Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mobilfunktarife-fuers-iot-die-dinge-ins-internet-bringen-1907-141851.html    Veröffentlicht: 16.07.2019 09:03    Kurz-URL: https://glm.io/141851

Mobilfunktarife fürs IoT

Die Dinge ins Internet bringen

Kabellos per Mobilfunk bringt man smarte Geräte am leichtesten ins Internet der Dinge. Dafür haben deutsche Netzanbieter Angebote für Unternehmen wie auch für Privatkunden.

Hundetracker, Firmenwagen, Überwachungskameras im Kleingarten oder auf dem abgelegenen Firmengelände: Sollen Maschinen egal welcher Größe miteinander oder mit zentralen Rechnern kommunizieren, braucht es einen Netzwerkzugang. Besonders bei mobilen Geräten oder wenn kein Internetanschluss in der Nähe ist, kommen kabellose Lösungen via Mobilfunk ins Spiel.

Auch Messstationen für Luftgüte im freien Feld setzen oft Mobilfunkzugänge ein, um die gemessenen Daten an den Auswerteserver zu senden. Bereits seit eigener Zeit bieten die drei deutschen Netzbetreiber reine Datenzugänge zu diesem Zweck an - inklusive einer Besonderheit: Während noch über nationales Roaming beim kommenden Mobilfunkstandard 5G diskutiert wird, ist freie Netzwahl bei Mobilfunkzugängen für Maschinen bereits seit Jahren Realität.

Nationales Roaming für das IoT

Das nationale Roaming machen alle drei Netzbetreiber über einen kleinen Trick möglich: Sie nutzen SIM-Karten ihrer ausländischen Gesellschaften. So verwendet beispielsweise Telefónica eine SIM-Karte namens Vivo-o2-Movistar mit spanischer Kennung für lokales Roaming in Deutschland und auch globales Roaming. Welche Länderkennzeichnung die SIMs von Vodafone tragen, hat uns der Konzern zwar nicht mitgeteilt. Schriftlich heißt es jedoch: "IoT-Anwendungen können im Falle, dass einmal kein Vodafone-Netz verfügbar sein sollte, weltweit auf andere Netze zugreifen. Das ermöglicht eine spezielle globale SIM-Karte, die ausschließlich für das Internet der Dinge lizenziert ist und benutzt wird."

Ähnlich funktioniert es bei der Telekom in den geschäftlichen IoT-Tarifen. Die Karten heißen hier GlobalSIM und sind versehen "mit einem internationalen Kenner. Zusätzlich gibt es dedizierte Roaming-Vereinbarungen für diese Karte mit den anderen Mobilfunkanbietern in Deutschland", schreibt die Pressestelle.

Die reinen Datentarife für den IoT-Einsatz gibt es sowohl für private als auch für geschäftliche Anwender. Dabei orientieren sich die Anbieter am Anwendungszweck. So sieht beispielsweise die Telekom als Einsatzgebiet für ihre SIMs für Privatkunden Tracker aller Art. Ähnlich bei Vodafone: Das Privatkundenprodukt V-Sim steckt dort meist ebenfalls in Tracking-Systemen für Hund, Katze, Kind oder Auto. Aber auch mobile Überwachungskameras führt Vodafone als Einsatzzweck auf. Lediglich O2/Telefónica bietet seinen reinen Datentarif für private Kunden ohne explizites Einsatzszenario an und überlässt die Verwendung den Kunden.

Privates IoT: tracken, gucken, fahren

Aus der Art des Einsatzes leiten einige Anbieter offenbar auch die Preise ab - wie beispielsweise Vodafone bei der V-Sim. Diese bietet der Netzbetreiber einzeln und als Paket aus Hardware und SIM-Karte an. Je nach Einsatz und Hardware heißen die Pakete V-Kids Watch, V-Camera, V-Pet Tracker oder V-Auto. Der Privatkunde zahlt dafür neben einem Einmalpreis für die Hardware eine monatliche Service-Gebühr, die je nach Paket und Service zwischen knapp drei und sechs Euro liegt. Die reine V-Sim ohne gekoppelte Hardware und Services kostet einmalig rund fünf Euro; monatlich werden zudem knapp sieben Euro fällig. Vodafone verspricht, dass die Monatsgebühr den kompletten Datentraffic in der ganzen EU abdeckt.

