Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/neue-anc-kopfhoerer-im-vergleichstest-der-rest-der-welt-gegen-sony-und-bose-1905-141221.html    Veröffentlicht: 22.05.2019 09:07    Kurz-URL: https://glm.io/141221

Neue ANC-Kopfhörer im Vergleichstest

Der Rest der Welt gegen Sony und Bose

Microsoft und Jabra wollen mit neuen ANC-Kopfhörern gegen die mächtige Konkurrenz von Sony und Bose bestehen - und hätten es fast geschafft. Das Hörerlebnis ist aber berauschend - leider.

Wir sind weiter auf der Suche nach Kopfhörern, die es bei Geräuschunterdrückung und Klang mit Sonys WH-1000XM3 oder dem etwas schlechteren Quiet Comfort 35 II von Bose aufnehmen können, aber nicht deren viele ärgerliche Unzulänglichkeiten haben. Nun bieten gleich zwei Hersteller erstmals Bluetooth-Kopfhörer mit ANC (Active Noise Cancelling) an, und wir setzen große Hoffnungen in sie. Denn als Neulinge hatten Microsoft mit dem Modell Surface Headphones und Jabra mit dem Elite 85h die Möglichkeit, aus den Fehlern anderer Hersteller zu lernen.

Diese liegen vor allem in vielen kleinen, aber nervigen Schwächen bei der Bedienung. So kann etwa bei den Bose- und Sony-Kopfhörern im Kabelbetrieb die Lautstärke nicht verändert werden, die Kopfhörer schalten sich ab, sobald die eingebauten Akkus geladen werden, und Sonys Sensorfeld kann bei Kälte verrücktspielen. Bose hat Windgeräuschen nichts entgegenzusetzen und bei Sony ist die Aktivierung denkbar unglücklich gelöst. Tatsächlich haben Microsoft und Jabra hier einiges besser gemacht als die starke Konkurrenz - dabei aber leider Grundfunktionen vernachlässigt.

Die wichtigste Eigenschaft eines modernen, guten Kopfhörers mit ANC (Active Noise Cancelling) ist, dass er Außengeräusche effizient dämmt. Er hat Mikrofone, mit denen die Umgebungsgeräusche analysiert werden, um den passenden Gegenschall zu erzeugen, so dass Nutzer Störgeräusche nicht mehr wahrnehmen. Die Mikrofone sind dabei anfällig für Windgeräusche. Im Idealfall werden auch solche Geräusche automatisch eliminiert oder es lässt sich zumindest eine Windreduzierung zuschalten. Auch darf das ANC nicht rauschen.



Die zweite wichtige Eigenschaft von ANC-Kopfhörern ist natürlich ein guter Klang. Die Oberklassekopfhörer mit ANC-Technik sind in der Regel sogenannte Over-the-Ear-Modelle, die Hörmuscheln der Geräte umschließen die Ohren also vollständig. Je nach Modell bringt das bereits eine recht wirksame Geräuschminderung. Die Kopfhörer haben also ausreichend Platz für große Lautsprecher, die auch im Tiefbassbereich einiges liefern sollten.

Knöpfe vs. Sensorfläche

Der dritte wichtige Aspekt ist die Steuerung. Bei modernen Kopfhörern setzen viele Hersteller statt auf Knöpfe auf Sensorfelder. Das erscheint erst einmal angenehm, hat aber seine Tücken. Bewegt sich der Nutzer, kann ein Tippen oder Wischen über das Sensorfeld falsch verstanden werden. Außerdem können beim Auf- oder Absetzen des Kopfhörers Befehle ausgeführt werden, weil die Sensorfelder versehentlich berührt werden. Diese Probleme gibt es mit klassischen Knöpfen nicht. Auch lassen sie sich gut erfühlen. Wenn diese in vernünftiger Logik angeordnet sind, ist eine Blindbedienung problemlos möglich. Außerdem sollte es damit keine Kälteprobleme geben.

