Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/deskmini-a300-im-test-asrocks-2-liter-ryzen-zwerg-taugt-1905-141174.html    Veröffentlicht: 20.05.2019 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/141174

DeskMini A300 im Test

Asrocks 2-Liter-Ryzen-Barebone überzeugt

Wer einen sehr kompakten Mini-PC mit AMD-Hardware sucht, hat wenige Optionen. Eine der besten ist der DeskMini A300 von Asrock: Für rund 250 Euro eignet er sich als Multimedia-Rechner, für 400 Euro als Gaming-Maschine. Die Ausstattung ist trotz zwei Liter Volumen gut.

Ein Blick in der Online-Preissuche zeigt: In den meisten Mini-PCs steckt ein Prozessor vor Intel, überdies bietet der Hersteller mit den NUCs eine eigene Serie an. Richtig kleine Systeme mit AMD-Hardware hingegen sind rar, Modelle wie Gigabytes Brix wurden seit Jahren nicht aktualisiert und Zotacs Zbox mit Raven Ridge ist nie erschienen. Mit dem im Winter 2018 gezeigten und im Januar 2019 offiziell angekündigten DeskMini A300 von Asrock gibt es mittlerweile aber einen aktuellen AMD-Mini-PC.

Ähnlich wie Intels NUC ist der DeskMini A300 kein Komplettsystem, sondern ein Barebone - bei Asrock fehlt sogar der Prozessor, da dieser gesockelt ist. Interessenten erwerben ein Gehäuse samt Mainboard, müssen aber CPU samt Speicher sowie HDDs/SSDs hinzukaufen. Der DeskMini A300 misst 155 x 155 x 80 mm, hat also unter zwei Liter Volumen, und wird mit gummierten Füßchen ausgeliefert. Die Vesa-Wandhalterung ist optional, gleiches gilt für das WLAN-Modul samt externen Antennen, zwei weitere USB-2.0-Ports und eine 3,5-mm-Klinke an der Gehäuserückseite.

Im Auslieferungszustand weist der DeskMini A300 an der Front nur zwei USB-3.0-Ports auf, einen als Type A und einen als Type C. Hinzu kommen Klinke für ein Mikrofon und noch einmal Klinke für Kopfhörer. Ein Power-Button und LEDs für Power sowie HDD runden die Vorderseite ab. Auf der Rückseite sind die Anschlüsse des Mainboards, des A300M-STX, offengelegt: Hier befinden sich der Anschluss für das externe 120-Watt-Netzteil von Acbel, ein Dislayport 1.4 und ein HDMI 2.0a für Fernseher oder Monitore, ein guter alter VGA-Port, der RJ-45 für Gigabit-Ethernet, ein weiterer USB-3.0- und ein USB-2.0-Anschluss plus eine Öse für ein Kensington-Schloss.

Um den DeskMini A300 in Betrieb zu nehmen, benötigen wir einen Prozessor mit integrierter Grafikeinheit für den Sockel AM4. Ergo muss es ein Raven Ridge wie der Ryzen 2400G/2200G (Test) oder der Athlon 200GE (Test) sein, die alten Bristol Ridge wie der A12-9800 (Test) werden allerdings auch noch unterstützt. Für die A300M-STX-Platine gibt es bereits die P3.40-Firmware mit der Agesa 0072, weshalb auch die Picasso für Desktop - also Raven Ridge in 12 nm - auf dem Board laufen sollten. Wie weit der Support in die Zukunft reicht, gilt es abzuwarten. Mit Vermeer könnte AMD eine Chiplet-Variante bestehend aus Zen-2-Prozessor und Navi-Grafikeinheit veröffentlichen.

Die minimale sinnvolle Ausstattung für den 150 Euro teuren DeskMini A300 umfasst einen Athlon 200GE für unter 50 Euro, einen 4-GByte-DDR4-2400-Speicherriegel in SO-DIMM-Bauweise für 20 Euro und eine günstige 2,5-Zoll-Sata-SSD mit 240 GByte für grob 30 Euro - alles zusammen also 250 Euro. Asrock legt dem kleinen Rechner zwar einen CPU-Kühler bei, der dem 70-mm-Alu-Modell entspricht, was AMD bei den Boxed-Versionen seiner 35-Watt-Athlon-Chips aber ohnehin mitliefert.

Für einen Ryzen 2400G/2200G sollte es ein besserer CPU-Kühler sein: Das System von Arlt ist mit dem 40 Euro teuren NH-L9a von Noctua mit einer Bauhöhe von 37 mm versehen, der auch unsere Wahl gewesen wäre. Asrock sieht maximal 46 mm vor, was die Auswahl stark einschränkt. Der ursprüngliche Wraith Stealth des Ryzen 2400G/2200G, ein Alu-Modell ohne Kupferkern, ist mit 55 mm zu hoch - selbst wenn wir den (unnötigen) Plastikring entfernen, passt er nicht. Neuere Modelle sind aber flacher und passen daher.

