Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sammelklage-nutzer-koennen-laut-facebook-keine-privatsphaere-erwarten-1906-141630.html    Veröffentlicht: 01.06.2019 13:42    Kurz-URL: https://glm.io/141630

Sammelklage

Nutzer können laut Facebook keine Privatsphäre erwarten

In einer Sammelklage gehen Nutzer gegen Facebook im Skandal um Cambridge Analytica vor. Das soziale Netzwerk will jedoch keinen Schaden seiner Mitglieder durch die Datenweitergabe anerkennen.

Facebook bestreitet die in einer Sammelklage erhobenen Ansprüche von Nutzern auf den Schutz der Privatsphäre. "Es gibt keine Verletzung der Privatsphäre, da es überhaupt keine Privatsphäre gibt", sagte Facebook-Anwalt Orin Snyder laut US-Medienberichten in einer Anhörung am 29. Mai 2019 vor einem Bezirksgericht in Kalifornien. Daher habe das Unternehmen auch im Skandal um die Analysefirma Cambrigde Analytica nicht gegen Datenschutzvorgaben verstoßen. Es gebe bei sozialen Medien "keine vernünftige Erwartung auf Datenschutz".

Die Sammelklage gegen Facebook war im vergangenen Jahr nach Bekanntwerden des Datenschutzskandals gestartet worden. Von der unrechtmäßigen Weitergabe personenbezogener Daten an Cambridge Analytica sollen weltweit bis zu 87 Millionen Nutzer betroffen gewesen sein, davon etwa 310.000 in Deutschland. Die Analysefirma hatte die Daten von dem Unternehmen Global Science Research (GSR) erhalten, das eine entsprechende App entwickelt und die Daten der App-Nutzer und deren Facebook-Freunden gesammelt hatte.

Datenweitergabe ohne Zustimmung?

Facebook wird in der 424-seitigen erweiterten Klageschrift (PDF) vorgeworfen, die persönlichen Daten der Nutzer ohne deren Zustimmung an Drittanbieter weitergegeben zu haben. Dadurch sei den Nutzern unter anderem Schaden durch "hoch aggressives, schädliches und invasives psychografisches Marketing" entstanden.

Facebook weist die Vorwürfe hingegen zurück und zweifelt unter anderem die Klageberechtigung der Nutzer an. In einer 59-seitigen Entgegnung auf die Klage (PDF) heißt es ebenfalls unter Verweis auf andere Fälle: "Die Kläger haben keine vernünftige Erwartung auf Datenschutz geltend gemacht, weil sie einer Veröffentlichung zugestimmt haben." Facebook verweist zudem darauf, dass den Nutzern genau erklärt worden sei, wie ihre Daten geteilt und zu Werbezwecken verwendet würden.

Facebook verweist auf Datenschutzerklärungen

Mit Blick auf die App von Global Science Research wird darauf hingewiesen, dass die Nutzer im besagten Zeitraum über die Weitergabe ihrer Daten und diejenigen ihrer Freunde hingewiesen worden seien. Damals habe es in den Datenschutzbestimmungen geheißen: Alles, was mit Freunden geteilt werde, könne von diesen wiederum mit anderen geteilt werden. Generell vertritt Facebook die Auffassung, dass die Nutzer mit der Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen sämtliche Datenweitergabepraktiken akzeptiert hätten. Zudem habe Facebook in seiner Erklärung der Rechte und Pflichten ausdrücklich jegliche Verantwortung für die Praktiken von Drittanbietern abgelehnt.

In einer ersten Anhörung im sogenannten Vorverfahren hatte sich Richter Vince Chhabria laut US-Medienberichten eher skeptisch gegenüber der Klage gezeigt und eine Ergänzung der ursprünglichen Klageschrift gefordert. In der zweiten Anhörung der vergangenen Woche sollte unter anderem geklärt werden, wie ernsthaft ein Datenschutzverstoß ist, wenn Daten anstatt mit Facebook-Freunden mit beliebigen Drittanbietern geteilt werden können. "Ist Facebook wirklich der Ansicht, dass dies nicht ernst genug ist, um einen Anspruch auf Verletzung der Privatsphäre nach kalifornischem Recht zu erheben? Oder behauptet Facebook lediglich, dass dies in diesem Fall nicht zugetroffen hat?", wollte Richter Chhabria in der Verhandlung klären (PDF).  (fg)


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