Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kritik-an-nasa-trump-macht-mond-zum-marstrabanten-1906-141781.html    Veröffentlicht: 09.06.2019 13:00    Kurz-URL: https://glm.io/141781

Kritik an Nasa

Trump macht Mond zum Marstrabanten

Erst vor wenigen Tagen hat die Nasa die Aufträge für die Mondlander vergeben. In seiner Kritik an den Plänen zeigt US-Präsident Trump Schwächen in Astronomie oder Grammatik.

US-Präsident Donald Trump hat die Mondlandepläne der US-Raumfahrtbehörde Nasa kritisiert. "Bei all dem Geld, das wir ausgeben, sollte die Nasa NICHT über eine Mondlandung reden. Wir haben das vor 50 Jahren gemacht", twitterte Trump am 7. Juni 2019 und fügte einen Satz hinzu, der nicht nur bei Astronomen zu Stirnrunzeln geführt haben dürfte: "Sie sollten sich auf die viel größeren Sachen konzentrieren, die wir machen, einschließlich Mars (von dem der Mond ein Teil ist), Verteidigung und Wissenschaft!"

Es dauerte erwartungsgemäß nicht lange, bis Twitter-Nutzer den US-Präsidenten auf den Lapsus hinwiesen und ihm erklärten, dass der Mond ein Teil der Erde und nicht des Mars sei. Schwieriger dürfte hingegen die Frage zu klären sein, was hinter der unerwarteten Kritik Trumps an der Nasa steckt und welche Folgen diese haben könnte. Schließlich hatte derselbe Donald Trump noch vor drei Wochen getwittert: "Unter meiner Regierung werden wir die alte Größe der Nasa wiederherstellen und zum Mond zurückkehren, danach zum Mars." Auch hatte er angekündigt, dass der Kongress dazu ein Budget von 1,6 Milliarden US-Dollar bereitstellen solle.

Mond als Sprungbrett zum Mars

Die Nasa hat wiederum Ende Mai bereits drei Aufträge für unbemannte Lander vergeben. Diese sollen die möglicherweise bereits vom kommenden Jahr an wissenschaftliche Experimente und Technik zum Mond transportieren können. So soll der Weg geebnet werden, um bis 2024 wieder US-Astronauten auf den Mond zu bringen.

Wie so häufig könnte der Auslöser für Trumps Tweet ein Beitrag in dessen Lieblingssender Fox News gewesen sein. Darin fragte Moderator Neil Cavuto den Finanzchef der Nasa, Jeff DeWit, warum die Raumfahrtbehörde überhaupt wieder zum Mond fliegen wolle. Schließlich seien die USA schon vor 50 Jahren auf dem Erdtrabanten gewesen. DeWit begründete die Pläne für das Programm Artemis damit, dass ein Flug zum Mars nicht möglich sei, ohne dort eine fast zweijährige Präsenz der Astronauten gewährleisten zu können. Wegen der unterschiedlichen Umlaufbahnen von Mars und Erde sei ein Aufenthalt von mindestens 22 Monaten erforderlich. Deswegen gehe es nun darum, "eine dauerhafte Präsenz auf der Mondoberfläche zu ermöglichen", sagte DeWit und fügte hinzu: "Wir müssen auf dem Mond nachweisen, dass wir dort zuerst eine dauerhafte Präsenz haben."

Nasa-Chef Jim Bridenstine versuchte in einem Tweet, die Bedeutung von Trumps Kritik herunterzuspielen. Der US-Präsident habe damit lediglich gesagt, dass die Nasa den Mond nutzen wolle, um Menschen auf den Mars zu bringen.

Um Geld für das Mondprogramm zu erhalten, will die Nasa sogar die Internationale Raumstation ISS an Privatpersonen vermieten. Fünf Prozent sollen pro Jahr für die kommerzielle Nutzung zur Verfügung stehen, teilt die Behörde am 7. Juni 2019 mit. Das gilt auch für die Nasa-Astronauten, auf deren Arbeitskraft und Expertise die Unternehmen zugreifen können. Sie können aber auch eigene Astronauten auf die Station schicken.

 (fg)


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