Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mach-5-hermeus-will-in-1-5-stunden-ueber-den-atlantik-fliegen-1905-141228.html    Veröffentlicht: 14.05.2019 11:18    Kurz-URL: https://glm.io/141228

Mach 5

Hermeus will in 1,5 Stunden über den Atlantik fliegen

Transatlantikflüge sind lang und ermüdend. Das will Hermeus ändern: Das US-Luftfahrtunternehmen will ein Flugzeug entwickeln, das von den USA nach Frankreich so lange braucht wie ein ICE von Hamburg nach Berlin.

In anderthalb Stunden von New York nach Paris: Das US-Unternehmen Hermeus will ein Flugzeug bauen, das mit fünffacher Schallgeschwindigkeit (Mach 5) fliegen kann. Es soll in etwa zehn Jahren einsatzfähig sein.

Über die Technik, die das Unternehmen einsetzen will, ist nicht viel bekannt. Das Unternehmen setzt aber auf vorhandene Technik und Materialien: Sie würden nichts nutzen, das "allzu übernatürlich" sei, sagte Skyler Shuford, Leiter eines operativen Geschäftsbereichs, dem US-Onlinemagazin Ars Technica. Sie machten Entwicklungsarbeit, keine Wissenschaft.

Ein Demonstrator, der Mach 5 erreicht, soll laut Shuford in etwa fünf Jahren fertig sein. Das Flugzeug könnte in acht bis zehn Jahren bereit für den kommerziellen Einsatz sein. Damit soll ein Transatlantikflug von New York nach Paris nur noch 90 Minuten dauern. Aktuell beträgt die Flugzeit 7,5 Stunden. Die Concorde schaffte die Strecke in dreieinhalb Stunden.

Hermeus existiert seit dem vergangenen Jahr. Die vier Gründer AJ Piplica, Glenn Case, Mike Smayda und Skyler Shuford waren zuvor beim US-Luftfahrtunternehmen Generation Orbit und hatten dort am Hyperschallraketenflugzeug X-60A der US-Luftwaffe gearbeitet. Smayda und Shuford waren auch schon beim US-Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Ziel des Unternehmens sei, "durch eine radikale Erhöhung der Reisegeschwindigkeit die globale Verkehrsinfrastruktur zu revolutionieren", sagt Unternehmenschef Piplica. Das sei vergleichbar dem Fortschritt von der Einwahl per Modem zum Breitbandzugang. Für sein Vorhaben hat Hermeus gerade eine erste Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Wie viel Geld es dabei eingenommen hat, hat das Unternehmen allerdings nicht bekanntgegeben.

Hermeus ist allerdings nicht allein auf dem Feld der Flugzeuge, die schneller als der Schall fliegen. Nach dem Aus der Concorde im Jahr 2003 war es zunächst ruhig geworden um die Überschallflieger. Seit einigen Jahren beschäftigt sich aber wieder eine Reihe von Unternehmen mit dem Thema. Zu den Akteuren gehört der US-Luftfahrtkonzern Lockheed Martin, der im Auftrag der Nasa den Prototyp eines leisen Überschallflugzeugs baut.

Das US-Unternehmen Boom Supersonic hat 2016 ein Überschallpassagierflugzeug vorgestellt. Der Jet, in dem 45 Passagiere Platz haben, soll schneller fliegen als die Concorde, aber nicht so schnell, wie Hermeus das beabsichtigt. Mehrere Fluggesellschaften hätten mehrere Dutzend Flugzeuge bestellt, verkündete Boom-Supersonic-Chef Blake Scholl 2017. Unter den Käufern ist auch die Virgin Group, deren Tochter Spaceship Company die Überschallflugzeuge bauen soll.  (wp)


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