Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ublock-und-privacy-badger-google-schraenkt-werbeblocker-in-chrome-ein-1906-141627.html    Veröffentlicht: 01.06.2019 09:02    Kurz-URL: https://glm.io/141627

Ublock und Privacy Badger

Google schränkt Werbeblocker in Chrome ein

Google schafft die Grundlage von Ublock Origin, Umatrix und Privacy Badger im Chrome-Browser de facto ab. Nach eigenen Angaben, um die Leistung zu verbessern. Der Mutterkonzern Alphabet nennt Werbeblocker allerdings eine Bedrohung für Googles Geschäftsmodell.

Google baut die Schnittstellen und Regelungen für Chrome-Erweiterungen um und behindert damit modernes Tracking- und Werbeblocking. Bereits im Januar wurde der Entwurf für das neue Regelwerk Manifest V3 massiv kritisiert. Google betonte, es handle sich nur um einen Entwurf, nichts sei in Stein gemeißelt. In einem Google-Groups-Post antwortete der Browser-Hersteller auf die Kritik von Entwicklern und Bürgerrechtsorganisationen wie der Electronic Frontier Foundation (EFF).

Es bleibt dabei: "Chrome schafft die Blockierfunktion der webRequest API mit dem Manifest V3 ab, nicht aber die komplette webRequest API (für Enterprise-Installationen wird die Blockierfunktion allerdings weiterhin zur Verfügung stehen)," schreibt der Google-Mitarbeiter Simeon Vincent in einem Update zum Manifest V3. Erweiterungen sollen künftig Browseranfragen nur noch lesen, nicht jedoch blockieren, modifizieren oder umleiten können. Genau auf diese Funktionen setzen jedoch etwa die Tracking- und Werbeblocker Ublock Origin, Umatrix und Privacy Badger, um ihre Filterfunktionen zu realisieren. Interessanterweise soll die Funktion jedoch für die Unternehmensversion des Chrome Browsers weiterhin zur Verfügung stehen.

Schlechte Alternative

Als Alternative soll die declarativeNetRequest API eingeführt werden. Die Filterung der Browseranfragen übernimmt bei dieser Schnittstelle der Browser für die Erweiterung, die keinen Zugriff mehr auf die Anfragen erhält. Mit dieser lassen sich allerdings nach Googles aktuellen Plänen nur 30.000 bis 40.000 Elemente filtern. Allein die weitverbreitete Easylist beinhaltet jedoch schon über 90.000 Elemente. Mit Ublock Origin können mehrere solcher Filterlisten kombiniert werden, mit denen Werbung und Tracking, aber auch Domains mit Schadsoftware einfach ausgefiltert werden können.

Auf die Zahlen möchte sich Google jedoch noch nicht verbindlich festlegen. "Wir planen, diese Werte zu erhöhen, aber wir können die Zahlen nicht aktualisieren, solange wir nicht Leistungstests durchgeführt haben, um eine gute Obergrenze zu finden, die auf allen unterstützten Geräten funktioniert", schreibt Vincent.

Google sieht Werbeblocker als Geschäftsrisiko an

Der Entwickler der Tracking- und Werbeblocker Ublock Origin und Umatrix Raymond Hill (auch bekannt als Gorhill) hält Googles Argumentation für vorgeschoben: "Webseiten laden langsam, weil sie überladen sind und nicht, weil die webRequest API blockiert." Wären wirklich Performanceprobleme der Hintergrund der Entscheidung, könnten die Entwickler auch einfach den Ansatz von Firefox übernehmen.

Das Blockieren von Werbung widerspricht direkt dem Geschäftsmodell von Google. Im Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht nennt Googles Mutterkonzern Alphabet Werbeblocker als direkte Bedrohung: "Die meisten unserer Google-Einnahmen stammen aus Gebühren, die im Zusammenhang mit der Schaltung von Online-Anzeigen an uns gezahlt wurden. Infolgedessen könnten solche Technologien und Tools unsere Betriebsergebnisse beeinträchtigen." Auch Hill zitiert den Bericht auf Github.

Werbe- und Trackingblocker gehören zu den beliebtesten Browser-Erweiterungen, diese habe Google erlauben müssen, um seine Nutzerbasis zu erreichen, sagt Hill. Allein Ublock Origin hat laut dem Chrome Webstore über 10 Millionen Nutzer. "Die Strategie von Google bestand darin, den optimalen Punkt zwischen den beiden Zielen zu finden, die Nutzerbasis von Google Chrome zu vergrößern und zu verhindern, dass Content-Blocker das Unternehmen schädigen." Mit Mozillas Browser Firefox wird Ublock Origin, Umatrix und Privacy Badger auch weiterhin funktionieren.  (mtr)


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