Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/5g-auktion-warum-der-preis-der-5g-frequenzen-so-hoch-war-1906-141893.html    Veröffentlicht: 13.06.2019 18:19    Kurz-URL: https://glm.io/141893

5G-Auktion

Warum der Preis der 5G-Frequenzen so hoch war

Dass die Frequenzen für den 5G-Mobilfunk teuer wurden, lasten Telekom, Vodafone und Telefónica dem Newcomer United Internet an. Doch dies ist laut dem Netzplaner Kai Seim nicht so gewesen.

Das hohe 5G-Auktionsergebnis liegt nicht an einem Mangel an verfügbaren Frequenzen im 3,6-GHz-Bereich. Das sagte Kai Seim von der S&P Beratungs- und Planungsgesellschaft Golem.de. Die etablierten Betreiber seien bereit gewesen, einen sehr deutlichen Aufpreis in Kauf zu nehmen, um den Markt dauerhaft bei drei Netzbetreibern zu belassen, auch wenn dies letztlich nicht durchsetzbar war.

"Der Versuch, den Wettbewerb durch einen Neueinsteiger zu stärken, ist gelungen. Deutschland wird einen neuen und interessanten Weg beschreiten, die Industrie direkt mit 5G-Frequenzen für IoT-Anwendungen auszustatten", meinte Seim. Klagen über verlorene Zeit für den Rollout seien angesichts von Rolloutplanungen über mehrere Jahre zu relativieren.

Ein früheres Ende der Auktion sei möglich gewesen. Das Signal des Neueinsteigers 1&1 Drillisch zum Verzicht auf einen gepaarten 10 MHz Frequenzblock in Runde 177 sei von den drei konkurrierenden Bietern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica einheitlich unbeachtet gelassen worden. "Jeder der drei Mitbieter hätte sich den fehlenden Block holen können. Erst am Ende der Auktion in Runde 494 wurde das erneute Signal akzeptiert", sagte Seim.

Es begann klassisch

Der Auktionsverlauf habe klassisch mit dem Abklären einer möglichen Lösung bei 2 GHz begonnen. Diese sei in Runde 187 stabil gefunden worden. Das Bieterinteresse wandte sich den Blöcken bei 3,6 GHz zu. "In Runde 1 hatte 1&1 bereits 6 Blöcke mit je 20 Millionen Euro Zusatzgebot angemeldet. Der Wunsch des Neueinsteigers war also den Mitbietern klar", erklärte Seim.

In Runde 227 unterstrich 1&1 seinen Bietwunsch ein weiteres Mal mit je Millionen Euro Zusatzgebot. Ab Runde 228 war laut Seim nur noch ein freies Bietrecht vorhanden, bei relativ gleichmäßig aufgeteilten 41 Blöcken, es lag bei Vodafone. Doch Vodafone habe in Runde 229 die Auktion nicht beendet. Seim sagte: "Es wurde auch nicht ein Block von 1&1 angegriffen, der ja durch das Zusatzgebot 20 Millionen Euro teurer war; es wurde schlicht der niedrigste Block mit Mindestgebot geholt". Die Telekom wählte das gleiche Bieterverhalten, und Telefónica schloss sich dann in Runde 245 an: Seit dem rückten die Incumbents gemeinsam geordnet vor, betonte Seim.

1&1 Drillisch habe in Runde 318 durch Rückgabe von 5 Blöcken und Parken der Bietrechte auf einem 2-GHz-Block sowie 4 Blöcken bei 3,6 GHz signalisiert, dass ein 3,6-GHz-Block verfügbar wäre. Dies ließ die drei Netzbetreiber unbeeindruckt, 1&1 beendet den Versuch in Runde 323 und holte die Blöcke zurück.

Mit Runde 466 hatte die Bundesnetzagentur das Mindestgebot auf 13 Millionen Euro gesetzt, um ein Ende zu erreichen. Doch laut anderen Stimmen hätte 1&1 das gleiche Ergebnis (0-10-50) schon in Runde 111 für rund 425 Millionen Euro haben können und habe durch das weitere Bieten einen Anstieg von circa 4 Milliarden Euro verursacht.

 (asa)


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