Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nachruestung-elektrofahrzeuge-sollen-geraeusche-fuer-schwaechere-machen-1906-141899.html    Veröffentlicht: 14.06.2019 08:32    Kurz-URL: https://glm.io/141899

Nachrüstung

Elektrofahrzeuge sollen zum Schutz Lärm machen

Mehrere Verbände fordern ein verpflichtendes Warngeräusch für Elektrofahrzeuge. So sollen Ältere, Kinder, Sehbehinderte aber auch Fahrradfahrer und unaufmerksame Menschen vor der Gefahr herannahender Autos gewarnt werden. Auch eine Nachrüstung für bereits zugelassene Fahrzeuge wird gefordert.

Elektrofahrzeuge sind leise - was Fluch und Segen zugleich ist. Einerseits stören sie so weniger, andererseits fallen sie kaum auf, vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten im städtischen Verkehr. Das ruft ein breites Bündnis von Verbänden auf den Plan, die das ändern wollen. Künstliche Geräusche sollen vor der drohenden Gefahr warnen.

Die Forderung stammt vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.), der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen), der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V., dem Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat, dem FUSS e.V. (Fachverband Fußverkehr Deutschland), dem SoVD (Sozialverband Deutschland e.V.) sowie dem Sozialverband VdK Deutschland.

Die Initiative wurde anlässlich des jährlich stattfindenden Tags der Verkehrssicherheit am 15. Juni 2019 gestartet. Das Motto lautet: "Elektrisch fahren tut hörbar gut!" Die Initiatoren wollen, dass ein künstliches Warngeräusches in alle Hybrid- und Elektrofahrzeuge eingebaut wird.

Der Gesetzgeber will das erst ab Juli 2021 erzwingen. Dann müssen nämlich alle neu zugelassenen Hybrid- und Elektrofahrzeuge ein Warngeräusch bis 20 km/h erzeugen. Fahrzeuge, die davor zugelassen wurden, bekommen das sogenannte Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) dann aber nicht. Die Initiative fordert zudem 30 km/h als Obergrenze und keine temporäre Abschaltmöglichkeit für den Geräuschgenerator. Die Verbände fordern eine freiwillige Nachrüstung, weil es sonst zu einem Mischverkehr zwischen lautlosen Fahrzeugen und denen, die ein Geräusch erzeugen, kommt.

Für Elektrofahrräder oder Tretroller fordert die Initiative interessanterweise nicht explizit eine Geräuscherzeugung, obwohl sich auch diese geräuschlos bewegen - und zwar im unmittelbaren Umfeld von Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern. Einige Verbände nutzen allerdings den Begriff Elektrofahrzeuge und nicht Elektroautos, was durchaus auch Zweiräder mit einschließt.

Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls zwischen einem Elektroauto und einem Fußgänger sei um 40 Prozent höher als die eines Unfalls zwischen einem Verbrennerfahrzeug und einem Fußgänger, warnte die britische Blindenorganisation The Guide Dogs for the Blind Association  (ad)


Verwandte Artikel:
Quad: Eqooder mit Elektromotor als Autoersatz für 2 Personen   
(08.03.2019, https://glm.io/139871 )
Verkehrssicherheit: Südkorea testet Warnsystem für Smartphone-Nutzer   
(20.03.2019, https://glm.io/140135 )
Fußgänger: Autonome Jaguar zeigen mit Projektion ihre Absicht an   
(25.01.2019, https://glm.io/138969 )
Anheuser Busch: US-Brauerei bestellt 40 Tesla-Trucks vor   
(09.12.2017, https://glm.io/131577 )
Waymo: Autonomes Auto zerstört sich beim Unfall mit Fußgängern   
(14.08.2017, https://glm.io/129466 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/