Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pokemon-go-mit-harry-potter-wir-machen-handy-jagd-auf-dementoren-in-wizards-unite-1906-142020.html    Veröffentlicht: 20.06.2019 15:08    Kurz-URL: https://glm.io/142020

Pokémon Go mit Harry Potter

Magische Handy-Jagd auf Dementoren

Expelliarmus! Mit Smartphone statt Zauberstab kämpfen wir in der Welt des Harry Potter. Golem.de hat Wizards Unite, hinter dem die Entwickler von Pokémon Go stecken, ausprobiert und zeigt echtes Gameplay im Video. Das Spiel ist mittlerweile auch in Deutschland erhältlich.

Mitten auf der Straße steht ein mindestens zwei Meter großer Ork und grinst uns schief an. Das hat zwar durchaus etwas Sympathisches - aber natürlich greifen wir das Biest trotzdem an! Mit ein paar Wischbewegungen auf dem Display unseres Smartphones führen wir einen Zauber aus, der den Ork regelrecht umwirft. Wir haben gewonnen, und bekommen dafür neben Erfahrungspunkten einen findbaren Gegenstand. Was das ist, erklären wir gleich.

Den Ork haben wir natürlich nur per Smartphone gesehen, nämlich in Harry Potter Wizards Unite. Das am 21. Juni 2019 in den USA erscheinende Spiel trägt auch den Spitznamen Harry Potter Go, weil es wie Pokémon Go vom kalifornischen Entwicklerstudio Niantic programmiert wurde. Außerdem war an dem Projekt die britische Niederlassung von WB Games beteiligt - ein Ableger der Filmfirma Warner Bros., die unter anderem Harry Potter verfilmt hat. Auch deswegen orientiert sich Wizards Unite am Stil der Kinofilme.

Harry, Hermine und andere bekannte Figuren treffen wir relativ schnell. Sie sind als Berater in kleinen Texteinblendungen zu sehen und erklären uns einerseits die wichtigsten Funktionen des Spiels, andererseits sind sie für die Handlung zuständig. Wizards Unite hat nämlich eine Story, die sich allerdings nur extrem langsam entfalten und über mehrere Jahre erstrecken soll.

Den Ausgangspunkt bekommen wir aber schnell mit: In der Welt der Magier hat es ein Desaster gegeben, durch das allerlei magische Wesen und Objekte in die Welt der Muggel gelangt sind. Und eben diese "findbaren Gegenstände" müssen wir nun wieder einsammeln - der Begriff ist wichtig, er taucht ebenso wie "Desaster" im Programm ständig auf und wird mehrfach gründlich erklärt.

Hinweise auf die Hintergründe des Desasters liefert Hermine gleich in den ersten paar Minuten: Sie stellt sich in einer Texteinblendung die Frage, ob sich wohl einige böse Magier für das Chaos zusammengeschlossen haben. Zumindest dieser Spur zufolge war es also nicht Voldemort allein - wenn er überhaupt irgendeine Rolle in Wizards Unite hat. Wir sind ein Magier, der - wie alle Spieler - zur sogenannten "Eingreiftruppe zur Wahrung des Geheimhaltungsstatus" gehört.

Wer Pokémon Go oder Ingress kennt, wird sich in Wizards Unite schnell zurechtfinden. Vor allem die Weltkarte wirkt trotz zahlreicher Potter-Elemente vertraut. Dort suchen wir nach farbigen Symbolen, die für findbare Gegenstände stehen. Die tippen wir an, worauf wir in den Augmented-Reality-Modus wechseln - was leider auch auf unserem schnellen iPhone XR teils nervtötende 30 bis 40 Sekunden gedauert hat.

Wenn die Ladezeit abgeschlossen ist, sehen wir die echte Welt und darin ein paar türkisblaue Punkte, denen wir meist nur wenige Meter folgen müssen. Dann stehen wir vor besagtem Ork, einem feuerspeienden Huhn, einem brennenden Buch, Trollen oder anderen merkwürdigen Gegnern - und wir müssen kämpfen oder mit einem Druck auf die "Verlassen"-Fläche fliehen.

Manchmal stehen wir übrigens auch nicht vor Gegnern, sondern vor entführten Verbündeten, etwa einem geschrumpften und in ein Glas gesperrten Professor Snape; am folgenden Kampf ändert das aber wenig.

In den ersten ein bis drei Stunden sind die Kämpfe relativ einfach. Wir müssen nur einen Zauberspruch nachzeichnen, der auf dem Bildschirm eingeblendet wird. Wenn wir die Kringel gut hinbekommen, ist unser Angriff stärker. Wenn wir den Linien nicht so präzise folgen, entsprechend schwach oder sogar missglückt wirkt unsere Magie. Meist haben wir mehrere Versuche, so dass es in den ersten Duellen kaum Frust gibt.

