Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0106/14197.html    Veröffentlicht: 05.06.2001 09:39    Kurz-URL: https://glm.io/14197

PWC: Service und Vermarktung entscheidend für UMTS-Erfolg

WAP fristet in Europa noch immer Schattendasein

Der Erfolg von Angeboten der dritten Mobilfunkgeneration, die zukünftig mit UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) offeriert wird, hängt stark von Aufbau und Vermarktung des Serviceangebots ab. Marketingstrategien müssen sich mehr am konkreten Nutzen und den Bedürfnissen der Kunden orientieren als an technischen Details. Zu diesem Ergebnis kommen Experten des PricewaterhouseCoopers Technology Center in der nun 12. Auflage des Branchenreports Technology Forecast 2001 - 2003.

Die GPRS-Technologie (General Packet Radio Service), die eine permanente Verbindung mit dem Internet und eine Abrechnung z.B. nach der Menge übertragener Daten zulässt, stelle die Starthilfe für das kommende UMTS-Geschäft dar, so die Telekommunikations-Experten von PricewaterhouseCoopers. "Die Mobilfunkanbieter müssen schon heute die Kunden begeistern und Interesse für die Angebote wecken, die später mit UMTS noch besser funktionieren werden", meinte Manfred Briede, Partner für Mobile Business bei der PricewaterhouseCoopers Unternehmensberatung.

"Bedürfnisse beim Verbraucher zu wecken funktioniert im Mobilfunk genauso wie auf anderen Märkten auch: Der Wunsch des Kunden nach mehr Geschwindigkeit und Komfort ist auch in der Automobil-Industrie ein Motor für Umsatzzuwächse. UMTS wird Dienstleistungen im Mobile Business schneller und komfortabler machen und noch bessere Angebote ermöglichen. Mit diesem Argument wird der Verbraucher gerne auf UMTS umsteigen", so Briede.

Der Technology Forecast 2001 - 2003 bescheinigt Japan eine führende Rolle bei der Erschließung des Marktes für Services auf dem Mobiltelefon. In Japan gibt es mittlerweile über 22 Millionen Nutzer des im Februar 1999 eingeführten i-Mode-Dienstes der NTTDoCoMo, der Internet-Inhalte auf das Handy-Display bringt. Damit nehmen über 60 Prozent der japanischen Mobilfunkkunden diesen Service in Anspruch. Die europäische Lösung, WAP (Wireless Application Protocol), fristet hingegen in Deutschland und im übrigen Europa noch ein Schattendasein.

Bis Ende 2000 wurden europaweit zwar circa 11,8 Millionen WAP-fähige Mobiltelefone verkauft, aber bisher nutzen nur rund zwei Prozent dieser Kunden die neue Technik. Ursache für den Erfolg in Japan ist nicht nur die Technikbegeisterung in der Bevölkerung, sondern auch eine gezielte Produkt- und Vermarktungsstrategie. In Deutschland und Europa geht die bisher techniklastige Werbung der Mobilfunkbetreiber mit Kürzeln wie WAP und GPRS an den Bedürfnissen vorbei. Denn der Kunde interessiert sich für die angebotenen Dienste, nicht für die technische Umsetzung. Darüber hinaus sind interessante Angebote noch nicht in ausreichender Anzahl und Qualität vorhanden.

Mit dem Begriff "mobiles Internet" werden Kunden eher abgeschreckt als gewonnen: "Wer will schon mit dem Handy im Internet surfen?", fragt PCW. Die Angebote auf mobilen Geräten müssen den Kunden in Situationen unterstützen, in denen er nicht zu Hause oder im Büro am Computer ist.

Der Technology Forecast 2001 - 2003 beschreibt verschiedene Situationen, in denen solche Leistungen zukünftig genutzt werden könnten. So zum Beispiel der elektronische Check-in am Flughafen mit dem Handy, die Information über Verspätungen oder Änderungen des Abflug-Gates und die Möglichkeit von Umbuchungen eines Fluges via Handy. Oder auch die Möglichkeit des Einzelhandels in Einkaufszentren, Kunden vor Ort auf Wunsch Informationen über Sonderangebote und -aktionen zuzuschicken.

Die erfolgreiche Umsetzung von einfachen Angeboten mit klarem Nutzen im Endverbraucher-Segment ist zwingend notwendig, um die Investitionen für den Kauf von UMTS-Lizenzen und den Netzaufbau zu amortisieren. Daneben wird das Geschäftskunden-Segment an Bedeutung gewinnen. "Mobilfunkunternehmen müssen maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen entwickeln, die mobile Anwendungen in Geschäftsprozesse integrieren. Hier geht es zum Beispiel um Anwendungen im Facility Management, zur Außendienst-Unterstützung und im Flottenmanagement. Solche Lösungen werden im Mobilfunk der dritten Generation zu einem zusätzlichen Umsatzgenerator", so Manfred Briede von PricewaterhouseCoopers.

Weitere Anwendungen sind die mobile Anbindung von Mitarbeitern an Unternehmensnetzwerke und die Verbindung von Unternehmen und Kunden über mobile Kanäle.

Die gesamte Studie umfasst mehr als 900 Seiten und kann für 250,- Euro bestellt werden.  (ad)


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