Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vaio-notebook-sx14-im-test-nur-gucken-nicht-anfassen-1905-141462.html    Veröffentlicht: 29.05.2019 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/141462

Vaio-Notebook SX14 im Test

Nur gucken, nicht anfassen

Viele Anschlüsse, eine exzellente Tastatur und ein leichtes, edel aussehendes Gehäuse. Das Vaio SX14 bringt die Marke direkt aus Japan zurück nach Europa. Allerdings sollte das Business-Notebook nicht zu grob behandelt werden - wie schon der Vorgänger aus dem Jahr 2013.

Japanische Traditionen stehen für Tätigkeiten, die seit Jahrhunderten perfektioniert und kaum verändert werden: die Teezeremonie, Messerschmieden oder Architektur. Das ließe sich auch auf die japanische Traditionsmarke Vaio übertragen, die sich anscheinend seit ihrem Verschwinden von europäischen Märkten kaum verändert hat. Wie das feudale Japan sind die teuren, aber hochwertigen Business-Notebooks hierzulande fast in Vergessenheit geraten. Auch Golem.de hat den letzten Vertreter der Reihe im Jahr 2013 getestet - die 11-Zoll-Version.

Seit einiger Zeit werden die Produkte aber wieder angeboten. Vertreiber in Deutschland ist Trekstor, der einen Großteil seines Umsatzes eigentlich mit niedrigpreisigen Geräten macht. Das von Golem.de getestete Vaio SX14 ist mit einem Preis von mindestens 2.000 Euro - in der uns vorliegenden Konfiguration 2.500 Euro - das genaue Gegenteil. Dafür erhalten Anwender ein 14-Zoll-Notebook mit Full-HD-Auflösung, Intel Core i7-8565U, 16 GByte RAM und 512-GByte-NVMe-SSD.

Trekstor importiert den Bestand übrigens direkt aus der japanischen Fabrik in Azumino und ist laut eigenen Aussagen in der Produktion, bis auf Qualitätschecks nach der Lieferung, nicht involviert. Mit dem Produkt kommen unter anderem deshalb die positiven, aber auch die negativen Traditionen der Marke zurück. Wir sind wie das Japan in der Sengoku-Ära gespaltener Meinung. Auf jeden Fall eignet sich die Hardware als Linux-Maschine.

Das Gehäuse des Vaio SX 14 erinnert bis auf kleine Designänderungen sehr stark an ältere Geräte dieser Marke wie etwa das Vaio Pro 11 und 13, die noch von Sony produziert wurden. Am auffälligsten ist dies beim Klappmechanismus für den Displaydeckel, der im geöffneten Zustand die Tastatur leicht anhebt, was das Tippen etwas bequemer macht.

Eine ähnliche Mechanik bieten zum Beispiel auch Laptops von Asus oder das Surface Pro von Microsoft. Wir hatten in der Redaktion ein Vaio Pro 13 mehr als vier Jahren in Benutzung und an der Designsprache der Marke hat sich auch darüber hinaus nicht wirklich viel gerändert.

Die mit dem Vaio Pro 13 gesammelten Erfahrungen wecken bei uns jedoch wegen dieser Ähnlichkeit etwas Skepsis gegenüber dem SX 14. Denn auch das aktuelle Gerät ist - wie für die Marke seit Jahren üblich - äußert filigran ausgearbeitet und auf das geringe Gewicht hin optimiert.

Wir gehen davon aus, dass sich entsprechend schnell kleine unansehnliche Kratzer in der Oberfläche aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (Carbon) zeigen. Vor allem bei dem häufigen Transport zwischen Außenterminen und Redaktion hatte das Vaio Pro schnell hässliche Kratzer. Und auch das Vaio SX14 hat nach wenigen Tagen in der Redaktion schon kleine, wenn auch unauffällige Beschädigungen am Deckel.

Außerdem ist das Gehäuse nicht besonders verwindungssteif und der Rechner gibt auch schon bei leichtem Druck auf den Deckel, den Boden oder die Flächen neben der Tastatur spürbar nach. Das Vaio Pro mussten wir letztlich ausmustern, weil sich das Gehäuse dauerhaft verzogen hatte und sich eine Lötstelle zum Befestigen des Lüfters gelöst hatte. Der Lüfter schleifte so an seinem Gehäuse und stellte schnell den Dienst ein. Zwar ist beim SX14 solch ein Ende nicht vorprogrammiert, großes Vertrauen in die langfristige Stabilität des Gehäuses haben wir aber trotzdem nicht.