Wir haben den AMD-eigenen Kühler eines Athlon 240GE auf diesem und auf einem Ryzen 5 2400G getestet, Gleiches gilt für den NH-L9a von Noctua. Beim Zusammenbau des Systems gilt es laut Asrock zu beachten, welcher Prozessor verwendet wird, da dies Einfluss auf die Geschwindigkeit eines der M.2-2280-Slots für NVMe-SSDs haben soll.

Viel Leistung auf engstem Raum

Die Montage des DeskMini A300 ist simpel: Auf der Rückseite sind vier Schrauben zu lösen, dann kann der Mainboard-Tray einfach herausgezogen werden. Die Hauptplatine, das A300M-STX, nutzt den Mini-STX-Formfaktor mit kompakten 147 x 140 mm und hat dennoch einiges an Ausstattung integriert. In der Mitte sitzt der Sockel AM4 samt verschraubtem Retention-Modul, um CPU-Kühler einzuhaken, daneben befinden sich die beiden hochkant ausgerichteten SO-DIMM-Steckplätze für DDR4-Arbeitsspeicher.

Asrock verbaut keinen dedizierten Chipsatz, sondern nutzt die Schnittstellen, die jeder Athlon und Ryzen - sprich Raven Ridge - ohnehin beinhaltet; AMD nennt das A300-Chipsatz. Ergo fehlen auf der Platine auch zusätzliche Controller für Sata-Anschlüsse oder USB-Ports, an einer PCIe-Lane hängt aber ein RTL8111H von Realtek für das Gigabit-Ethernet. Die Spannungsversorgung übernehmen fünf hochwertige Phasen, der Aluminium-Kühler auf den Mosfets ist verschraubt.

Obgleich das A300M-STX wenig Platz hat, sind vier SSDs anschließbar. Auf der Oberseite ist ein M.2-2280-Slot für NVMe-Modelle mit PCIe Gen3 x4 verlötet, auf der Rückseite ebenfalls. Vorsicht: Die beiden Steckplätze nehmen keine M.2-SSDs mit Sata-Interface auf! Hinten auf der Platine gibt es stattdessen per Adapter-Kabel zwei Sata-Ports, die Drives selbst werden auf dem Mainboard-Tray verschraubt. Laut Asrock wird der zweite M.2-NVMe-Slot nur mit zwei PCIe-Lanes angebunden, wenn ein Athlon statt eines Ryzen verbaut wird. Das können wir nicht bestätigen: Laut HW-Info werden je vier Lanes genutzt und wir schaffen mit einer Samsung PM981 und einer WD Black SN720 parallel jeweils eine Leserate von über 3 GByte/s. Mit PCIe Gen3 x2 müsste bei knapp 2 GByte/s bereits Schluss sein.

Mit einem Athlon 240GE wird allerdings nur eine von zwei Sata-SSDs erkannt, wenn wir parallel dazu zwei NVMe-SSDs einstecken. Mit zwei Sata-SSDs und einer NVMe-SSD klappt es hingegen. Mit einem Ryzen 2400G/2200G gibt es keine Einschränkungen, beide Sata-SSDs und beide NVMe-SSDs sind nutzbar. Abseits der beiden M.2-Slots für Drives ist auf dem A300M-STX unterhalb des ersten Steckplatzes noch ein M.2-2230-Einschub vorhanden. Hier wird das Bluetooth-/WLAN-Kärtchen verbaut, Asrock selbst verkauft ein ac-3168 von Intel samt Antennen als Upgrade-Kit für den DeskMini A300. Obendrein bietet der Hersteller auch den DeskMini A300W an, dort ist das Kärtchen schon montiert.

Sind Speicher und SSDs eingebaut, wird der Mainboard-Tray zurück ins Gehäuse geschoben und verschraubt. Im Leerlauf benötigt das System durchweg rund 12 Watt, unter Last hängt es von der verbauten APU ab: Mit einem Ryzen 5 2400G sind es bis zu knapp 90 Watt, mit einem Ryzen 3 2200G etwa 70 Watt und mit einem Athlon 240GE rund 60 Watt. Der mitgelieferte 70-mm-Boxed-Kühler ist ausreichend, wird aber bei den beiden Ryzen recht laut, und das in einer nervigen Tonlage. Der Noctua NH-L9a hält die Chips kühler und bleibt deutlich leiser, im Leerlauf empfinden wir aber auch den Boxed als angenehm.

