in einem Wecker versteckte Kamera.

Noch ausgeklügeltere Verstecke

Noch perfider sind Kameras in WLAN-Lichtschaltern oder Garagentoröffnern. Diese seien voll funktionsfähig, erstellten aber auch heimliche Aufnahmen, sagt Marcus Lentz. Er berichtet außerdem von Kameras in Glühbirnen oder Leuchtstoffröhren. Diese seien zwar auf dem europäischen Markt nicht frei verkäuflich, im Internet könne man sie aber dennoch finden. Die Technik komme auch im privaten Umfeld zum Einsatz. Ihm sei ein Fall bekannt, sagt der Detektiv, bei dem ein Familienvater den Babysitter mit einer Glühbirnenkamera überwacht habe. Solche Überwachungshardware ist allerdings in einem anderen Preissegment angesiedelt. "Das ist dann schon High-End-Technik, die zwischen 600 und 700 Euro kostet", berichtet Lentz. Auch hier könne die Kamera entdeckt werden - bei genauer Betrachtung des Leuchtmittels.

Erst im Mai wunderte sich eine Frau, die im Bereich IT-Security tätig ist, über mehrere Bewegungssensoren in einer über Airbnb gemieteten Wohnung. Sie ging auf die Suche nach versteckten Kameras, wurde aber an den klassischen Orten wie Rauchmelder oder Fernseher nicht fündig. Dann entdeckte sie eine merkwürdige LED am Router im Schlafzimmer. Ein Airbnb-Superhost hatte neben den üblichen LEDs für die LAN-Anschlüsse ein Loch gebohrt und eine Kamera in den Router eingebaut.

Doch auch Hotels sind keine Lösung: In Südkorea wurden über mehrere Monate 1.600 Hotelgäste in 30 verschiedenen Hotels heimlich gefilmt. Die Kameras waren unter anderem in Fönen und Steckdosenabdeckungen versteckt. Die Aufnahmen sollen die Verdächtigen im Internet verkauft haben.

Mieter können die Linse der versteckten Kameras aber nicht nur mit bloßem Auge, sondern auch mit technischen Mitteln aufspüren.

Ein Laser gegen Kameras

So können beispielsweise sogenannte Linsenfinder eingesetzt werden. "Diese senden einen feinen, roten Laserstrahl aus, der am Ende etwas breiter gefächert ist. Trifft der Laserstrahl auf eine Kameralinse, wirft diese den Strahl zurück und leuchtet hell rot auf. Damit können Sie eine Linse, egal wie groß oder klein, zweifelsfrei erkennen", erklärt Lentz. Vergleichbare Geräte gebe es auch mit Infrarotstrahlung, Laser seien jedoch präziser, lieferten weniger Fehler und funktionierten auch über größere Distanzen.

Mit dem Linsenfinder könne man den Raum Zentimeter für Zentimeter ableuchten, dabei müsse der Laserstrahl wirklich direkt in die Linse treffen. "Gute Linsenfinder kosten zwischen 400 und 600 Euro"m sagt Lentz. Die Anschaffung eines Linsenfinders lohne sich nur für Personen, die regelmäßig von Angeboten wie Airbnb Gebrauch machten, sagt der Privatermittler. Von billigen Geräten aus dem Internet rät er ab. Auch von Tipps aus dem Internet, die Mietern raten, mit dem Licht ihres Smartphones auf Kamerasuche zu gehen, hält er nichts.

WLAN scannen und Kameras finden

Wer heutzutage eine Wohnung mietet, bekommt meist auch das WLAN-Passwort. Das galt auch für den Informatiker Andrew Baker, der Anfang des Jahres mit seiner Familie eine Wohnung über Airbnb in Schottland gemietet hatte. Routinemäßig führte er einen Netzwerkscan im geteilten WLAN durch. Die App Network Scanner - First Row, einer unter vielen Netzwerkscannern für Android, listete ihm die Geräte im Netzwerk mitsamt lokaler IP-Adresse und Herstellername auf. Bei dem Hersteller Ipcamera wurde er stutzig.

Auch wenn so eine Kamera entdeckt wird, bleibt der Standort erst einmal unklar. Sie kann sich auch draußen oder in einer anderen Wohnung befinden. Über einen Portscan lassen sich meist weitere Informationen herausfinden: Benutzt das Gerät typische Streamingports oder kann über die klassischen HTTP-Ports auf das Gerät zugegriffen werden?