Dafür hat das neue SX14 ein 14-Zoll- statt ein 13,3-Zoll-Display. Die Auflösung entspricht mit 1.920 x 1.080 Pixeln dem derzeitigen Standard. Gut ist, dass der Bildschirm entspiegelt ist. Ein Nachteil ist nämlich, dass die maximale Helligkeit nicht gerade hoch ist. Wir messen maximal 242 cd/m². Das Notebook eignet sich also eher für die Arbeit in Räumen statt im Park.

Ebenfalls Kritik müssen wir am winzigen Touchpad des Vaio SX14 anbringen. Dieses fühlt sich selbst nach tagelangem Nutzen irgendwie nicht richtig an. Die physischen Tasten nehmen zusätzliche Sensorfläche ein. Außerdem ist unterhalb der Tastatur sichtlich genug Platz für ein größeres Trackpad. Möglicherweise ist das für Japaner kein wichtiges Merkmal. Für uns funktioniert das allerdings nicht.

Die Tastatur hingegen ist, wie schon vor vielen Jahren, noch immer exzellent. Das Chiclet-Design ist dem Vorgänger recht ähnlich. Die Tasten haben einen relativ großen Abstand zueinander, was Fehler beim Schreiben minimiert. Der Druck ist angenehm definiert und fühlt sich nicht zu steif oder zu schwammig an - genau richtig für Vielschreiber. Die kleinere Return-Taste im US-Stil ist ein kleiner Kritikpunkt, genauso wie das Fehlen eines Schalters zum Steuern der Tastaturbeleuchtung.

Unterwegs ist die gute Tastatur nur bedingt hilfreich, wenn wir nach ungewöhnlich kurzer Zeit eine Steckdose suchen müssen.

Da hätte auch ein größerer Akku hineingepasst

Die Hardware des Notebooks erreichen wir auf ungewöhnliche Weise, indem wir die Tastaturschale nach dem Lösen der Schrauben an der Unterseite anheben. Im Inneren steckt die auf dem Papier potente Hardware: Der Core i7-8560U mit vier Kernen und acht Threads befindet sich unterhalb der Heatpipe, die wiederum unter einem Metallkäfig angebracht ist. Die NVMe-SSD, das WLAN- und das LTE-Modul sind von der Oberseite aus zugänglich. Der Arbeitsspeicher ist hingegen fest verlötet und daher nicht erweiterbar.

Auffällig ist der großzügige Platz an der linken und rechten Seite des vergleichsweise kleinen 35-Wattstunden-Akkus. Hier hätte sicherlich ein größerer Energiespeicher hineingepasst. Womöglich will Vaio das Gewicht möglichst gering halten, was diese Komponente erklären würde. Allerdings ist die Akkulaufzeit damit nur unterdurchschnittlich gut.

Bei einer Displayhelligkeit von 200 cd/m² und aktiviertem WLAN messen wir gerade einmal 2:45 Stunden im PCMark8 mir der Voreinstellung Home Conventional. Der Benchmark simuliert Webbrowsing, Schreibarbeiten, Videochat und Casual Gaming. Aber auch im weniger fordernden Powermark-Benchmark in der Productivity-Einstellung sind es nur knapp 5:12 Stunden, im kompletten Leerlauf etwas weniger als sieben Stunden. Das sind nicht sehr überzeugende Werte. Trekstor versichert, dass die Akkulaufzeit nach einer gewissen Zeit besser werden soll, da sich das Leistungsprofil der Akkunutzung anpasse - beispielsweise durch Anpassen des Powerbudgets der CPU. Nach mehrmaligem Wiederholen der Tests bestätigen sich aber unsere ursprünglichen Messungen. Zumindest im Ersteindruck müssen wir das kritisieren.