Die Performance des DeskMini A300 hängt ebenfalls stark von der APU ab: Wer im Internet surfen und alltägliche Büroarbeiten erledigen will, der wird mit einem Athlon 2x0GE und 4 GByte Speicher glücklich. Für Video-Encoding, etwa für Streaming, sollte es dann aber besser ein Ryzen sein. Für Spiele ist der 2400G mit Vega11-Grafikeinheit durchaus flott genug, vor allem weil Asrock eine Übertaktung des Speichers zulässt: Zwar können wir nur 1,2 Volt oder 1,35 Volt auswählen, das reicht aber für DDR4-3200-CL20 statt DDR4-2666-CL19 und somit 17 Prozent mehr fps in Counter-Strike: Global Offensive.

Raven Ridge beherrscht unter Windows 10 die Darstellung von Youtube mit 4K-HDR per V9.2-Codec. Allerdings konnten wir das System nicht dazu bewegen, bei Netflix entsprechende Inhalte abzuspielen: Our Planet mit 4K-HDR per H.265 lässt den Grafiktreiber (Radeon Software 19.5.1) abstürzen, nur in 1080p per H.264 läuft die Naturdoku. Generell funktioniert 4K-HDR per H.265, etwa per lokalem Video über den VLC Player - unter Windows 10 und unter Linux (Ubuntu 19.04).

Verfügbarkeit und Fazit

Der DeskMini A300 ist für rund 150 Euro als Barebone lieferbar, aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit schwankt der Preis jedoch teils um 10 Euro nach unten oder nach oben. Einige Shops wie Arlt bieten den Asrock-Rechner auch vorkonfiguriert ohne Betriebssystem an: Die Basisversion mit Athlon 240GE samt Boxed-Kühler und 4 GByte DDR4-2400 sowie 240-GByte-NVMe-SSD kostet 360 Euro, die Noctua-Variante 400 Euro.

Fazit

Uns gefällt, was Asrock entwickelt hat: Der DeskMini A300 ist nicht nur der einzige sehr kompakte Mini-PC mit aktueller AMD-Hardware am Markt, sondern für sich betrachtet ein guter Barebone. Der Hersteller hat damit Erfahrung, denn schon 2016 erschien mit dem Intel-basierten DeskMini 110 das erste Modell der Serie.

Die Anschlussvielfalt des Mini-PCs geht mit drei Display-Ausgängen, vier USB-Ports und Gigabit-Ethernet in Ordnung. Wir finden aber, dass Asrock das Erweiterungskit für zwei weitere USB-Frontbuchsen ruhig dazupacken könnte. Der mitgelieferte CPU-Kühler ist für einen Athlon gut genug, bei einem Ryzen nur im Leerlauf - unter Last wird der Lüfter zu laut. Dank Option auf Quadcore mit SMT und Dualchannel-Speicher liefert der DeskMini A300 eine ansprechende Leistung, außerdem können mehrere SSDs und ein WLAN-Modul auf der Platine sowie auf dem Mainboard-Tray verbaut werden.

Asrocks DeskMini A300 ist praktisch die AMD-Variante des DeskMini 310, wenngleich mit interessanten Unterschieden: Nur der Asrock-Barebone mit Athlon oder Ryzen unterstützt zwei NVMe-SSDs, überdies fällt die Geschwindigkeit der Vega-11-Grafikeinheit zumindest des Ryzen 5 2400G deutlich höher aus als bei Intels UHD Graphics 630. Dafür funktioniert mit einem Intel-Chip auch 4K-HDR-Neflix reibungslos und die Leistungsaufnahme bei der Videowiedergabe ist mit unter 20 Watt statt mit über 30 Watt niedriger.

Wer einen Mini-PC sucht, der als kleiner Desktop oder als Streaming-Server genutzt werden soll, bekommt mit dem DeskMini A300 dennoch ein überzeugendes Barebone. Vor allem, wenn wichtig ist, dass die Grafikeinheit flott rechnet, bietet sich der Asrock-Rechner an. Wenn es AMD-Hardware sein soll, sind Alternativen rar - eine davon ist das Thinkcenter M715q Tiny von Lenovo. Den Business-PC gibt es nur mit Ryzen 5 Pro 2400GE und HDMI 1.4, dafür ist WLAN bereits integriert.

Auch der ProDesk 405 G4 von HP wird einzig mit 35-Watt-Chip angeboten, wie beim Thinkcenter M715q Tiny passen maximal zwei SSDs ins System. In Deutschland verkauft HP den AMD-Rechner allerdings offenbar bisher nicht an Endkunden.  (ms)


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