Moderne ANC-Kopfhörer funktionieren mit Bluetooth, können aber wahlweise auch mit einem beiliegenden Klinkenkabel genutzt werden - bei Bose und Sony mit Einschränkungen. Dann gibt es bei modernen Modellen meist einen USB-C-Anschluss, über den der eingebaute Akku geladen wird.

Jabra und Microsoft versprechen beide für ihre neuen Kopfhörer einen sehr guten Klang und einen leistungsfähigen ANC. Microsofts Modell hat eine Sensorsteuerung, eine Ohrerkennung und als weitere Besonderheit ein Drehrad zur Steuerung der Lautstärke. Der Elite 85h schaltet sich automatisch ein oder aus, hat ebenfalls eine Ohrerkennung und wird komplett über Tasten gesteuert. Zudem verspricht Jabra eine automatische ANC-Umschaltung abhängig von der aktuellen Umgebung sowie eine automatische Reduzierung von Windgeräuschen.

Surface Headphones: Guter Klang, schwaches ANC

Das Kopfhörermodell Surface Headphones sitzt angenehm auf den Ohren, im direkten Vergleich fühlt sich der Sony WH-1000XM3 noch angenehmer an, die Ohrmuscheln sitzen noch besser. Klanglich überzeugt der Microsoft-Kopfhörer. Der Bass ist intensiv, die Höhen sind klar und deutlich. Im Mittenbereich schwächelt das Microsoft-Modell und verursacht einen bedeckteren Klang. Klanglich gefällt uns die Sony-Konkurrenz aber noch besser.

Bei der ANC-Funktion versagt Microsoft leider völlig. Während einer Fahrt in der Berliner S-Bahn ist es unter Sonys Kopfhörer fast unheimlich ruhig, die Microsoft-Konkurrenz klingt kaum anders als ganz ohne Kopfhörer. In Büroumgebungen konzentriert zu arbeiten, ohne dabei von Musik beschallt zu werden, ist mit Microsofts Kopfhörer nicht möglich. Alle Gespräche sind weiterhin klar zu hören, ebenso andere Nebengeräusche wie die Anschläge von Tastaturen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der ANC ein lautes Rauschen erzeugt. Es übertönt sogar die Klangkulisse in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer Microsofts Kopfhörer bei Spaziergängen nutzt, hört immer das Pfeifen des Windes, Windgeräusche lassen sich nicht abstellen. Auch der Hear-through-Modus ist eine Enttäuschung. Hier werden die Umgebungsgeräusche auf die Kopfhörer übertragen. Das ist zwar tatsächlich so, aber der Hintergrundlärm ist stärker zu hören als ohne Kopfhörer.

Sehr kurze Akkulaufzeit

Eine Enttäuschung ist auch die Akkulaufzeit. Die von Microsoft versprochenen 15 Stunden sind schon wenig im Vergleich zu den 23 Stunden des Bose-Kopfhörers oder den 24 bis 28 Stunden der Sony-Konkurrenz. Real schafft Microsofts Kopfhörer mit aktiviertem ANC sogar nur 14 Stunden. Das weiß das Gerät sogar besser als der Hersteller: Beim Einschalten sagt der Kopfhörer uns bei vollem Akku, dass die Laufzeit 14 Stunden betrage. Aufgeladen ist der Kopfhörer in knapp zwei Stunden - ein üblicher Wert. Erfreulicherweise kann er während des Aufladens weiterverwendet werden.



Alle Ansagen erfolgen auf Wunsch in deutscher Sprache, sind aber sehr leise und in einer S-Bahn selbst bei ausgeschalteter Musik kaum zu verstehen. Die Ohrmuscheln des Kopfhörers können nur in eine Richtung gedreht und damit nicht platzsparend transportiert werden; die Tasche ist viel größer als bei der Konkurrenz, deren Kopfhörer sich zusammenfalten lässt. Unangenehm fällt uns ein penetranter Kunststoffgeruch auf, der auch nach einigen Wochen nicht verflogen ist.