In Bakers Fall war es besonders einfach: Über die IP-Adresse ließ sich auf den Livestream der Kamera zugreifen - einen Passwortschutz gab es nicht. Die Kamera war in einem Rauchmelder neben dem Bett der gemieteten Airbnb-Wohnung versteckt. "Es war ein Schock, ein schreckliches Gefühl", sagte seine Frau Nealie Baker dem Fernsehsender CNN. "Airbnb schien die Ernsthaftigkeit der Situation nicht zu begreifen, sie behandelten uns wie eine normale Stornierung." Erst nach 33 Tagen habe Airbnb die Wohnung dauerhaft entfernt, berichtet Baker auf Facebook. In dieser Zeit hätten weitere Gäste die Wohnung gemietet, ohne dass sie einen Hinweis auf die versteckte Überwachungskamera erhalten hätten.

Insofern "haben wir Glück gehabt - wenn man das so sagen kann -, dass der Airbnb-Host die versteckte Kamera im gleichen Netzwerk betrieb, auf das er auch uns Zugriff gewährt hat", schreibt Baker. Doch auch in lokalen drahtlosen Netzwerken, auf die man keinen Zugriff hat, können Kameras entdeckt werden.

Kameras mit und ohne Funk

Deutlich komplizierter wird es, wenn Funkkameras in einem WLAN gefunden werden sollen, auf das man keinen Zugriff hat. Die Signale von WLAN-Geräten könnten von einem Spektrumanalyzer erfasst und dargestellt werden, sagt Lentz. Mit diesen Geräten lassen sich nicht nur funkende Kameras, sondern auch Wanzen und andere Überwachungstechnik entdecken. Allerdings können derlei Geräte durchaus mit Kosten im fünfstelligen Bereich zu Buche schlagen. Wurde ein verdächtiges Signal mit dem Spektrumanalyzer identifiziert, lasse sich dessen Quelle mit einer Nahfeldsonde suchen und bis auf fünf Zentimeter genau orten, erzählt der Ermittler. Solche Technik sei jedoch nichts mehr für den Privatverbraucher bei Airbnb, zumal mit dieser Technik nur funkende Kameras ausfindig gemacht werden können.

"Erfahrungsgemäß kommen eher Speicherkarten zum Einsatz, denn wenn so etwas über das WLAN gemacht wird - und damit schließt sich der Kreis -, können die Kameras auch leichter von den Gästen entdeckt werden, wenn sie in demselben WLAN sind"m erklärt Lentz. Zudem benötige WLAN unglaublich viel Strom.

Etwa die Hälfte der von Lentz' Detektei entdeckten heimlichen Videoüberwachungskameras wurden mit einem Akku betrieben. Für Rauchmelder gebe es mittlerweile Kameras mit Akkus, die 70 bis 80 Betriebsstunden schaffen. Die andere Hälfte sei direkt an das Stromnetz angeschlossen gewesen, berichtet der Detektiv.

Kameras abkleben, aber nicht ausbauen

Wird eine Kamera gefunden, sollte sie allerdings keinesfalls ausgebaut werden. "Das könnte Ihnen als Diebstahl ausgelegt werden", erklärt Lentz. "Nur weil da eine Kamera ist, heißt das ja nicht, dass sie auch benutzt wird. Streng genommen können Sie eigentlich nur die Kamera abkleben und das Vermittlungsportal informieren - oder sofort gehen. Aber die Kamera auszubauen, das könnte rechtliche Probleme nach sich ziehen."

Laut den Geschäftsbedingungen von Airbnb müssen die Vermieter grundsätzlich auf Überwachungsgeräte hinweisen - auch wenn diese nicht in Betrieb sind. "Außerdem sind Überwachungskameras und andere Aufnahmegeräte, die sich in bestimmten privaten Bereichen (zum Beispiel in Schlaf- und Badezimmern) befinden oder diese Bereiche überwachen, nicht erlaubt, unabhängig davon, ob auf diese Geräte hingewiesen wurde oder nicht", heißt es von Airbnb.

Grundsätzlich sei es nicht verboten, eine Kamera in seiner Wohnung einzubauen. Es sei jedoch verboten, heimlich Bildaufnahmen zu machen, erklärt Lentz. "Im Falle einer Kamera mit einer SD-Karte kann der Mieter auf dieser nachsehen, ob etwas aufgezeichnet wurde", sagt der Privatermittler. Finde der Mieter Aufnahmen von sich auf der SD-Karte, sollte er die Polizei rufen und Anzeige erstatten, rät Lentz.

Die gute Nachricht ist: Man kann alle Kameras finden. Die schlechte ist: Es ist wahnsinnig aufwendig. Ganz sicher sein, dass es keine Kamera gibt, können sich Mieter allerdings nie. Lentz rät daher: "Aufmerksam die Angebote und die Wohnung studieren und bei einem schlechten Bauchgefühl: Finger weg!"

 (mtr)


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