Solide Leistung für das Büro

Unser Testmuster ist mit seinem Intel Core i7-8565U der Generation Whiskey Lake gut ausgestattet. Die acht Threads bewältigen herkömmliche Schreibarbeiten und Webbrowsing sehr zufriedenstellend. Die 16 GByte RAM ermöglichen auch das Bearbeiten von hochauflösenden Bildern in Programmen wie Adobe Photoshop CC. Videoschnitt ist allerdings nicht empfehlenswert.

Der Lüfter des Vaio SX14 ist zwar nur im Leerlauf wirklich nicht zu hören. Auch unter Last dreht er aber nicht unangenehm hörbar auf. Das stellen wir auch im Multicore-CPU-Benchmark Cinebench R15 fest, bei dem wir übrigens etwa 519 Punkte messen. Das ist weniger, als wir erwartet hätten, lässt sich aber erklären: Die leise Lüftung hat eine geringere Kühlleistung. Die CPU erreicht daher schnell den Grenzwert von 95 Grad und taktet bei Dauerlast danach konstant bei 2,2 GHz GHz.

Diese Entscheidung finden wir sinnvoll, da sich das Vaio SX14 klar an Kunden richtet, die ihr System zum Schreiben, Webbrowsing und für die Tabellenkalkulation nutzen. Dauerlast auf allen Kernen ist für die diese Szenarien unrealistisch und ein generell leiser Betrieb stört dabei weniger.

Die 512 GByte große NVMe-SSD ist definitiv ein Plus: Vaio verbaut eine PM981 von Samsung, die sich bisher gut bewährt hat. Das bestätigen die Werte, die wir mit dem Diskbenchmark Crystaldiskmark auslesen. Maximal 3.379 MByte/s im Lesen und 1.891 MByte/s im Schreiben sind sehr gute Werte.

Die Hardware ähnelt anderen Geräten wie dem Matebook 13 oder dem Dell XPS 13 (9380). Daher sind wir zuversichtlich, dass sich auch das Vaio SX14 gut als Linux-Gerät eignet.

Erwartet gute Linux-Kompatibilität

Weil das Vaio SX14 wie zum Beispiel auch das Matebook 13 von Huawei oder das aktuelle XPS 13 (9380) von Dell auf der Whiskey-Lake-Plattform von Intel aufbaut, ist die Linux-Unterstützung wie erwartet gut. Immerhin hat sich die CPU-Architektur von Intel seit Jahren im Prinzip nicht geändert und auch die verbaute integrierte GPU ist schon länger verfügbar, so dass die Treiberunterstützung hier als durchaus ausgereift gilt.

Anders als etwa zunächst beim Test des XPS 13 haben wir bei dem Vaio SX14 mit der für die Tests vorbereiteten SSD mit Ubuntu 18.04 keine Probleme. Diese wird nach dem Einbau anstandslos erkannt und das freie System startet auf dem Rechner wie gewünscht.

Zusätzlich zu CPU und GPU läuft auch die Peripherie des Gerätes unter Linux ohne Probleme. So können wir das GBit-Ethernet verwenden, ebenso WLAN und den SD-Karten-Steckplatz. Die Ausgabe von Displayport-Videosignalen per USB-Alternate-Mode funktioniert zwar erst nach einem Update, dann aber auch fehlerfrei. Ebenso kann die Tastatur mit den F- und Sondertasten sofort unter Linux eingesetzt werden.

Von Vaio nicht unterstützt wird der Linux-Vendor-Firmware-Service (LVFS), mit dem Linux-Nutzer die Firmware ihrer Rechner wie das UEFI einfach aktualisieren können. Genutzt werden kann der Dienst zurzeit mit Laptops der weltweit größten Hersteller Dell, HP und Lenovo, aber eben kaum mit Geräten anderer namhafter Anbieter.

Was uns im Vergleich zu den anderen beiden erwähnten Geräten, dem Huawei Matebook 13 und dem Dell XPS 13 (9380) etwas irritiert, ist die Leistungsaufnahme. Während wir bei der Konkurrenz im Idle-Betrieb bei aktiviertem WLAN und einer Bildschirmhelligkeit von 50 Prozent knapp 4 Watt messen, beträgt der Wert beim Vaio SX14 minimal 6 Watt. Dieser Unterschied ist in Anbetracht des relativ kleinen Akkus und der Tatsache, dass weiterhin die Unterstützung für die besonders tiefen Schlafmodi des Intel-Packages fehlen, kein guter Wert.