Keine Smartphone-Apps für Käufer in Deutschland

Microsoft behandelt Käufer in Deutschland wie Kunden zweiter Klasse. Die in den USA verfügbaren Smartphone-Apps zur Konfiguration und Aktualisierung des Kopfhörers werden deutschen Kunden vorenthalten. Er lässt sich daher nur mit einem Windows-10-Gerät anpassen und vor allem aktualisieren. Unsere Frage nach dem Grund hat Microsoft nicht beantwortet.

Die Surface-Headphones-App enttäuscht uns ebenfalls, das Design ist misslungen. Die App zeigt den eingestellten ANC-Level nur an, eine Veränderung ist nicht möglich. Als Pluspunkt sehen wir den Equalizer, mit dem wir den Klang verändern können - erfreulicherweise merkt sich der Kopfhörer die Einstellung, wenn er ausgeschaltet wird.

Die Ohrerkennung pausiert die Musik automatisch, sobald der Kopfhörer abgesetzt wird. Sitzt er wieder auf den Ohren, läuft die Musik weiter. Mit Android- und iOS-Apps klappt das gut, auf einem Windows-10-Rechner funktioniert es nicht. Eine Abschaltung der Ohrerkennung sieht Microsoft nicht vor. Der Microsoft-Kopfhörer unterstützt Bluetooth 4.2 und kann problemlos parallel mit zwei Geräten verwendet werden.

Praktisches Drehrad für die Lautstärke

Eine grandiose Idee hat Microsoft für die Lautstärkeregelung gehabt. Der Kopfhörer hat zwei Tasten zum Ein- und Ausschalten sowie zum Stummschalten des Mikrofons. Anrufer können uns gut verstehen, wenn wir damit telefonieren. Auf beiden Seiten der Ohrmuschel gibt es jeweils ein Drehrad. Rechts können wir damit schnell die Lautstärke verändern, erfreulicherweise auch bei eingestecktem Klinkenkabel.



Das Drehrad an der linken Ohrmuschel steuert ANC und den Hear-through-Modus. So genial ein Drehrad für die Lautstärkeregelung ist, so unsinnig ist es für diesen Zweck. Der Kopfhörer hat zwölf ANC-Stufen, aber in Anbetracht der schwachen ANC-Leistung nutzen wir ohnehin immer das Maximum. Drehen wir in die andere Richtung bis zum Ende, schaltet sich der Hear-through-Betrieb ein, eine unpraktische Art der Aktivierung. Wer nur den ANC abschalten will, muss von dieser Position ganz leicht wieder zurückdrehen - fast ein Kunststück, das zu treffen, denn es fehlen fühlbare Raster oder sonstige Signalisierungen.

Schlechte Sensorfeldsteuerung

Die Musik- und Anrufsteuerung erfolgt über Sensorfelder, die es auf beiden Seiten der Hörmuscheln gibt. Dabei hat Microsoft einen groben Fehler gemacht: Einmaliges Tippen pausiert die Wiedergabe oder setzt sie fort. Halten wir die Hand auf das Sensorfeld, aktiviert sich der digitale Assistent auf dem Smartphone. Wenn wir den Kopfhörer vom Kopf nehmen oder aufsetzen, müssen wir darauf achten, bloß nicht eines der Sensorfelder zu berühren, um keine ungewollte Aktion auszulösen.

Bei der Musikwiedergabe führt ein Doppeltipp dazu, ein Lied weiter zu springen. Mit einem dreifachen Tippen wird das laufende Lied von vorn abgespielt. Dabei ist es vor allem Zufall, was beim dreifachen Tippen so passiert. Bei falschem Timing wird es als Pause und Titelsprung nach vorne interpretiert.

Beim Klang schneidet der Microsoft-Kopfhörer gut ab, und die Lautstärkeregelung mittels Drehrad ist sehr praktisch. Umso unpraktischer ist die übrige Bedienung des Surface Headphones, auch weil Käufer in Deutschland von Microsoft keine Smartphone-App bekommen. Im ANC-Bereich ist das Ergebnis enttäuschend, und die Akkulaufzeit gehört mit zu dem Schwächsten im Bereich von Oberklasse-AND-Kopfhörern.

