Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kleine-akkus-berlin-bekommt-offenbar-halbtagsbusse-1906-141788.html    Veröffentlicht: 10.06.2019 10:27    Kurz-URL: https://glm.io/141788

Kleine Akkus

Berlin bekommt offenbar Halbtagsbusse

Berlin wird einem Medienbericht zufolge Probleme mit seinen neuen E-Bussen bekommen. Zum einen ist die Reichweite der Akkus gering und zum anderen werden die Fahrzeuge von einem weit entfernten Betriebshof bereitgestellt. Es gibt aber Lösungen.

Die neue Generation von Berliner E-Bussen hat ein Reichweitenproblem, wie Verkehrsjournalist Thomas Fülling in der Morgenpost schreibt. Die Fahrzeuge lassen sich nur halbtags einsetzen. Zumindest ist das bei den ersten gelieferten Fahrzeugen der Fall. Von vier Bussen sind bereits drei im Einsatz. Sie bedienen überwiegend die Linie 142, die den Leopoldplatz über Hauptbahnhof mit dem Ostbahnhof verbindet. Die Fahrt dauert etwa 42 Minuten.

Doch bereits nach einem halben Tag reicht die Akkukapazität nicht mehr aus und die Fahrzeuge müssen zurück auf den Betriebshof, um die Akkus zu laden. Diese Information hat Fülling von Busfahrern erhalten. Die BVG bestätigte das, verwies aber auf die Testphase, in der sich die Busse derzeit befinden. Sie fahren beispielsweise morgens und dann später noch einmal am Nachmittag bis Betriebsschluss.

Füllings Informationen zufolge kommen die Busse nur auf 140 Kilometer Reichweite. Ein großes Problem ist dabei der weit entfernte Betriebshof in Weißensee. Je nach Einsatzort auf der Linie 142 sind dies allein acht bis neun Kilometer Distanz. Die Linie selbst hat eine Länge von ungefähr 8 Kilometern. Unter Idealbedingungen dürften die Busse unseren Berechnungen zufolge etwas über elf Stunden einsetzbar sein.

Eine Ladeinfrastruktur in der Nähe des Einsatzortes gibt es nicht. Berlins Bombardier-Primove-Busse, die seit Jahren auf der Linie 204 fahren, arbeiten mit Induktionsladeflächen an den Endhaltestellen. Die Busse fahren zwar noch, jedoch es ist um das Primove-Projekt äußerst ruhig geworden. Die neuen E-Busse sind mit Primove nicht kompatibel.

Unklar ist bisher, warum die Linie 142 nicht vom Betriebshof Wedding unweit des Leopoldplatzes aus bedient wird oder wenigstens eine Buslinie in der Nähe von Weißensee als Teststrecke verwendet wird. Die regelmäßigen Fahrten zum Betriebshof sind jedenfalls nicht wirtschaftlich. Der Busverkehr ist für die Akkus zudem anspruchsvoll, da das Wetter die tatsächliche Reichweite bestimmt. Dieselbusse haben diese Reichweitenprobleme nicht. Sie fahren zwischen 600 und 700 Kilometern, bevor der Tank leer ist.

Laut Morgenpost arbeitet die BVG bereits an Lösungen. So soll es neue oder veränderte Linienführungen geben, die besser für E-Busse geeignet sind. Der Einsatz bestimmter Fahrzeuge für besondere Gegebenheiten ist in Berlin allerdings nichts Besonderes. Manche Linien können in Berlin beispielsweise auch nicht von den Doppeldeckern bedient werden, da nicht alle Unterführungen für diese geeignet sind. Auch Gelenkbusse lassen sich nicht überall einsetzen. Mit den E-Bussen kommt offenbar noch etwas Komplexität dazu.

Kritik gibt es zudem an den Kosten. Die Fahrzeuge sind gut doppelt bis dreimal so teuer wie herkömmliche Dieselbusse. Das ruft auch Kritik von Fahrgastverbänden hervor, die das Geld lieber für alte E-Technik wie etwa Straßenbahnen oder Oberleitungsbusse verwenden würden.

Allgemein erwarten ÖPNV-Experten aber, dass die E-Busse durch eine einfachere Wartung Kosten sparen. Die Ladefahrten vom und zum Betriebshof sind aber zusätzliche Kostenfaktoren. Da der Ladevorgang mehrere Stunden dauern kann, braucht es eine größere Flotte an Fahrzeugen, was die effektiven Preise je Einsatzbus noch einmal in die Höhe treibt.

Die E-Busse eignen sich nach derzeitigem Stand damit eher für Linien, die etwa im Schülerverkehr einen hohen Bedarf haben. Auch für Verstärkerfahrten wären sie gut geeignet. Diese werden meist morgens und dann erst wieder abends benötigt. Entsprechende Linien gibt es in Berlin in großer Zahl. Lösungen für eine effiziente Einsatzplanung sollte es also geben.

 (ase)


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