Verfügbarkeit und Fazit

In Deutschland gibt es das SX14 in der von uns getesteten Konfiguration für 2.500 Euro, es wird in Japan gebaut und von Trekstor weiterverkauft. Der Einstiegspreis mit 8 GByte RAM, 256-GByte-SSD und Core i5-8265U liegt bei immer noch 2.000 Euro. Interessant ist, dass baugleiche Geräte in den USA bei 1.300 US-Dollar starten. Entweder verlangt Trekstor eine große Gewinnmarge, oder der Import nach Europa ist teurer. Gekauft wird das Produkt nicht bei Trekstor selbst, sondern etwa auf der deutschsprachigen Vaio-Webseite. Dort lässt sich das Gerät auch mit optionalem 4K-Display bestellen.

Fazit

Der Nostalgiefaktor und der nach langer Verkaufspause fast schon vergessene gute Ruf der Marke Vaio machen das SX14 zu einem auf den ersten Blick interessanten Gerät. Optisch ist das teure Businessnotebook hochwertig, und die vielen Anschlüsse - drei USB-A-Buchsen, USB Typ-C, HDMI, Ethernet und VGA - vermitteln den Eindruck eines sehr praktischen Laptops. Auch das LTE-Modul ist ein Plus.

Sobald wir das nur 1.008 Gramm schwere Chassis in die Hand nehmen, wird allerdings klar: Das Notebook muss möglichst zärtlich behandelt werden. Das Material aus Aluminium und Carbon ist gegenüber Kratzern recht empfindlich. Auch lässt sich das Gehäuse an einigen Stellen spürbar leicht eindrücken oder verbiegen.

Sehr positiv können wir die Tastatur des SX14 hervorheben, die klar vom Vorgänger inspiriert ist. Das Chiclet-Design und der gute Anschlag ermöglichen auch das Schreiben von langen Texten. Wäre da nicht das mickrige Touchpad, bei dessen Nutzung wir uns eine externe Maus herbeisehnen, wären die gegebenen Eingabemöglichkeiten perfekt geeignet.

Obwohl das Gehäuse des SX14 mit den Maßen des Vaio Pro aus dem Jahr 2013 vergleichbar ist, steckt im aktuellen Modell ein entspiegeltes 14-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung. Mit maximal 242 cd/m² leuchtet dies allerdings nur für Innenräume hell genug.

Vaios Entscheidung, den Akku zugunsten eines geringen Gewichtes möglichst klein zu halten, können wir nicht nachvollziehen. In unseren Benchmarks erreichen wir unter moderater Last gerade einmal 2:45 Stunden, bei leichter Last 5:25 Stunden und mit gutem Willen im Leerlauf etwas weniger als 7:00 Stunden. Dabei wird beim Öffnen des Gerätes klar, dass ein größerer Akku hineingepasst hätte.

Die Leistung des Core i7-8565U, der 16 GByte RAM und der 512-GByte-Samsung-SSD sind hingegen gut. Für einen erfreulich leisen Betrieb unter Vollast geht allerdings etwas Leistungspotential der Vierkern-CPU verloren. Das ist für die Szenarien, in denen das Notebook wirklich genutzt wird, nicht schlimm.

Wir hatten in unserem Test keine Probleme mit der Linux-Distribution Ubuntu 18.04. Das Notebook eignet sich also gut als Linux-Maschine. Einzig die etwas höhere minimale Leistungsaufnahme der CPU im Vergleich zu anderen Linux-kompatiblen Geräten ist mit 6 statt 4 Watt höher. Das kann bei dem an sich schon kleinen Akku ein Problem werden.

Das Vaio SX14 hat ein entscheidendes Problem: Es ist viel zu teuer. Für 2.500 Euro gibt es diverse Alternativen, die zwar nicht so edel aussehen, VGA einsparen oder mehr wiegen, dafür aber längere Akkulaufzeiten, bessere Displays und ein stabileres Gesamtpaket aufweisen, das nicht mit Samthandschuhen angefasst werden muss. Uns fallen da Geräte wie das Fujitsu Lifebook U937, Dynabooks Portégés oder eines der vielen Thinkpad-Geräte ein.  (on)


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