Jetzt setzen wir alle Hoffnung in den Elite 85h von Jabra.

Jabra-Kopfhörer mit perfekter Steuerung

Das Besondere am Elite-85h-Kopfhörer fällt sofort auf: Es gibt keinen Ein-Aus-Schalter. Stattdessen schaltet sich der Kopfhörer automatisch ein oder aus, je nach Position der Ohrmuscheln. Sobald diese so gedreht sind, dass der Kopfhörer aufgesetzt werden kann, schaltet er sich ein. Werden sie zur Seite gedreht, schaltet er sich aus. Das ist extrem clever gelöst, wir gewöhnen uns schnell daran.

Am Kopfhörer sind zwei sichtbare Tasten, eine davon regelt die ANC- und Hear-through-Funktion, die andere dient zum Stummschalten des Mikrofons und zum Aufrufen eines digitalen Assistenten. Richtig gelesen: Der Hersteller hat sein Versprechen gebrochen; der Elite 85h bietet nicht die angekündigte Funktion, digitale Assistenten ohne Knopfdruck auf Zuruf zu aktivieren.

Auf Nachfrage von Golem.de begründet Jabra den Schritt folgendermaßen: "Die zu erwartende Benutzererfahrung entspricht nicht den eigenen Erwartungen. Momentan können die Speicheranforderungen für die Integration aller Sprachassistenten nicht durch die Chipsatztechnologie, die uns und anderen Kopfhörerherstellern zur Verfügung steht, erfüllt werden. Jabra verzichtet daher auf eine Beeinträchtigung des ANC, der Akkulaufzeit und der verwendeten fortschrittlichen Klangverarbeitungsalgorithmen, um ein erstklassiges Klangerlebnis mit dem Elite 85h zu schaffen."

Knopfbedienung ist einem Sensorfeld überlegen

Auf der rechten Hörmuschel befinden sich die Steuerungselemente für Musik und Telefonie. Dabei setzt Jabra auf klassische Drucktasten, die sich unter einer Gewebeoberfläche befinden und daher zunächst nicht auffallen. Eine Taste steuert Musik und Anrufe und liegt in einer vorbildlich zu erfühlenden Mulde. Die zwei anderen Tasten regeln die Lautstärke und haben Punkte als Markierungen, die ebenfalls gut erfühlt werden können. Alle drei fallen durch einen angenehm dosierten Druckpunkt positiv auf, jeder Tastendruck macht genau, was wir wollen. Sehr schön: Wie auch beim Microsoft-Kopfhörer können wir die Lautstärke am Kopfhörer regeln, wenn wir diese im Kabelbetrieb nutzen.



Die Lautstärketasten dienen auch einem Titelsprung, die Belegung ist absolut intuitiv. Es gibt sogar einen Sonderbefehl, um direkt einen Track zurückzuspringen - sehr angenehm. Wie auch Microsofts Surface Headphones hat der Elite 85h eine Ohrerkennung, die allerdings abschaltbar ist. Der Elite 85h lässt sich umfassend und narrensicher bedienen - alles klappt, wie erwartet.

Elite 85 mit sehr langer Akkulaufzeit

Der Kopfhörer wirkt hochwertig verarbeitet, allerdings fällt uns ein unangenehmes Knarzen auf, das beim Aufsetzen und Abnehmen zu hören ist. Er sitzt etwas angenehmer als der Microsoft-Kopfhörer und ist dichter am Tragekomfort des Sony-Kopfhörers. Der Elite 85h unterstützt Bluetooth 5.0, und es können problemlos zwei Geräte parallel verwendet werden. Anrufer können uns gut verstehen, wenn wir darüber telefonieren, und wir hören diese ebenfalls gut.

