Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/chromium-der-neue-edge-browser-koennte-auch-chrome-besser-machen-1905-141240.html    Veröffentlicht: 16.05.2019 07:00    Kurz-URL: https://glm.io/141240

Chromium

Der neue Edge-Browser könnte auch Chrome besser machen

Wie sieht die Zukunft des Edge-Browsers aus und was will Microsoft zum Chromium-Projekt beitragen? Im Gespräch mit Golem.de gibt das Unternehmen die vage Aussicht auf einen Release für Linux und Verbesserungen in Google Chrome. Bis dahin steht viel Arbeit an.

Die kommende Version des Edge-Browsers auf Basis der Chromium-Engine ist derzeit für Microsoft ein großes Thema. So hat das Unternehmen einen IE-Modus, eine tiefere Office-365-Integration und Privatsphäretools vorgestellt. Dass das Unternehmen auf das Open-Source-Projekt für die Entwicklung des nächsten Edge setzt, könnte den Browser künftig auch auf weitere Betriebssysteme bringen: Edge auf Linux scheint dadurch möglich zu sein, zumal es etwa den ebenfalls auf Chromium basierenden Google Chrome für diverse Distributionen auf Umwegen bereits gibt. "Es ist unsere Absicht, Edge dorthin zu bringen, wo Entwickler sind", sagt Jatinder Mann, ein Microsoft-Manager bei der Edge-Entwicklung, im Gespräch mit Golem.de. Auf die Frage nach einem Release auf Linux antwortet er: "Wir werden Chromium nicht nur verwenden. Wir werden einen erheblichen Beitrag zu diesem Projekt leisten."

Microsoft macht rund um diese Kooperation noch wenig direkte Zusagen - so auch auf die Frage, ob Google möglicherweise ähnliche Privatsphäretools für seinen Chrome-Browser bringen wird, wie sie für Edge angekündigt wurden. "Es liegt an Google, dies anzukündigen", sagt Mann. Die Tools sind eine der drei Neuerungen, die Microsoft auf der Entwicklerkonferenz Build 2019 für Edge angekündigt hat. Mann erklärt, dass es dabei nicht nur drei vorgefertigte Profile geben wird, sondern die Einstellungen auch manuell angepasst werden können. Die Vision ist es zudem, unterschiedliche Filterregeln für jeweils andere Webseiten zu erstellen. Dabei sei es allerdings nicht die Intention der Entwickler, Werbung zu blocken.

Zusammenarbeit mit Google-Entwicklern

Microsoft arbeitet laut Mann eng mit Google-Entwicklern an dem Projekt, das als quelloffene Software von allen Entwicklern verwendet werden kann. Bei enger Zusammenarbeit ist es normal, dass Ideen von mehr als einer Partei übernommen werden. Microsoft möchte viele Ansätze einbringen, wie Mann erklärt: "Chromium hat momentan noch nicht viele Zugänglichkeitsfunktionen." Microsoft will die Engine beispielsweise um die Webauthentifizierung mit Windows Hello oder FIDO-Sticks ergänzen. Passwortlose Anmeldemöglichkeiten könnten durch Chromium-Edge weiterverbreitet werden und eventuell den Weg schneller auch in Googles Browser finden.

"Indem man Webentwicklern eine konsistentere Webplattform bietet, sieht man größeren Nutzen für diese APIs und weniger Kompatibilitätsprobleme", sagt Mann. Er bestätigt zudem, dass Chrome-Erweiterungen auch mit dem nächsten Microsoft-Edge funktionieren werden. Für Features wie den kommenden Internet-Explorer-Tab wird das wohl schwieriger werden. Es handelt sich dabei laut Mann nicht um eine Virtualisierung oder Containerisierung des alten Microsoft-Browsers. Die proprietäre IE-Engine wird direkt in Edge integriert und ermöglicht daher die Kompatibilität zu Legacy-Anwendungen. Der Support für den Internet Explorer wird aus diesem Grund weiterlaufen. "Es wird keine neuen Funktionen für den IE mehr geben", ergänzt Mann allerdings.

Nach dem noch nicht genau bekannten Release wird es außerdem zunächst zwei parallele Edge-Versionen geben.

Vorerst zwei parallele Versionen des Edge-Browsers

Der Engine-Wechsel auf Chromium soll den Vorgänger vorerst nicht absolut unbrauchbar machen. "Es ist beabsichtigt, dass die kommende Version von Edge die jetzige Version von Edge ersetzen wird", sagt Mann. "Wenn Entwickler eine Applikation mit Edge-HTML erstellen, wird dies weiterhin funktionieren." Es wird also vorerst zwei Versionen des Browsers geben, bis Chromium-Edge einen entsprechenden Marktanteil erlangt hat.

Microsoft erwartet, dass der neue Edge-Browser wesentlich flotter reagieren wird. "Wir sehen bereits großartige Ergebnisse, etwa von der Seite html5test.com", sagt Mann. Es gebe zwar noch immer einen Abstand zwischen den Browsern, allerdings sei Chromium-Edge mittlerweile wettbewerbsfähiger. Mann gesteht ein: "Wir sehen, dass es noch ein paar Lücken zwischen der momentanen Version von Edge und der Chromium-Version gibt und wir bemühen uns, diese zu schließen." Als Beispiel nennt er das Scrollen von Seiten, das in der neuen Version noch hakelig läuft. Außerdem will Microsoft die Touchfähigkeiten von Chromium verbessern und hat mittlerweile das Microsoft-Touch-Keyboard vollständig funktionsfähig gemacht.

Edge für fast alle Plattformen möglich

Die Chromium-Version von Edge gibt es bereits jetzt als Previewversion für Windows 10, sie soll aber auch für ältere Versionen von Windows kommen - etwa ältere Updates des aktuellen Windows oder Windows 7 und 8.1. Ein Ziel ist es darüber hinaus, Chromium-Edge für MacOS zu bringen, wie es auch bei der älteren Version der Fall ist. Die Open-Source-Engine kann allerdings nicht mit iOS genutzt werden, da Apples mobiles Betriebssystem laut Mann das native WebKit-Framework erzwingt und keine Alternativen zulässt.

Es scheint trotz des Beitrags zum Open-Source-Projekt nicht so zu sein, dass Microsoft sämtliche Funktionen mit der Community teilt. Die tiefe Integration des proprietären Office 365 als Collections ist ein Beispiel: Auf der Build 2019 hat das Unternehmen bereits das Kopieren von Webelementen in Word-Dokumente und Excel-Tabellen direkt im Browser gezeigt. Jatinder Mann sagt dazu: "Mehr Integrationen werden kommen, es ist noch recht früh." Das könnten neben Excel und Word auch beispielsweise Powerpoint oder Onenote sein.

Die Arbeit an Chromium-Edge ist nämlich noch lange nicht fertig, nach der momentanen frühen Preview wird es laut Mann zunächst eine Betaversion geben, die ebenfalls noch einmal eine Testphase durchläuft. Es ist damit zu rechnen, dass Microsoft eine Release-Version des neuen Browsers Ende 2019 parat hat - möglicherweise mit dem Windows-Inhaltspatch im Herbst 2019.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Microsoft an der Entwicklerkonferenz Build 2019 teilgenommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.  (on)


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