Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/europa-mobilfunk-zwei-stunden-lang-ueber-china-telecom-geleitet-1906-141778.html    Veröffentlicht: 09.06.2019 11:26    Kurz-URL: https://glm.io/141778

Europa

Mobilfunk zwei Stunden lang über China Telecom geleitet

Durch einen BGP-Leak haben Nutzer einiger europäischer Mobilfunkträger in der Schweiz und Frankreich starke Verzögerungen erlebt. Kein Wunder, wurden Daten doch anscheinend über den chinesischen Carrier China Telecom geleitet. Das könnte ein Versehen oder Absicht gewesen sein.

Zwei Stunden lang wurde ein Teil des europäischen Mobilfunkverkehrs über den chinesischen internationalen Träger China Telecom weitergeleitet. Der Grund ist ein BGP-Leak in einem Schweizer Rechenzentrum der Firma Safe Host. 70.000 Routen waren aus der internen Routing-Tabelle sichtbar gemacht worden.

"Einige der am meisten betroffenen Träger beinhalten Swisscom (AS3303) aus der Schweiz, KPN (AS1130) aus Holland und Bouygues Telecom (AS5410) und Numericable-SFR (AS21502) aus Frankreich", sagte Doug Madory, Leiter von Oracles Internet Analysis Division. Er ergänzte, dass zwei Stunden eine sehr lange Zeit für einen BGP-Leak seien.

Spionage oder Fehler?

Normalerweise sollten Mobilfunktbetreiber Sicherheitsmechanismen nutzen, welche die Operationen anderer Träger nicht beeinflussen. BGP-Leaks sind nämlich wohl ein Problem, das häufig auftritt und aus diesem Grund eigentlich von den Parteien ignoriert wird. ZDnet geht deshalb davon aus, dass China Telecom den Leak mit Absicht ausgenutzt habe, um daraus Informationen zu ziehen. "Wenn irgendein anderer ISP das Problem verursacht hätte, wäre es sicherlich ignoriert worden. Jedoch war es China Telecom", schreibt das IT-Magazin.

Das Onlinemagazin verweist dabei auf eine wissenschaftliche Arbeit des US Naval War College, die dem chinesischen Träger Spionageversuche durch die Übernahme des Internet-Backbones anderer Länder vorwirft. Auch Madory stimmt diesem Dokument zu, schließt aber andere Fehlerquellen nicht aus. "Das verdeutlicht, dass China Telecom, ein großer internationaler Anbieter, noch immer weder die notwendigen Routing-Sicherheitsmaßnahmen [...] noch die entsprechenden Prozesse und Prozeduren implementiert hat", sagt er.

 (on)


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