Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/elon-musk-ein-autonomes-auto-kann-sich-jeder-leisten-1906-141665.html    Veröffentlicht: 04.06.2019 07:57    Kurz-URL: https://glm.io/141665

Elon Musk

Ein autonomes Auto "kann sich jeder leisten"

Tesla-Chef Elon Musk hat in einem Podcast eine Stunde lang aus dem Nähkästchen geplaudert. Er nannte einige Details zum geplanten Pick-up und dem autonomen Fahren - und sprach über das mangelnde Interesse der Konkurrenz an der Supercharger-Infrastruktur.

Der Chef des Elektroautoherstellers Tesla, Elon Musk, erwartet künftig für Autokäufer keine Probleme mehr bei der Finanzierung ihrer Fahrzeuge. Mit der Einführung des autonomen Fahrens werde sich die Wirtschaftlichkeit der Autos "dramatisch verändern", sagte Musk in einem Interview mit dem Podcast-Angebot Ride the Lightning (MP3). Es werde für die Finanzierung eines Model 3 völlig ausreichen, damit 100 US-Dollar in der Woche durch die Vermietung einzunehmen. "Wer kann sich das nicht leisten?", fragte Musk und fügte hinzu: "Solange man bereit ist, sein Auto Fahrdienste übernehmen zu lassen, kann sich das jeder leisten."

Musk hat wiederholt angekündigt, dass die Tesla-Modelle in absehbarer Zukunft vollautonom ohne Fahrer unterwegs sein können. Das erhöhe den Wert eines Autos um das Fünffache, sagte Musk nun. Die Fahrzeughalter könnten dann ihre Fahrzeuge als autonome Taxis vermieten und damit Geld verdienen. Dieses Konzept könne sogar für Fahrer der Mitfahrdienste Uber oder Lyft interessant sein, sagte Musk. Anstatt selbst zu fahren, könnten sich die Uber-Fahrer einige Tesla-Autos anschaffen und diese für sich fahren lassen.

Entwicklung von Elektroautos erst am Anfang

Dann könnten sie sich um die Wartung der Autos kümmern und die Flotte managen. "Das ist deutlich besser", sagte Musk, "wie ein Schäfer, der eine Herde hütet". Allerdings ließ Musk unerwähnt, dass Fahrdienste wie Uber und Lyft selbst autonome Autos entwickeln wollen. Inwieweit dann noch private Halter ihre eigenen autonomen Autos über die Fahrdienste anbieten können, bleibt abzuwarten. Ebenfalls unklar ist, ob die Tesla-Modelle tatsächlich über die erforderliche Sensorausstattung verfügen, um ein sicheres autonomes Fahren zu ermöglichen. Vor allem der Verzicht auf Lidare und zusätzliche Radare könnten sich als Problem herausstellen.

In dem einstündigen Gespräch berichtete Musk vor allem über die Herausforderungen bei der Entwicklung der bisherigen Tesla-Modelle. Es sei immer noch nicht möglich, ein Elektroauto mit den Funktionen eines Verbrenners zum gleichen Preis zu bauen. Dazu sei der Entwicklungsvorsprung noch viel zu groß. Die Entwicklung der Elektroautos stehe noch ganz am Anfang.

Futuristischer Pick-up unter 50.000 Dollar

Allerdings gab Musk auch einige Details zu der Konzeption der geplanten SUV-Version Model Y und des Pick-up-Trucks preis. Demnach soll der Pick-up für weniger als 50.000 US-Dollar auf den Markt kommen und über "unglaubliche Funktionen" verfügen. "Aber er wird nicht wie ein normaler Lkw aussehen. Er sieht ziemlich nach Science-Fiction aus", sagte Musk. Daher werde er nicht jedem gefallen. Der Truck sei nichts für Leute, die einen Pick-up haben wollten, wie er in den vergangenen Jahrzehnten gebaut worden sei. Zu Beginn der Automobilgeschichte habe es aber auch Menschen gegeben, die an ihren Pferdekutschen festgehalten hätten.

Was die Funktionen betreffe, so werde der Tesla als Lkw besser als der Ford F150 und als Sportwagen besser als eine Standardversion des Porsche 911 sein. Er sei eine Art Blade-Runner-Truck, sagte Musk in Anspielung auf die Science-Fiction-Filme. Von dem Fahrzeug wurden bislang keine vollständigen Entwürfe veröffentlicht, lediglich die Skizze einer Frontansicht.

Musk räumte allerdings ein, dass es nicht sinnvoll sei, neue Produkte auf den Markt zu bringen, wenn dafür nicht ausreichend Batterien hergestellt werden könnten. Selbst nachdem im vergangenen Jahr die gesamte Batteriekapazität auf das Model 3 konzentriert worden sei, seien Tesla oft die Akkus ausgegangen. "Wir wollen sicherstellen, dass das nicht noch einmal passiert", sagte Musk. Wenn das Model Y jetzt schon auf den Markt käme, könnten gar keine zusätzlichen Autos gebaut werden, weil es keine Batteriezellen dafür gäbe.

Niemand will Supercharger mitnutzen

Doch nicht nur bei den Autos, auch bei der Ladeinfrastruktur ist Tesla bislang noch der Konkurrenz voraus. Von den etablierten Herstellern habe es bislang noch keinen Versuch gegeben, die weltweiten Schnellladestationen von Tesla mitnutzen zu können. "Niemand hat mich kontaktiert", sagte Musk, "vielleicht andere Leute in der Firma, die mir nichts davon gesagt haben. Aber kein anderer Hersteller hat mich kontaktiert, um zu sagen, dass sie sie nutzen wollen." Die deutschen Hersteller versuchen stattdessen, mit Ionity in Europa ein eigenes Schnellladenetz aufzubauen.

Ein Audi-Manager zeigte sich sogar offen für eine Kooperation mit Tesla auf Basis des Ladestandards CCS, auf den Tesla inzwischen seine Ladesäulen umrüstet. Doch eine Anfrage ist offenbar nicht erfolgt. Eine solche Kooperation würde gerade auf Langstrecken vielen Elektroautofahrern einen großen Vorteil bringen.  (fg)


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