Bei der Akkulaufzeit gehört der Jabra-Kopfhörer zum absoluten Spitzenfeld: Mit 39 Stunden Akkulaufzeit werden die vom Hersteller versprochenen 36 Stunden sogar noch um drei Stunden übertroffen. Damit schafft das Jabra-Modell eine fast dreimal so lange Akkulaufzeit wie die Microsoft-Konkurrenz und fast doppelt so viel wie der Quiet Comfort 35 II, der bis zu 23 Stunden erreicht. Zum Vergleich: Sonys WH-1000XM3 schafft schon sehr gute 28 Stunden, Jabra legt nochmal elf Stunden drauf. Nach 2,5 Stunden sind die Akkus wieder geladen. Der Kopfhörer kann während des Ladevorgangs weiterhin genutzt werden.

Bassarmer Klang

Klanglich ist der Elite 85h schwächer als Microsofts Kopfhörer. Das Klangbild ist sehr hell und klar, der Mittenbereich ist ausgeprägt, dafür ist der Bassbereich viel zu schwach. Ansonsten ist der Klang ausgewogen und raumfüllend, bleibt aber hinter den sehr guten Klangergebnissen des Sony-Kopfhörers deutlich zurück, die im Bassbereich viel zu leisten wissen.

Der Elite 85h liefert eine stärkere ANC-Leistung als die Microsoft-Konkurrenz, Gespräche im Büro werden besser gedämmt, Anschläge der Tastatur sind merklich leiser, und auch die Fahrgeräusche in der Berliner S-Bahn werden deutlicher verringert. Allerdings kämpft auch Jabra mit einem deutlich hörbaren Rauschen im Ruhebetrieb. Auch wenn das Grundrauschen leiser als bei der Microsoft-Konkurrenz ist, stört es.



Im ANC-Bereich schneidet der Elite 85h dennoch schwächer ab als die Konkurrenz von Bose und Sony. Beide können typische Bürogeräusche noch stärker dämmen, wobei Sony hier vor Bose liegt. Mit dem Jabra-Kopfhörer bleiben Stimmen weiterhin verständlich, bei den beiden anderen werden diese so weit gedämpft, dass die einzelnen Wörter weniger gut zu verstehen sind, die Ablenkung wird weitestgehend eliminiert.

Intelligente Windreduzierung und toller Hear-through-Betrieb

Vorbildlich gelöst ist Jabras automatische Windreduzierung. Der Kopfhörer merkt, wenn der Wind pfeift, und schaltet die Mikrofone so, dass die Windgeräusche nicht stören. Noch leistungsfähiger ist hier zwar das Sony-Modell, allerdings geschieht die Windreduzierung nicht automatisch und ist nur in der App zuschaltbar und nicht am Kopfhörer selbst.

Auch das Jabra-Modell hat einen Hear-through-Betrieb. Anders als bei Microsoft und Sony klingt dieser genau so, als hätten wir keinen Kopfhörer auf. Fahrgeräusche oder ähnliches werden nicht störend verstärkt, alles klingt sehr natürlich, und auch Ansagen in der Bahn können wir gut verstehen, während wir Musik in moderater Lautstärke hören.



Die Elite 85h haben mehrere Betriebsmodi, zwischen denen manuell oder automatisch gewechselt werden kann. Der Kopfhörer analysiert dafür die Umgebung und aktiviert das passende Profil etwa für den Aufenthalt in ruhigem Umfeld, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder für Spaziergänge. Eine ähnliche Technik hat auch Sonys WH-1000XM3. Beide Verfahren reagieren uns zu träge, wir können uns damit nicht anfreunden. Beim Jabra-Kopfhörer dauert es 30 bis 60 Sekunden, bis eine veränderte Umgebung erkannt ist. Bei einer halbstündigen S-Bahn-Fahrt durch Berlin schaltete der Modus fast an jeder Station um - aber mit entsprechender Verzögerung. Wenn die Bahn hält, läuft immer der falsche Modus, und der passende wird erst aktiviert, wenn der Zug schon wieder fährt.

