Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/steam-valve-will-ubuntu-unterstuetzung-beenden-1906-142102.html    Veröffentlicht: 24.06.2019 15:19    Kurz-URL: https://glm.io/142102

Steam

Valve will Ubuntu-Unterstützung beenden

Die Steam-Plattform wird offenbar auf künftigen Versionen von Ubuntu nicht mehr durch Valve unterstützt. Der Grund dafür ist wohl das Ende des 32-Bit-Supports. Die Ubuntu-Entwickler entdecken derweil selbst die Probleme ihrer Idee.

Der Valve-Entwickler Pierre-Loup Griffais schreibt auf Twitter, dass "Ubuntu 19.10 und künftige Veröffentlichungen" nicht mehr von der Spieleplattform Steam unterstützt oder zur Nutzung empfohlen werden. Das Team von Valve suche zudem nach Lösungen für bestehende Nutzer und werde sich künftig eben auf andere Distributionen konzentrieren.

Der Grund für diese Ankündigung ist offenbar die Entscheidung des Ubuntu-Teams, ab der kommenden Version 19.10 alias Eoan Ermine keine eigenen Pakete mehr für die 32-Bit-Variante der x86-Architektur anzubieten. Damit fehlen jedoch Steam ebenso wie Wine und anderen sehr viele verschiedene 32-Bit-Laufzeitkomponenten, um vor allem Spiele, aber auch andere 32-Bit-Anwendungen in Ubuntu noch ausführen zu können.

Ubuntu-Team erkennt weitreichende Probleme

In der ursprünglichen Diskussion verweisen die Ubuntu-Entwickler noch darauf, dass viele Anwendungen mittlerweile auch einfach mit der 64-Bit-Variante von Wine ausgeführt werden könnten. Dass dies aber viel zu kurz gedacht ist und das ganze Problem überhaupt nicht erfasst, stellt nun auch das Ubuntu-Team selbst fest.

So hat etwa der langjährige Ubuntu-Entwickler Alan Pope versuchsweise probiert, einige der Spiele aus seiner GOG-Sammlung auf einem Ubuntu ohne die 32-Bit-Pakete mit Hilfe von Wine auszuführen - und scheiterte wie zu erwarten in vielen Fällen. Denn zum Ausführen von 32-Bit-Code braucht es wie erwähnt auch eine Vielzahl von verschiedenen Laufzeitkomponenten.

32-Bit-Code läuft weiter

Zwar verweist der Ubuntu-Entwickler Steve Langasek alias Vorlon darauf, dass 32-Bit-Code natürlich weiterhin problemlos ausgeführt werden kann, was schlicht an der vorhandenen Unterstützung dafür im Linux-Kernel und der Glibc liegt. Und das Team will außerdem dafür sorgen, dass die 32-Bit-Anwendungen inklusive der Spiele auch künftig funktionieren. Diese Ausführungen gehen aber an den von externen Entwicklern geäußerten Problemen vorbei.

Denn bisher empfiehlt das Ubuntu-Team dafür die Nutzung der 32-Bit-Bibliotheken aus der Ubuntu-Version 18.04, die immerhin noch bis 2023 mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Nutzer könnten so einfach bestehende Installationen weiter verwenden oder diese Umgebung in einem Linux-Container oder als Snap-Laufzeit auf künftigen Ubuntu-Versionen nutzen.

Eine Frage der Laufzeit

Das erfordert aber einerseits etwas Mehrarbeit von Nutzern und Entwicklern und hat andererseits den Nachteil, dass die in Ubuntu 18.04 genutzten Bibliotheken keine großen Funktionsupdates mehr erhalten. Und selbst die Treiber-Aktualisierungen im Rahmen des sogenannten Hardware-Enablement-Stacks von Ubuntu werden nicht bis zum Ende des Supportzeitraums im Jahr 2023 durchgeführt.

Für das Wine-Projekt folgt daraus, dass das Team seine Paketabhängigkeiten für neue Versionen einfach selbst in einer 32-Bit-Variante pflegen und vertreiben müsste. Das können und wollen die Wine-Entwickler aber nicht umsetzen. Und selbst für das Unternehmen Valve ist diese Vorgehensweise offenbar zu viel Aufwand.

Für Steam könnte Valve künftig auf das sowieso schon genutzte SteamOS setzen, das auf einer eigens angepassten Variante von Debian basiert. Dieses könnte dann auch vergleichsweise einfach in einem Container in Ubuntu ausgeführt werden, sofern Nutzer das wünschen.

Für die externen Entwickler noch einfacher wäre natürlich, wenn sich das Ubuntu-Team doch noch dazu entschließt, zumindest einen Teil der 32-Bit-Pakete auch für die 64-Bit-Version bereitzustellen. Die kommerziellen Linux-Konkurrenten von Red Hat und Suse etwa setzen dies in den aktuellen Versionen ihrer Enterprise-Distributionen so um.

Nachtrag vom 25. Juni 2019, 9:45 Uhr

Das Ubuntu-Team hat seine Entscheidung inzwischen revidiert.  (sg)


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