Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/untersuchungsbericht-weiterer-toedlicher-unfall-mit-teslas-autopilot-1905-141369.html    Veröffentlicht: 20.05.2019 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/141369

Untersuchungsbericht

Weiterer tödlicher Unfall mit Teslas Autopilot

Ein tödlicher Unfall mit einem Tesla Model 3 ähnelt stark einem früheren Crash mit einem Model S. Auch in diesem Fall hat der "Autopilot" offenbar einen querenden Lkw nicht erkannt.

Bei einem tödlichen Unfall mit einem Tesla Model 3 im US-Bundesstaat Florida hat der Fahrer sich offenbar zu sehr auf die Fähigkeiten der Assistenzsysteme verlassen. Aus einem vorläufigen Unfallbericht der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB geht hervor (PDF), dass der Fahrer zehn Sekunden vor der Kollision mit einem querenden Sattelschlepper den sogenannten Autopiloten aktiviert habe. In den letzten acht Sekunden vor dem Unfall habe der Fahrer nicht mehr die Hände am Lenkrad gehabt.

Der Unfall vom 1. März 2019 erscheint wie die Kopie eines fatalen Crashs mit einem Tesla Model S vom Mai 2016, der sich ebenfalls in Florida ereignet hatte. In beiden Fällen fuhren die Elektroautos auf einem mehrspurigen Highway, der von anderen Fahrzeugen jedoch gequert werden kann. Bei beiden Unfällen fuhren die Autos mit überhöhter Geschwindigkeit unter dem Auflieger eines kreuzenden Sattelschleppers hindurch.

Model 3 mit neuer Sensorausstattung

Dem NTSB-Bericht zufolge war auf dem Abschnitt des Highways 411 bei Delray Beach eine Geschwindigkeit von knapp 90 Kilometern pro Stunde (55 Meilen/h) erlaubt. Den Daten zufolge sei der Tesla jedoch mit gut 110 km/h (68 Meilen/h) unterwegs gewesen, als er mit dem Lkw kollidierte. Weder die vorläufigen Daten noch die Aufzeichnungen einer Überwachungskamera und des Autos deuteten darauf hin, dass Fahrer oder Auto versucht hätten, dem Lkw auszuweichen.

Auch bei dem tödlichen Unfall vor drei Jahren hatten die Sensorsysteme des Model S den querenden Lkw nicht erkannt. Als Grund dafür wurde unter anderem angegeben, dass die Kameras des Systems durch die tiefstehende Sonne geblendet worden sein könnten. Zudem hatte Kameralieferant Mobileye eingeräumt, dass seine Systeme nicht dafür ausgelegt gewesen seien, Querverkehr zu erkennen.

Tesla verweist auf Unfallreport

Das Model 3 verfügt hingegen über ein neues Sensorpaket, das Tesla im Oktober 2016 vorgestellt hatte. Anders als andere Hersteller verzichtet Tesla dabei auf eine redundante Umfelderkennung durch Laserscanner. Zudem wird neben acht Kameras nur ein einziges Radar eingesetzt.

In einem Statement für das US-Portal Ars Technica schrieb eine Tesla-Sprecherin: "Wir sind sehr traurig über diesen Unfall und denken an alle, die von dieser Tragödie betroffen sind." Tesla-Fahrer hätten bei eingeschaltetem Autopiloten mehr als eine Milliarde Meilen zurückgelegt. Die Daten zeigten, dass Fahrer bei einer ordnungsgemäßen Verwendung des Autopiloten sicherer unterwegs seien als ohne das Assistenzsystem. Dem jüngsten Unfallbericht zufolge ereignete sich pro 2,87 Millionen gefahrener Meilen im ersten Quartal 2019 ein Unfall mit eingeschaltetem Autopiloten. Bei ausgeschaltetem System passierte alle 1,76 Millionen Meilen ein Crash.

Die Tesla-Statistik lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres als Beleg werten, dass das Fahren im Autopilot-Modus sicherer ist. Denn die Systeme wie der Abstandsregeltempomat mit Lenkassistent (Autopilot) sollen eigentlich nur auf Autobahnen oder autobahn-ähnlichen Straßen aktiviert werden. Gemessen an den gefahrenen Kilometern gelten Autobahnen jedoch als sicherster Straßentyp.  (fg)


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