Bei Telefónica/O2 können Privatkunden zur o2 Go Freikarte greifen. Der Prepaid-Datentarif ist zwar ohne Grundgebühr, den Datenverkehr müssen Kunden aber hinzubuchen. Das kann tageweise geschehen: Für knapp drei Euro gibt es 500 MByte pro Tag. Wer die Zehn-Tages-Option für knapp 20 Euro wählt, spart ein Drittel und kann zehnmal 500 MByte verbrauchen. Monatsweise geht es mit dem Surf-Pack S mit 300 MByte für knapp drei Euro los. Das XL-Pack mit 10 GByte Traffic liegt bei knapp 35 Euro.

Einen dedizierten Tarif für beliebige IoT-Anwendungen führt die Telekom nicht. Sie bietet neben ihren reinen Datentarifen weitere spezialisierte Angebote an. Als Car Connect vermarktet der Konzern einen IoT-Tarif für Fahrzeuge. Mittels eines Adaptersteckers werden nicht nur Telematik-Daten in die Cloud übertragen, der Stecker dient zudem als Hotspot für bis zu fünf verbundene Endgeräte wie Smartphones oder Tablets. Die müssen sich das enthaltene Datenvolumen von 5 GByte bei Neukunden und 10 GByte teilen, wenn der Tarif zu einem bestehenden Vertrag hinzugebucht wird. Der Adapter kostet regulär einmalig knapp vierzig Euro, wird derzeit aber für einen Euro offeriert. Wer etwas anderes als sein Auto verfolgen möchte, der kann zum Smart Connect S greifen. Der als Tracking-Flat bezeichnete Tarif kostet rund fünf Euro und beinhaltet unbegrenztes Datenvolumen bei einer Download-Bandbreite von nur 64 kBit/s. Im Upload sind es gar nur 0,064 kBits/s.

Bei den geschäftlichen Anwendern zeigt sich ein ganz anderes Bild: Hier bieten alle drei Netzanbieter große Freiheiten und wollen ihre Angebote nach eigener Aussage nach dem Wunsch der Kunden richten.

Business-IoT: Nicht ganz so einfach

Telefónica Deutschland bietet seinen Kunden ein eigens für IoT-Anwendungen konzipiertes Tarifmodell. IoT Connect dient der Vernetzung von Maschinen und Geräten und soll einen einfachen Einstieg in das Internet der Dinge und in M2M-Anwendungen ermöglichen. Der Tarif besteht aus einem modularen Leistungskatalog mit zwei Basistarifen und zahlreichen buchbaren Zusatzleistungen. Die Basistarife unterscheiden nach vorrangiger Nutzung in Deutschland oder in Europa.

In einer Art Baukasten können Kunden wählen zwischen kurzer und langer Laufzeit, flexiblen Datenpaketen und weiteren Optionen. Besonders interessant: Die gebuchten Datenpakete je SIM können in einem gemeinsamen Pool zusammengefasst werden. So können unterschiedliche Traffic-Anforderungen ausgeglichen werden. Am Ende des sehr übersichtlichen IoT-Tarifbaukastens zeigt Telefónica sowohl den Gesamtpreis als auch den Preis je genutzter SIM an. Für das Management der gebuchten SIMs gibt es eine spezielle Plattform namens Kite, mit der Kunden ihre Geräte verwalten können und die die Integration in IoT-Cloudserleichtern soll.

Bei konkreten Angeboten und Preisen sind Telekom und Vodafone im Gegensatz zu Telefónica eher zurückhaltend. Auf Nachfrage beschreibt uns Vodafone sein Trackingsystem Vodafone IoT Tracker für Fahrzeuge vom Pkw bis zum Lkw, Baumaschinen und andere bewegliche Objekte. Teil davon ist eine Oberfläche, auf der der Kunde seine getrackten Objekte verfolgen kann. Die Plattform können Geschäftskunden ab knapp vier Euro monatlich pro getracktem Objekt buchen, wobei Umfang und Kosten der Vernetzung jeweils von den Anforderungen und Wünschen der Kunden abhängen. Für alle weiteren Anwendungsfälle wie beispielsweise Maschinensteuerung, Fernüberwachung oder Automation kann das Unternehmen den Netzbetreiber direkt kontaktieren.

