Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/netzausbau-staedtebund-chef-will-5g-antennen-auf-kindergaerten-1906-142142.html    Veröffentlicht: 25.06.2019 19:10    Kurz-URL: https://glm.io/142142

Netzausbau

Städtebund-Chef will 5G-Antennen auf Kindergärten

Der Deutschen Städte- und Gemeindebund spricht ein Tabuthema an: 5G-Antennen auf Schulen und Kindergärten. Der Mast strahle nicht auf das Gebäude, auf dem er steht.

5G-Masten auf Kindergärten und Schulen "sollten wir nicht grundsätzlich ausschließen", sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes dem Magazin Focus. Nach seinen Erkenntnissen strahle der Mast nicht auf das Gebäude, auf dem er steht. "Wenn das so ist, dann kann er letztlich auch auf dem Dach eines Kindergartens stehen."

Telekom-Sprecher Marcus Jodl erklärte dazu bei Twitter, Landsberg habe recht. Er erwarte aber wütende E-Mails an Landsberg.

Nach dem derzeit bekannten Stand der Wissenschaft ist laut Landsberg die Strahlung der Masten ungefährlich und nicht krebserregend. Dafür müsse man im Kino, bei den Jugendlichen, in den Wirtshäusern werben. Nötig sei eine Kommunikationskampagne, die der Bund organisiert, nicht die Telekommunikationsunternehmen. Dazu habe der Städte- und Gemeindebund einen Vorschlag an die zuständigen Ministerien gemacht.

Der damalige Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, sagte im Jahr 2001 der Berliner Zeitung, die Umgebung von Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser sollte für Sendeanlagen tabu sein.

Direkt unter Sendemasten wird eigentlich wenig Strahlung gemessen. Doch Nebenkeulen der Antennen können bewirken, dass sich schräg unterhalb eines Mastes innerhalb weniger Meter Bereiche mit relativ hoher und schwacher Immission abwechseln. Laut BfS sind UMTS oder LTE beim Verbindungsaufbau aber strahlungsärmer als der GSM-Standard.

Die Schweiz setzt hier auf das Vorsorgeprinzip. Für besonders sensible Bereiche wie Kindergärten und Schulen wurden die Grenzwerte der Strahlenbelastung deutlich gesenkt. Beim Mobilfunk werden hochfrequente elektromagnetische Felder genutzt, um Sprache oder Daten zu übertragen. Das Maß für die Energieaufnahme ist die Spezifische Absorptionsrate (SAR), die in Watt pro Kilogramm (W/kg) gemessen wird.

 (asa)


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