Für die Konfiguration des Kopfhörers stellt Jabra die Sound+-App für iOS und Android bereit. Diese ist klar strukturiert, der Klang kann mit einem Equalizer angepasst werden. Es gibt eine Ortungsfunktion, und bei Bedarf kann Alexa als digitaler Assistent eingerichtet werden. Ansonsten wird der auf dem Smartphone hinterlegte Assistent genutzt. Zudem kann in der App eingestellt werden, wann sich der Kopfhörer bei Nichtnutzung von selbst ausschaltet.

Jabras Elite 85h lässt sich vorzüglich bedienen, hier stimmt einfach alles, und die coole Einschaltautomatik ist praktisch. Im Hear-through-Betrieb, bei der automatischen Reduzierung von pfeifendem Wind und bei der Akkulaufzeit leistet Jabra Vorbildliches. Die ANC-Fähigkeiten sind zwar besser als bei der Microsoft-Konkurrenz aber schwächer als das, was Sony und Bose leisten. Der Klang ist zu bassarm und die automatische Profilerkennung konnte uns so nicht überzeugen.

Verfügbarkeit und Fazit

Microsoft verkauft sein Modell Surface Headphones in grau regulär für 380 Euro. Ein paar Wochen nach der Markteinführung in Deutschland hat es bereits einen Preisrutsch im Handel gegeben und derzeit ist Microsofts erster ANC-Kopfhörer für 280 Euro zu bekommen. Jabra verkauft den Elite 85h seit Ende April 2019 für 300 Euro und diesen Preis müssen Käufer derzeit auch dafür bezahlen. Das Jabra-Modell gibt es in Beige, Blau und Schwarz. Zum Vergleich: Sonys WH-1000XM3 kostet regulär 380 Euro, ist mittlerweile im Handel aber für unter 300 Euro zu bekommen. Der Ladenpreis für Boses Quiet Comfort 35 II liegt derzeit bei etwa 280 Euro - er ist am längsten verfügbar.

Fazit

Microsoft und Jabra tun sich beide schwer gegen die etablierte Konkurrenz von Sony und Bose. Microsofts Modell Surface Headphones überzeugt zwar beim Klang, ist aber in allen anderen Belangen eine Enttäuschung: Käufer erhalten einen viel zu schwachen und stark rauschenden ANC mit einer für diese Geräteklasse viel zu kurzen Akkulaufzeit und einer denkbar schlechten Sensorsteuerung.

Bei der ANC-Leistung ist der Elite 85h zwar besser, aber trotzdem zu schwach. Zudem rauscht er zu stark. Auch die Klangqualität lässt zu wünschen übrig. Immerhin kann das Jabra-Modell mit einer phänomenal langen Akkulaufzeit überzeugen und hat eine perfekte Steuerung. Auch im Bereich automatische Windreduzierung und Klangqualität im Hear-through-Modus ist der Jabra-Kopfhörer führend.

Wer bei der ANC-Leistung besonders hohe Ansprüche hat, greift also weiterhin zu Sonys WH-1000XM3, der einem dann auch noch einen sehr guten Klang liefert. Allerdings muss sich der Käufer auf nervige Eigenheiten wie eine unzureichende Unterstützung des Parallelbetriebs an zwei Geräten und einer kälteempfindlichen Sensorsteuerung einlassen. Wer seine Kopfhörer oft mit zwei Geräten parallel betreiben will, ist besser mit Boses Quiet Comfort 35 II bedient, der bei der ANC-Leistung und beim Klang nur etwas schwächer ausfällt als die Konkurrenz von Sony.

Wir hätten gerne eine Mischung aus Sonys WH-1000XM3 und Jabras Elite 85h. Den leistungsfähigen ANC und den guten Klang des Sony-Modells gepaart mit der fantastischen Akkulaufzeit, dem tollen Bedienungskonzept mit den vielen Automatikfunktionen sowie der gelungenen Reduzierung störender Windgeräusche und einem natürlich klingenden Hear-through-Modus des Jabra-Kopfhörers. Aber das gibt es noch nicht.  (ip)


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