Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vorwurf-von-genius-com-google-soll-songtexte-ohne-erlaubnis-nutzen-1906-141939.html    Veröffentlicht: 17.06.2019 08:41    Kurz-URL: https://glm.io/141939

Vorwurf von Genius.com

Google soll Songtexte ohne Erlaubnis nutzen

Google blendet Songtexte in seinen Suchergebnissen ein, teilweise jedoch ohne Genehmigung. Genius.com wirft der Suchmaschine vor, über 100 Liedtexte widerrechtlich zu nutzen - und das seit Jahren.

Genius.com wirft Google vor, die eigenen Songtexte ohne Genehmigung in dessen Suchergebnissen einzubinden. Über den Vorfall berichtet das Wall Street Journal, es hat die Vorwürfe von Genius.com nach eigenen Angaben in Stichproben überprüft und bestätigt. Mit einem Kniff hat Genius.com die eigenen Songtexte markiert und kann so erkennen, wenn ein Text von seiner Seite übernommen wurde.

Bereits 2017 habe Genius.com Google nach eigenen Angaben auf die nicht genehmigten Kopien seiner Songtexte hingewiesen. Die Verwendung der Liedtexte verstoße gegen die Nutzungsbedingungen des Anbieters sowie gegen geltendes Kartellrecht, heißt es in dem Brief, welcher der Zeitung vorgelegen habe. Als Reaktion gab es von Google nur den Hinweis, dass die Texte von Partnern lizenziert worden seien. Mehr ist nicht passiert.

Nach Angaben von Genius.com soll alles mit dem Song Panda des Rappers Desiigner begonnen haben. Viele andere Songtext-Seiten hätten fehlerhafte Texte veröffentlicht, weil der Text im Lied nur sehr schwer zu verstehen sei. Genius.com habe aber direkt mit dem Rapper zusammengearbeitet und von diesem den Originaltext erhalten. Dieser korrekte Liedtext ist dann in den Google-Suchergebnissen erschienen. Bei Genius.com kam der Verdacht auf, dass Google die Daten von der Webseite entwendet hatte. Das konnte zu der Zeit nicht bewiesen werden.

Genius.com hat Songtexte speziell markiert

Ab etwa 2016 habe Genius.com nach eigenen Angaben einige Songtexte subtil verändert, um diese jederzeit identifizieren zu können. So wurden Apostrophe der Texte zwischen geraden und geschweiften Einzelanführungszeichen in genau der gleichen Reihenfolge für jeden Song abwechselnd verwendet. Anhand dieser Markierung seien die von Google widerrechtlich übernommenen Songtexte zu erkennen gewesen. Wenn die Apostrophe in Morsecode übersetzt werden, wird daraus "Red Handed".

Nach Angaben von Genius.com sollen über 100 solcher Songtexte in Googles Suchergebnissen auftauchen. Das Wall Street Journal hat zufällig drei davon überprüft und konnte damit bestätigen, dass diese speziellen Texte in der Google-Suche aufgetaucht sind. Google hat auf den Bericht der Zeitung reagiert und will den Vorfall nun untersuchen.

Googles Stellungnahme zu den Vorwürfen

"Die in den Infoboxen und in den Knowledge Panels der Google-Suche angezeigten Texte stammen aus verschiedenen Quellen und werden nicht von Webseiten übernommen. Wir nehmen Datenqualität und Urheberrechte sehr ernst. Unsere Lizenzpartner sind für die Einhaltung der Bedingungen unserer Vereinbarung verantwortlich. Wir untersuchen dieses Problem mit unseren Datenpartnern. Falls wir feststellen, dass die Partner nicht einwandfrei arbeiten, werden wir die Zusammenarbeit beenden."

Da Google die Songtexte etwa bei Eingabe des Liedtitels schon in den Suchergebnissen einbindet, besuchten Nutzer die betreffenden Songtext-Webseiten deutlich seltener als zuvor. Genius.com verkauft seine Musiktexte unter anderem an Spotify und Apple, die diese in ihren Musikstreamingdienst integrieren.  (ip)


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