Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/watch-dogs-legion-angespielt-eine-seniorin-als-ein-frau-armee-1906-141861.html    Veröffentlicht: 13.06.2019 07:45    Kurz-URL: https://glm.io/141861

Watch Dogs Legion angespielt

Eine Seniorin als Ein-Frau-Armee

Elitesoldaten brauchen wir nicht - in Watch Dogs Legion hacken und schießen wir auch als Pensionistin für den Widerstand. Beim Anspielen haben wir sehr über die ebenso klapprige wie kampflustige Oma Gwendoline gelacht.

Gwendoline Bailey hat früher mal Schachcomputer programmiert. Jetzt ist sie offensichtlich schon länger im Ruhestand, jedenfalls geht sie in Watch Dogs Legion leicht gebückt und nicht sonderlich schnell. Großmutter Gwendoline ist die Figur, die wir beim Ausprobieren des kommenden Actionspiels von Ubisoft zuerst steuern. Sie ist eine von vielen, die wir in dem Titel durch Kämpfe und Schleichpassagen scheuchen - einen hervorgehobenen Haupthelden gibt es nicht.

Auf die Zusammenstellung unserer Widerstandstruppe und Details gehen wir später ein. Zuerst wollen wir beschreiben, was wir mit Gwendoline Bailey alles erlebt haben. Wir sind mit ihr langsam über eine Straße gewackelt, haben uns neben einen schwergepanzerten Polizeijeep gestellt und diesen entführt. Mit Vollgas sind wir - auf der linken Straßenseite - zum nächsten Zentrum von Scotland Yard gedonnert. Dort sind wir mit der Rentnerin über die Mauer geklettert - und haben ihr dabei die morschen Knochen angemerkt.

Wir haben mit ihr auf Knopfdruck erst die Eingangstür gehackt, dann die Computersysteme in Inneren. Als eine Wache auf uns aufmerksam geworden ist, haben wir eine Roboterspinne auf den Mann gehetzt. Das künstliche Krabbeltier ist - nicht mehr lustig, sondern ziemlich gruselig - wie ein Facehugger aus Alien an seinem Opfer hochklettert und hat es mit Elektroschocks ausgeschaltet.

Das alles hat Gwendoline Bailey gemacht, um Sympathiepunkte bei einem Bürger namens Duncan Palmer zu sammeln und diesen so ebenfalls für den Widerstand zu gewinnen. Palmer haben wir zuvor ausgewählt, weil wir einen besonders engagierten Kämpfer wollten - und mit unseren Hackingwerzeugen haben wir herausgefunden, dass Duncan Palmer einer von nicht allzu vielen Bürgern ist, der im Kampf bis zum Äußersten ginge.

Das ist wörtlich gemeint: Während die meisten anderen Bewohner Londons sich nach zu schweren Verletzungen ergeben können, täte Duncan Palmer dies nicht, dafür hat er aber einen besonders hohen Nahkampfbonus von 40 Prozent.

Nachdem wir bei Scotland Yard Gefälligkeiten für ihn erledigt haben - wir haben beim Hacken erfahren, dass ein Haftbefehl auf ihn ausgesetzt war -, reden wir als Gwendoline Bailey kurz mit ihm, worauf er sich uns anschließt, und wir ihn sogar noch einer von drei Klassen zuordnen können: Enforcer (Spezialist für schwere Waffen), Infiltrator (Schleichen) und Hacker - letzterer ist laut Ubisoft eher eine Hybridklasse als nur ein Spezialist für das Übernehmen von Computerterminals.

Das Verwalten und Erweitern des Teams ist offenbar eine der wichtigsten Aufgaben in Watch Dogs Legions. Nach Angaben der Entwickler können wir jeden unserer Kämpfer langfristig hochleveln und mit Spezialfähigkeiten ausstatten, etwa mit Kenntnissen im Umgang mit Unsichtbarkeitstechnologie oder Flächenschaden. Das soll dazu führen, dass uns die Charaktere ans Herz wachsen - und wir sie nicht als Kanonenfutter missbrauchen.

In den Menüs gibt es eine Übersicht mit allen Figuren, die wir rekrutiert haben. Grundsätzlich können wir jederzeit zu einer anderen Figur wechseln und diese steuern - nur in Kämpfen oder Sicherheitszonen funktioniert das nicht. Auf der Übersichtskarte sehen wir, was die Helden gerade machen: Einer spielt Dart im Pub, der andere besucht seinen Vater, und der Nächste schläft in seinem Bett.

Neben dem Umgang mit dem Team gibt es in Watch Dogs Legion aber noch mehr zu tun: Laut Ubisoft gibt es in der offenen Welt eine Haupthandlung mit fünf großen Missionssträngen, die sich etwa um die Beschaffung von Technologie oder um Clankriminalität drehen, sowie rund 60 Nebenmissionen.

Grafisch macht das Programm einen sehr starken Eindruck, vor allem bei Nacht sieht London teils atemberaubend aus. Und es tut sich was in der von sozialen Unruhen und dem Brexit erschütterten Stadt: An einer Stelle sind wir mit Oma Gwendoline in eine offenbar zufällig von KI-Figuren ausgetragene Schießerei geraten und dann wie die computergesteuerten Passanten geflüchtet.

Watch Dogs Legion soll neben der Einzelspielerkampagne einen Koopmodus für bis zu vier Teilnehmer bieten, ausprobieren konnten wir das auf der E3 nicht. Das Programm soll am 6. März 2020 für die Playstation 4, die Xbox One sowie für Windows-PC und Googles Streamingdienst Stadia auf den Markt kommen.  (ps)


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