Ähnlich hält es die Telekom: Sie verweist auf die Komplexität von IoT-Anwendungen. Das fange bereits mit der Frage an, ob die geplante Anwendung intern genutzt oder als Produkt verkauft werden soll. Weitere Aspekte für den passgenauen IoT-Tarif seien Abrechnungsmodalitäten, Aktivierung der Geräte, Verteilung und mehr. Auf Nachfrage teilt die Pressestelle mit: "Allein mit Datentarifen ist es eben nicht getan. Wir haben als Telekom eine Self-Service-Plattform, mit der unsere Kunden all diese unterschiedlichen Anforderungen abbilden."

Die Telekom verweist auf ihre Angebotsstruktur, die unterschiedliche Tarife je nach Geschäftsmodell ermögliche. Trotzdem soll ab Juni dieses Jahres ein Prepaid-System als einfach buchbares Standardangebot vertrieben werden. Darüber hinaus hat der Konzern Komplettpakete für ausgewählte Einsatzzwecke wie Tracking von Gütern und Maschinenüberwachung im Angebot.

Alternative: Multi-SIM und Zusatzkarten

Für private wie auch geschäftliche Anwender kann sich ein Blick in die Konditionen ihrer Mobilfunk- und Festnetzverträge lohnen. Denn bei so manchem können kostenfrei zusätzliche SIM-Karten gebucht werden, die bei gleicher Rufnummer wie die Hauptkarte die Inklusivleistungen des Vertrags nutzen. So kann man sein Tablet oder seine Smartwatch genauso ins Netz bringen wie IoT-Geräte. Das verfügbare Datenvolumen des Vertrags wird meist von allen Karten gemeinsam gebraucht. Aber Vorsicht: Die Konditionen für Multi-SIMs unterscheiden sich je nach Mobilfunkanbieter teilweise zwischen den verschiedenen Verträgen sehr stark.

Eine weitere Möglichkeit, Tracker und andere Dinge online zu bringen, sind zusätzliche SIM-Karten, wie manche Festnetzanbieter sie zu ihren Anschlüssen anbieten. So gibt es beispielsweise bei 1&1 bei einigen seiner DSL-Anschlüsse bis zu vier kostenfreie SIM-Karten, die auf eine Bandbreite von 7,2 MBit/s gedrosselt sind und denen monatlich bis zu 100 MB Datenvolumen zur Verfügung steht. Lediglich eine Aktivierungsgebühr fällt bei diesen Karten an. Die Laufzeit ist an jene des Hauptvertrags gebunden.

Oldschool: IoT-Steuerung und Feedback per SMS

Ganz neu in allerlei Elektronik sind SIM-Karten zugegebenermaßen nicht. Schon lange können beispielsweise Autostandheizungen per Fernbefehl gesteuert werden, was meist per SMS passierte. Die Nachfrage nach derlei alter Technologie ist laut Telekom nicht mehr stark, weshalb SMS für IoT-Anwendungen nicht mehr vorgesehen ist. Dennoch sind laut Pressestelle SIM-Karten des Unternehmens Multimode-fähig und können neben dem Funkstandard NB-IoT auch immer 2G/3G, über das weiterhin SMS möglich wäre.

Telefónica sieht SMS weiterhin als manchmal notwendig an - auch für IoT-Anwendungen. Entsprechend unterstützen alle IoT-Systeme des Konzerns den Empfang von SMS: Mit der Global Sim Vivo-o2-Movistar sind Empfang und Senden möglich. Anders bei Vodafone: Sowohl die V-Sim für Privatkunden wie auch Vodafone IoT Tracker für Enterprise-Kunden sind reine IP-basierte Daten-Systeme, bei denen leitungsvermittelte Dienste wie Versand/Empfang von SMS-Nachrichten nicht vorgesehen sind.

Der Blick auf IoT-Tarife für private wie geschäftliche Kunden zeigt: Das Internet der Dinge ist bereits Realität. Mit dem Ausbau von 5G erwarten die Netzbetreiber einen starken Anstieg vernetzter Geräte. Die Telekom etwa spricht von Massen-IoT und verweist darauf, dass heutige Netze nach technologischen und wirtschaftlichen Aspekten nur unzureichend auf den Ansturm der Maschinen vorbereitet seien. Deswegen arbeitet das Unternehmen wie auch seine Mitbewerber intensiv an der Vorbereitung der künftigen Netze und der benötigten Dienste.

 (jar)


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