Koopmodus und Kaufinahlte

Später wird das Kampfsystem mit zunehmend mächtigen Feinden wesentlich komplexer. Dann müssen wir versuchen, die gegnerischen Angriffe durch Wischbewegungen im richtigen Moment abzuwehren, was an einem Pfeil erkennbar ist. Außerdem ist es dann nötig, Heil- und Konzentrationstränke konsumiert zu haben, um seine Charakterwerte zu erhöhen. Und wir müssen teils mehrere gut ausgeführte Zauber aneinanderreihen, um erst die Abwehr zu durchbrechen oder den Opponenten zu entwaffnen - Expelliarmus!

Uns hat das Kampfsystem während der ersten Stunden viel Spaß gemacht. Anfangs nervt es, dass wir bei den Gefechten an einer bestimmten Stelle in der echten Welt stehen müssen, die wir nur per Display sehen - nach ein paar Versuchen haben wir aber fast schon automatisch diese Gefechtsposition eingenommen. Allerdings wird sie ganz gelegentlich auch auf Tischen oder anderen Objekten platziert, dann bleibt manchmal nur der Abbruch per Flucht.

Bei den Gefechten gibt es laut Niantic noch einiges mehr an Inhalten, was wir allerdings nicht ausprobieren konnten. Unter anderem können Spieler später in speziellen Arenen sowie mit bis zu vier Kumpels gemeinsam gegen Elitegegner antreten.

Neben den Kämpfen gibt es ein weiteres wichtiges Element, das Spieler in etwas anderer Form schon aus Pokémon Go kennen: das Sammeln und Verwalten von allen möglichen Dingen, seien es die findbaren Gegenstände oder schlicht Erfahrungspunkte und Stufenaufstiege - ab Level 6 kommen dann noch Berufe mit dazu.

Die entsprechenden Menüs erschlagen einen auf den ersten Blick, wir sind aber nach ein paar Stunden ganz gut damit zurande gekommen. Die findbaren Gegenstände fügen wir in eine Art Bild ein, das so allmählich immer weiter komplettiert wird - wir gehen mal davon aus, dass ähnlich wie bei Pokémon Go zum Sammeln aller Objekte die ein oder andere Flugreise nötig ist. Niantic hat bereits angekündigt, dass im Sommer 2019 ein erstes großes Event stattfinden soll. Informationen über Ort und Termin liegen nicht vor; wir hoffen auf die Gamescom.

Neben diesen Extras benötigen wir noch Zutaten für Heiltränke und andere Stärkungssäfte und -zauber. Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen: Um mit Baruffios Gehirnelixier für 30 Minuten die doppelten Erfahrungspunkte zu erhalten, müssen wir zwei hüpfende Giftpilze, ein Froschhirn, ein Runespoor-Schlangenei und ein Drachenklauen-Pulver besitzen.

Hier kommt leider echtes Geld ins Spiel: In der Ingame-Währung müssten wir für alle Zutaten 42 Gold ausgeben. Die können wir verdienen (wie lange das dauert, wissen wir nicht - vermutlich sehr lange). Alternativ können wir 425 Gold im Paket mit einer Handvoll weiterer Extras für knapp 2,30 Euro im Itemshop kaufen, der übrigens den Namen Winkelgasse trägt.

Auch weitere Extras kosten Geld, die Produktion eines Heiltranks etwa dauert rund zwei Stunden, lässt sich aber mit ein paar Gold verkürzen - je weniger Restwartezeit, desto günstiger wird es. Einmal mussten wir einen Kampf wegen fehlender Zauberenergie auslassen. Ob und wenn ja, wie sehr dieses Element ins Geld geht, können wir derzeit nicht absehen.

Unterm Strich haben uns die ersten Stunden mit Wizards Unite trotz dieser erwartbaren Ärgernisse leider doch recht viel Spaß gemacht - wir sind angefixt und machen freiwillig und gerne weiter. Das Szenario finden wir als Potter-Kenner etwas ansprechender als Pokémon, was aber wohl Geschmackssache ist. Abgesehen von den Ladezeiten und der manchmal schlecht funktionierenden Kampfpositionsanzeige sind uns keine größeren technischen Probleme aufgefallen (Version 2.0.1).

Harry Potter Wizards Unite erscheint in den USA und Großbritannien am 21. Juni 2019 für iOS und Android als rund 175 MByte großer, kostenloser Download. Wann die Veröffentlichung in Deutschland erfolgt, sagt der Hersteller noch nicht - falls keine Probleme auftauchen, dürfte es hierzulande aber ebenfalls rasch losgehen. Nutzer müssen sich per Klick mit einem Facebook- oder Google-Konto anmelden. Die Verbindung lässt sich später mit einem weiteren Klick wieder trennen, ist aber im Optionsmenü versteckt.

Nachtrag vom 22. Juni 2019, 21:15 Uhr

Wizards Unite ist inzwischen auch in Deutschland verfügbar, und zwar im Google Play Store und im App Store von Apple. Erhältlich ist Version 2.0.1. Das ist die gleiche Fassung, die am 21. Juni 2019 in den USA erschienen ist, und die unserem Bericht zugrunde liegt.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von WB Games an einem Anspieltermin von Harry Potter Wizards Unite in Los Angeles teilgenommen, der Publisher hat einen Teil der Reisekosten bezahlt. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.  (ps)


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