Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/netzwerk-linux-kernel-verliert-sehr-viel-alte-isdn-technik-1906-141638.html    Veröffentlicht: 03.06.2019 09:57    Kurz-URL: https://glm.io/141638

Netzwerk

Linux-Kernel verliert sehr viel alte ISDN-Technik

In einem als "längst überfällig" bezeichneten Schritt haben die Linux-Entwickler sehr viel alte ISDN-Technik aus dem Kernel entfernt. Ein Teil der Funktion soll aber erhalten bleiben.

Der Linux-Kernel-Entwickler Arnd Bergmann hat mehrere Patches eingereicht, die Tausende Zeilen Code zur ISDN-Unterstützung im Kernel entfernen. Der für den Netzwerk-Stack zuständige Betreuer David Miller hat die Patches in seinen Zweig eingepflegt, sodass nun nur noch ein kleiner Teil der Funktion erhalten bleibt. Erstmals stabil veröffentlicht wird diese Änderung wohl mit Linux 5.3, das Mitte September erscheinen könnte.

Laut Bergmann gründet die Entscheidung auf einer Diskussion aus dem vergangenen Jahr und wird nun schlicht von dem Entwickler selbst umgesetzt. Immerhin werden die letzten öffentlichen ISDN-Netze von den Betreibern abgeschaltet. Angeregt wurde dieser Schritt von dem langjährigen Linux-Entwickler Karsten Keil, der für ISDN zuständig gewesen ist. Auch Miller bezeichnet diesen Schritt in einer E-Mail-Diskussion als "längst überfällig".

Im Linux-Kernel gibt es drei verschiedene ISDN-Stacks: ISDN4Linux, CAPI, und mISDN. Laut Bergmann verwenden die meisten Nutzer der Kernel-Treiber mISDN, die vor allem für interne Telefonanlagen verwendet wird, nur zur Sprachübertragung dient und eben keine öffentliches Netz benötigt. Die älteren Implementierungen wiederum bieten weitere Funktionen wie Daten-Netze, deren Unterstützung ohne öffentliches Netz aber keinen Sinn ergibt.

ISDN4Linux wird nun also komplett aus dem Kernel entfernt. Einige Treiber für CAPI werden zunächst in den Staging-Zweig von Linux verschoben, sodass verbliebene Nutzer diese zunächst zwar weiter verwenden können, sich dazu aber auch öffentlich äußern sollten. Lediglich die Unterstützung von CMTP zur Übertragung von CAPI-Nachrichten per Bluetooth wird weiter gepflegt und bleibt deshalb erhalten.  (sg)


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